Billings KL, Doshi A, Gouet D, Oviedo A, Rodbard HW, Tentolouris N, Gron D, Halladi N, Jodar E, North Shore University, Health System, ­Evanston, Illinois, USA; Diabetes Care 2018; 41: 1009 – 1016

Fragestellung: Bei Patienten mit schlecht kontrolliertem Typ-2-Diabetes unter einer Therapie mit Metformin und Basalinsulin kann prandiales Insulin eingesetzt werden. Es wurde die Effizienz und Sicherheit von Insulin degludec/Liraglutid (IDegLira) in fixer Kombination (IDegLira) vs. Basis-Bolus-Insulintherapie geprüft.

Studiendesign und Methoden: Eine Phase-3b-Studie untersuchte Patienten mit nicht kontrolliertem Typ-2-Diabetes unter Insulin glargin 100 E/ml (IGlar 100 E/ml), 20 bis 50 E/Tag, und Metformin, randomisiert zugeteilt zu IDegLira oder IGlar 100 E/ml und Insulin Aspart, 4 × täglich.

Resultate: Glykiertes Hämoglobin (HbA1c) sank von 8,2 % (66 mmol/mol) auf 6,7 % (50 mmol/mol) mit IDegLira und von 8,2 % (67 mmol/mol) auf 6,7 % (50 mmol/mol) mit Basis-Bolus (geschätzte Therapie-Differenz [ETD] 0,02 % [95 % CI 0,16 – 0,12]; 0,2 mmol/mol [95 % CI 1,7 – 1,3]), was die Nichtunterlegenheit von IDegLira vs. Basis-Bolus bestätigt (p < 0,0001). Die Anzahl von schweren oder Blutzucker-bestätigten symptomatischen hypoglykämischen Ereignissen war geringer mit IDegLira vs. Basis-Bolus (Risiko-Ratio 0,39 [95 % CI 0,29 – 0,51]; RR 0,11 [95 % CI 0,08 – 0,17]). Das Körpergewicht sank mit IDegLira und stieg mit Basis-Bolus (ETD 3,6 kg [95 % CI 4,2 – 2,9]). Die Nüchternplasmaglukose-Reduktion war vergleichbar; Plasma-Glukose-Selbstmessungen vor dem Mittag- und dem Abendessen sowie vor dem Schlafengehen waren signifikant niedriger mit Basis-Bolus. 66 % der Patienten mit IDeg­Lira vs. 67 % mit Basis-Bolus erreichten einen HbA1c-Wert < 7 % (53 mmol/mol). Die tägliche Insulindosis war geringer mit IDegLira (40 Einheiten (E)) als mit Basis-Bolus (84 E insgesamt, 52 E Basal).

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit schlecht kontrolliertem Typ-2-Diabetes unter IGlar 100 E/ml und Metformin erreichte IDegLira der Basis-Bolus-Therapie vergleichbare HbA1c-Reduktionen mit statistisch geringerer Hypoglykämierate und Gewichtsverlust im Vergleich zu Gewichtszunahme.

Kommentar: Die Insulintherapie von Patienten mit Typ-2-Diabetes ist behaftet mit den Problemen Gewichtszunahme und Hypoglykämien um den Preis einer besseren Einstellungsqualität, wenn orale Antidiabetika den HbA1c-Zielwert nicht mehr erreichen. Mit einem fraglichen Benefit hinsichtlich der kardiovaskulären Endpunkte. Zudem ist die intensivierte Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes pathophysiologisch oft kontraproduktiv. Die Kombination eines ultralang wirkenden Basalinsulins (Insulin degludec) mit einem GLP-1-Analogon (Liraglutid) bietet etliche Vorteile: 1) die Insulindosis ist geringer, da sich die Wirkungen von Basalinsulin und GLP-1-Analogon pathophysiologisch gut ergänzen; 2) das Gewicht nimmt sogar ab; 3) die Hypoglykämierate ist geringer, heute ein bedeutendes Thema, gerade im Hinblick auf die gefürchteten kardiovaskulären Ereignisse bei kardiovaskulär vorgeschädigten Patienten mit langer Krankheitsdauer und 4) die Blutzuckerschwankungen sind damit auch geringer, ein Umstand, der in jüngster Vergangenheit bezüglich aller diabetischer Komplikationen auch mehr Aufmerksamkeit gewonnen hat.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (4) Seite 44-45