Herold KC, Bundy BN, Long SA, Bluestone JA, DiMeglio LA, Dufort MJ, Gitelman SE, Gottlieb PA, Krischer JP, Linsley PS, Marks JB, Moore W, Moran A, Rodriguez H, Russell WE, Schatz D, Skyler JS, Tsalikian E, ­Wherrett DK, Ziegler AG, Greenbaum CJ; Type 1 Diabetes TrialNet Study Group; New Haven, CT, USA; N Engl J Med 2019. doi: 10.1056/NEJMoa1902226 [Epub ahead of print]

Fragestellung: Typ-1-Diabetes ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die zur Zerstörung von insulinproduzierenden Beta-Zellen führt, das Überleben der Patienten hängt von exogenem Insulin ab. Einige Interventionen konnten den Verlust der Insulinproduktion bei Patienten mit Typ-1-Diabetes verzögern, es sind aber Interventionen nötig, mit denen die klinische Progression vor Diagnose beeinflusst werden kann.

Methodik: Die Autoren führten eine doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Phase-2-Studie bei Verwandten von Patienten mit Typ-1-Diabetes durch, die ein hohes Risiko für die klinische Manifestation eines Typ-1-Dia­betes hatten. Therapiert wurde nach Randomisierung mit Teplizumab (ein anti-CD3-monoklonaler Antikörper, der nicht an den Fc-Rezeptor bindet) oder Placebo einmalig über 14 Tage. Die Personen wurden alle 6 Monate mittels oralen Glukosetoleranztests (oGTT) untersucht und der Progress zu klinisch manifestem Typ-1-Diabetes wurde beobachtet.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 76 Teilnehmer (55 [72 %] von ihnen waren ≤ 18 Jahre alt) randomisiert – 44 in die Teplizumab-Gruppe und 32 in die Placebo-Gruppe. Die mediane Zeit bis zur Diagnose eines Typ-1-Diabetes betrug 48,4 Monate in der Teplizumab-Gruppe und 24,4 Monate in der Placebo-Gruppe; die Erkrankung wurde diagnostiziert bei 19 (43 %) der Teilnehmer unter Teplizumab und bei 23 (72 %) unter Placebo-Behandlung. Die Hazard Ratio für die Dia­gnose Typ-1-Diabetes (Teplizumab vs. Placebo) war 0,41 (95 % KI 0,22 bis 0,78; p = 0,006 im adjustierten Cox-proportionalen Hazard Modell). Die jährlichen Dia­be­tesdiagnose-Raten waren 14,9 % pro Jahr in der Tepli­zumab-Gruppe und 35,8 % pro Jahr in der Placebo-Gruppe. Erwartete Nebenwirkungen traten auf: Hautausschlag und transiente Lympho­penie. TIGIT+KLRG1+CD8+-T-Zellen gab es häufiger in der Teplizumab-Gruppe als in der Placebo-Gruppe. Bei den Teilnehmern, die HLA-DR3-negativ waren, HLA-DR4-positiv oder Anti-Zink-Transporter-8-Antikörper-negativ waren, gab es weniger Teilnehmer in der Teplizumab-Gruppe als in der Placebo-Gruppe mit dia­gnostiziertem Diabetes.

Schlussfolgerung: Teplizumab verzögerte die Progression zum klinisch manifesten Typ-1-Diabetes bei Personen mit hohem Risiko für Typ-1-Diabetes. (Funded by the National Institutes of Health and others; ClinicalTrials.gov number, NCT01030861).

Kommentar: Nachdem frühere Studien mit Teplizumab an Patienten mit bereits manifestem Typ-1-Diabetes schon ­einen Nutzen gezeigt hatten, durch eine Verzögerung des ­C-Peptid-Abfalls nach Diagnose, ist es jetzt besonders erfreulich, dass dies auch bei Prä-Typ-1-Diabetes gelingt und statistisch gesehen zu einer Manifestationsverzögerung von etwa 2 Jahren führt. Weitere Studien an größeren Kollektiven sind nun nötig, um diesen Erfolg zu verifizieren. Es wird allerdings diskutiert werden müssen, ob Personen mit einem besonderen HLA- und Antikörper-Profil bevorzugt in die neue Studie ein- oder auch ausgeschlossen werden sollten.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (4) Seite 44-45