Segar MW, Patel KV, Vaduganathan M, Caughey MC, Butler J, Fonarow GC, Goodin JL, McGuire DC, Pandey A; Division of Cardiology, Department of Internal Medicine, University of Texas Southwestern ­Medical Center, Dallas, Tx, USA; Diabetes Care 2020; 43: 1920 – 1928

Fragestellung: Absicht war, die Assoziation zwischen Langzeit-Veränderung und Variabilität der Glykämie und dem Risiko der Herzinsuffizienz (HF) bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) zu untersuchen.

Methodik: Bei Teilnehmern der Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes (ACCORD) Studie mit T2DM wurde die HbA1c-Variabilität von der HbA1c-Stabilisierung nach Aufnahme (8 Monate) bis zu 3 Jahre follow-up wie folgt erfasst: durchschnittliche sukzessive Variabilität (ASV) (mittel absolute Differenz zwischen sukzessiven Werten), Variationskoeffizient (SD/mean) und SD. Teilnehmer mit HF zu Beginn oder innerhalb der 3 Jahre nach Aufnahme wurden ausgeschlossen. Adjustierte Cox-Modelle wurden angewandt, um die Assoziation von prozentualer Änderung (vom Anfang bis 3 Jahre follow-up) und die Variabilität von HbA1c während der ersten 3 Jahre nach Aufnahme zu untersuchen sowie das konsekutive HF-Risiko.

Ergebnisse: Die Studie umfasste 8 576 Patienten. Über einen mittleren Zeitraum von 6,4 Jahren nach dem Ende der Variabilitätsmessungen in 3 Jahren mussten 388 Patienten wegen HF stationär aufgenommen werden. Substantielle Änderungen von HbA1c waren signifikant assoziiert mit einem höheren HF-Risiko (Hazard Ratio [HR] für ≥ 10 % Abnahme 1,32 [95 % CI 1,08 – 1,75] und für ≥ 10 % Zunahme 1,55 [1,19 – 2,04], Referenz < 10 % Änderung des HbA1c). Größere Langzeit-Variabilität von Glukose war signifikant assoziiert mit einem höheren HF-Risiko (HR für 1 SD von ASV 1,34 [95 % CI 1,17 – 1,54]), unabhängig von basalen Risikofaktoren und Änderungen kardiometabolischer Parameter im Intervall. Konsistente Formen der Assoziation wurden bei Verwendung alternativer Größen der glykämischen Variabilität beobachtet.

Schlussfolgerung: Substantielle Langzeit-Veränderungen und Variabilität von HbA1c waren unabhängig assoziiert mit dem HF-Risiko bei Patienten mit T2DM.

Kommentar: Die Entstehung und Entwicklung diabetischer Folgekrankheiten ist komplex. Maßgeblich beteiligt sind die Produktion freier Sauerstoffradikale im Mitochondrium mit konsekutiver Schädigung und Dysfunktion der Mitochondrien, der Zell-DANN und des endoplasmatischen Retikulums sowie die Entstehung einer chronischen Low-Grade-Inflammation und eines prothrombogenen Zustandes des Gesamtorganismus. Ursprünglich sah man dabei nur einen Bezug zur chronischen Hyperglykämie, später musste man erkennen, dass diese Veränderungen genauso auch bei hypoglykämischen Episoden und hoher glykämischer Variabilität ablaufen. Nachgewiesen wurde bereits eine Assoziation zwischen glykämischer Variabilität, sowohl von Blutzucker selbst als auch von HbA1c und Polyneuropathie, kardialer autonomer Neuropathie, Nephropathie und Makroangiopathie. Diese Nachuntersuchung der ACCORD-Patienten zeigt, dass diese Assoziation auch zur Entstehung einer HF existiert.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (5) Seite 54-55