Kostev K, Jacob L, Lucas A, Rathmann W; Frankfurt, Deutschland; Diabet Med 2018; 35: 249 – 254

Fragestellung: Ziel war die Untersuchung der jährlichen Häufigkeit von HbA1c-Messungen sowie von Faktoren höherer oder niedrigerer Messungshäufigkeit, bei Personen mit Typ-2-Diabetes in Allgemeinpraxen und Spezialisteneinrichtungen in Deutschland.

Methodik: Insgesamt 43 509 Personen mit einer Diagnose eines Typ-2-Diabetes in 557 Praxen (51 % aller Praxen) wurden zwischen Januar 2016 und Dezember 2016 in diese Studie eingeschlossen. Primärer Endpunkt war die in 2016 jährlich erfasste Häufigkeit der HbA1c-Messung. Multivariate logistische Regression wurde zur Identifizierung von Variablen verwendet, welche mit einer Wahrscheinlichkeit einer zumindest zweimal jährlichen Messung im Jahr 2016 assoziiert waren, unter Verwendung von vordefinierten demographischen und klinischen Variablen.

Ergebnisse: Die mittlere (SD) Anzahl berichteter HbA1c-Testungen lag bei 2,7 (1,6) im Jahr 2016. Insgesamt hatten 74 % der Individuen zumindest zwei jährliche HbA1c-Messungen. Die Wahrscheinlichkeit mehr als 2 HbA1c-Messungen zu erhalten war invers korreliert mit Schlaganfall (Wahrscheinlichkeitsrate 0,81; 95 % CI 0,74 – 0,89), kürzerer Diabetesdauer (≤ 1 Jahr: Wahrscheinlichkeitsrate 0,77, 95 % CI 0,70 – 0,84) und höherer mittlerer HbA1c-Konzentration (≥ 8,5 %: Wahrscheinlichkeitsrate 0,85, 95 % CI 0,76 – 0,94) und war positiv assoziiert mit Spezialisteninput für Diabetes (Wahrscheinlichkeitsrate 1,24, 95 % CI 1,14 – 1,36), Bluthochdruck (Wahrscheinlichkeitsrate 1,10, 95 % CI 1,04 – 1,17), Hyperlipidämie (Wahrscheinlichkeitsrate 1,48, 95 % CI 1,41 – 1,55), renalen Komplikationen (Wahrscheinlichkeitsrate 1,41, 95 % CI 1,32 – 1,50), Neuropathie (Wahrscheinlichkeitsrate 1,27, 95 % CI 1,20 – 1,35) und Retinopathie (Wahrscheinlichkeitsrate 1,38, 95 % CI 1,25 – 1,52).

Schlussfolgerung: Im Jahr 2016 erhielten lediglich drei von vier Individuen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland mindestens zwei HbA1c-Messungen, was bedeutet, dass 25 % der Individuen weniger Messungen erhielten als in deutschen Leitinien vorgesehen.

Kommentar: Die Stärken dieser Studie beinhalteten die große Fallzahl, sowie die Verwendung einer nationalen Datenbank, welche eine unbeeinflusste Abschätzung der Häufigkeit von HbA1c-Messungen in deutschen Primärversorgungseinrichtungen erlaubte.



Autor: Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (3) Seite 40-41