Patterson CC, Harjutsalo V, Rosenbauer J, Neu A, Cinek O, Skrivarhaug T, Rami-Merhar B, Soltesz G, Svensson J, Parslow RC, Castell C, Schoenle EJ, Bingley PJ, Dahlquist G, Jarosz-Chobot PK, Marčiulionytė D, Roche EF, Rothe U, Bratina N, Ionescu-Tirgoviste C, Weets I, Kocova M, Cherubini V, Rojnic Putarek N, deBeaufort CE, Samardzic M, Green A; Belfast, UK; Diabetologia 2018 Nov 28 (online). https://doi.org/10.1007/s00125-018-4763-3

Fragestellung: Auf dem Hintergrund eines nahezu universellen Anstiegs der Inzidenz eines Typ-1-Diabetes im Kindesalter, lassen Berichte aus einigen Ländern vermuten, dass sich die Stärke des Anstiegs vermindert. Einzelne Berichte beschreiben eine zyklische Variation der Inzidenz, mit einer Periodizität von 4 und 6 Jahren.

Methodik: Alters- und geschlechtsstandardisierte Inzidenzraten wurden für die Gruppe der 0- bis 14-Jährigen aus 26 europäischen Zentren (die 22 Länder repräsentieren) berichtet. Berichtet wurden neu-diagnostizierte Individuen in geographisch definierten Regionen über bis zu 25 Jahre während der Zeitraums 1989 bis 2013. Poisson-Regressionsanalysen wurden verwendet um den Anstieg zu schätzen und auf zyklische Muster zu testen. Eine „Joinpoint“-Regressionsoftware wurde verwendet, um segementierte log-lineare Zusammenhänge mit Inzidenztrends zusammenzubringen.

Ergebnisse: Signifikante Inzidenzanstiege wurden bis auf zwei kleinen in allen Zentren berichtet, die maximale Anstiegsrate in einem polnischen Zentrum betrug 6,6 % pro Jahr. Mehrere Zentren aus Hoch-Inzidenz-Ländern zeigten verminderte Anstiegsraten in den späteren Jahren der Beobachtungszeit. Nichtsdestotrotz zeigte die kombinierte Analyse über alle Zentren einen Anstieg der Inzidenzraten von 3,4 % (95 % KI 2,8 – 3,9 %), auch wenn dieser Anstieg sich in der Periode 2004 bis 2008 etwas abschwächte. Die Anstiegsraten waren bei Jungen und Mädchen ähnlich in der Gruppe der 0- bis 4-Jährigen (3,7 % und 3,7 % pro Jahr), und in der Gruppe der 5- bis 9-Jährigen (3,4 % und 3,7 % pro Jahr), waren aber stärker bei Jungen als bei Mädchen in der 10- bis 14-jährigen Gruppe (3,3 % und 2,6 % pro Jahr). Signifikante 4 Jahres-Periodizitäten zeigten sich bei vier Zentren, wobei drei Zentren den aktuellsten Peak („in fitted rates“) 2012 aufwiesen.

Schlussfolgerung: Trotz Verminderung einiger Anstiegsraten in Hoch-Risiko-Ländern, zeigte die kombinierte Schätzung der Inzidenzrate über alle Zentren einen 3,4 % Anstieg pro Jahr, was eine Verdopplung der Inzidenzrate in etwa 20 Jahren in Europa erwarten lässt.

Kommentar: In Europa steigt die Inzidenz des Typ-1-Diabetes im Kindesalter weiter, es ist damit zu rechnen, dass sich die Inzidenzrate bis 2033 verdoppelt haben wird. Das regt zum Nachdenken über die Ursache an. Darüber hinaus fragt sich, ob es genauso stark zur Zunahme des im Erwachsenenalters diagnostizierten Typ-1-Diabetes kommt.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (1) Seite 35-36