Groop PH, Thomas M, Feodoroff M, Forsblom C, Harjutsalo V, FinnDiane Study Group. Helsinki, Finnland; Diabetes Care 2018: 41: 748 – 754

Fragestellung: Diese Studie untersuchte, ob sich das Mortalitätsrisiko von Patienten mit Typ-1-Diabetes ohne Albuminurie im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung und zu gematchten Kontrollen ohne Diabetes unterscheidet.

Studiendesign und Methodik: Die Autoren analysierten ein nationales, populationsbasiertes finnisches Register mit 10 737 Patienten, bei denen zwischen 1980 und 2005 ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert wurde und die für 10 Jahre nachverfolgt wurden, sowie 2 544 Erwachsene mit Langzeitdiabetes aus der Finnish Diabetic Nephropathy Study (FinnDiane). Die Mortalität wurde mit der finnischen Allgemeinbevölkerung und 6 655 Kontrollen ohne Diabetes verglichen.

Ergebnisse: Die standardisierte Mortalitäts-Ratio (SMR) war innerhalb der ersten 10 Jahre nach Diagnosestellung erhöht (2,58 [95 % CI 2,07 – 3,18], p < 0,001). Die Mortalität von Erwachsenen mit Langzeitdiabetes ohne Albuminurie unterschied sich nicht von der Allgemeinbevölkerung (1,02 [0,84 – 1,22], p = 0,83). Jedoch war die Mortalität im Vergleich zu Kontrollpersonen ohne Diabetes höher (1,33 [1,06 – 1,66], p = 0,01). Die Exzessmortalität war größtenteils durch akute Diabeteskomplikationen und ischämische Herzerkrankungen bedingt und blieb bei Erwachsenen mit Langzeitdiabetes trotzt fehlender Albuminurie mehr als vierfach höher (Mortalitäts-Ratio 4,34 [2,49 – 7,57]) im Vergleich zur Kontrollen ohne Diabetes. Im Gegensatz hierzu waren die Todesfälle durch Alkohol und Drogen bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes reduziert (p = 0,007), insbesondere bei Männern.

Schlussfolgerung: Die Exzessmortalität bei Typ-1-Diabetes ist durch die Komplikationen bedingt. Akute Komplikationen führen zu einer erhöhten SMR in den ersten Erkrankungsjahren. Bei Personen, die keine Albuminurie entwickeln, ist die Mortalität durch ischämische Herzerkrankung immer noch vierfach erhöht und akute Komplikationen treten ebenfalls auf.

Kommentar: In den ersten zehn Jahren der Diabeteserkrankung verdoppeln die akuten Komplikationen – Hypoglykämien und Ketoazidosen – die Mortalitätsrate. Über ein Drittel dieser Personen mit Typ-1-Diabetes versterben an akuten Komplikationen. Risikofaktor für diese fatalen Ereignisse sind vorherige stationäre Aufenthalte wegen akuter Komplikationen, gefährdete Personen können also identifiziert werden. Bei Patienten mit Langzeit-Typ-1-Diabetes ist das Vorliegen von Komplikationen entscheidend für die Mortalitätsrate. So ist die kardiovaskuläre Mortalität bei Patienten mit Albuminurie mindestens zehnfach höher als bei Personen ohne Albuminurie. Dass die Rate an ischämischen Herztod bei Patienten mit Typ-1-Diabetes ohne Albuminurie aber immer noch erhöht ist, macht deutlich, wie wichtig auch in dieser Patientenpopulation die aggressive Reduktion von kardiovaskulären Risikofaktoren (Hyperlipidämie, Hypertonie, Adipositas) ist.



Autor: PD Dr. med. Michael Hummel
Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
und
Krankenhaus München-Schwabing
Kölner Platz 1
80804 München

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (3) Seite 38