McCarthy MM, Grey M; New York, USA; Diabetes Care 2018; 41: 1608 – 1614

Einführung: In dieser Studie zu Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes werden die Muster des Selbstmanagementverhaltens und die Prädiktoren der Qualität der Stoffwechseleinstellung über die Lebensspanne analysiert.

Methodik: Bei der Studie handelt es sich um eine sekundäre Querschnittsanalyse der Daten von 7 153 erwachsenen Teilnehmern des „T1D Exchange Clinic“ Registers in den USA. Die Patienten wurden vier Entwicklungsstufen des Erwachsenenalters zugeordnet (heranwachsende, junge, mittelalte und ältere Erwachsene). Die Datensammlung erfolgte bei Aufnahme in das Register über Fragebogen und Patientenakten. Die statistischen Analysen verglichen soziodemografische, klinische und diabetesbezogene Faktoren zwischen den vier Gruppen. Für jede Gruppe wurden logistische Regressionen durchgeführt, um jeweils die Faktoren zu identifizieren, die mit einem HbA1c ≥ 7 % assoziiert sind.

Ergebnisse: Die Stichprobe wurde entsprechend der Entwicklungsstufen des Erwachsenenalters gegliedert: Heranwachsende im Alter von 18 bis < 25 Jahren (n = 2 478 [35 %]); junge Erwachsene 25 bis < 45 Jahre (n = 2.274 [32 %]); mittleres Alter 45 to < 65 Jahre (n = 1 868 [26 %]); und ältere Erwachsene ≥ 65 Jahre (n = 533 [7 %]). Die Heranwachsenden wiesen das höchste mittlere HbA1c auf (8,4 ± 1,7 % [68 mmol/mol]), die älteren Erwachsenen den niedrigsten Wert (7,3 ± 0,97 % [56 mmol/mol]; p < 0,0001). Heranwachsende nutzten seltener eine Insulinpumpe (56 %) oder ein System zur kontinuierlichen Glukosemessung (7 %). Jedoch vergaßen sie am häufigsten zumindest eine Insulingabe pro Tag (3 %), und sie gaben häufiger eine diabetische Ketoazidose im zurückliegenden Jahr (7 %) an (jeweils p < 0,0001). In jeder Altersgruppe waren unterschiedliche Faktoren mit einem HbA1c ≥ 7 % assoziiert. Jedoch spielten zwei Faktoren in allen Gruppen eine zentrale Rolle: die Häufigkeit der Blutglukosemessungen und die Zahl ausgelassener Insulingaben.

Schlussfolgerung: Bei der Beratung zum Diabetes-Selbstmanagement sollten das Entwicklungsstadium der Erwachsenen mit den damit verbundenen Aufgaben (z. B. Arbeit und Familie), psychosoziale Belastungen und mögliche Belastungen durch weitere Erkrankungen berücksichtigt werden.

Kommentar: Die Arbeit zu einem großen Stichprobe unter Versorgungsbedingungen liefert kein überraschendes Ergebnis: nur Insulin, das auch injiziert wird, kann wirken. Sie unterstreicht aber eindrucksvoll, dass nicht das Wissen um die Insulintherapie und die technisch immer perfektere Dosisberechnung das HbA1c determinieren, sondern die Lebenssituation, die es Betroffenen mehr oder weniger gut möglich macht, die Therapie umzusetzen. Es kann spekuliert werden, weshalb die älteste Gruppe der Erwachsenen die niedrigsten HbA1c-Werte aufweist. Möglicherweise handelt es sich um die selektive Stichprobe derjenigen, die dank eines engagierten Selbstmanagements sehr viel älter geworden sind als andere Menschen mit Typ-1-Diabetes.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (5) Seite 55-56