Coleman CI, Bunz TJ, Eriksson D, Meinecke A-K, Sood NA; Storrs, ­Vereinigte Staaten von Amerika; Diabet Med 2018; 35: 1105 – 1110

Fragestellung: Ziel war die Erfassung der Wirksamkeit und Sicherheit von Rivaroxaban vs. Warfarin in der täglichen klinischen Praxis, bei Personen mit nicht-herzklappenabhängigem Vorhofflimmern und Diabetes.

Methodik: Unter Verwendung von US MarketScan Daten über den Zeitraum November 2011 bis Dezember 2016 wurden Personen identifiziert, welche basal nicht mit Antikoagulantien behandelt waren für nicht-herzklappenabhängiges Vorhofflimmern und Diabetes (Typ 1 oder Typ 2); und welche ≥ 12 Monate vor der Verschreibung von Antikoagulantien krankenversichert waren. Verwender von Rivaroxaban wurden 1:1 mit Verwendern von Warfarin gematched (propensity score match). Teilnehmer wurden nachverfolgt bis zu einem Ereignis, einer Änderung oder Absetzung oraler Antikoagulation, Beendigung der Krankenversicherung oder Ende des Nachbeobachtungszeitraums. Die Verhältnisse (Ereignisse/100 Personenjahre) eines Verbundes von Schlaganfall oder systemischer Embolie und eines schweren Blutungsereignisses wurden mittels Cox-Regression verglichen und als Risikoraten mit 95 % Konfidenzintervallen (CI) berichtet.

Ergebnisse: Es wurden 5 517 Verwender von Rivaroxaban (20 % erhielten eine reduzierte Dosis) und 5 517 Verwender von Warfarin mit nicht-herzklappenabhängigem Vorhofflimmern und Diabetes (~ 97 % mit Typ-2-Diabetes) und einem medianen (Interquartilbereich) verfügbaren Nachbeobachtungszeitraum von 1,5 (0,7; 2,7) Jahren erfasst. Rivaroxaban war, verglichen mit Warfarin, assoziiert mit nicht-signifikanten Verringerungen von Schlaganfall und systemischer Embolie (0,87 vs. 1,35 Personenjahre; Risikorate 0,68, 95 % CI 0,44 – 1,05) und ischämischem Schlaganfall (0,69 vs 0,93/100 Personenjahre; Risikorate 0,78, 95 % CI 0,48 – 1,30). Es wurden keine Unterschiede in schweren Blutungen (2,7 vs. 3,0/100 Personenjahre; Risikorate 0,96, 95 % CI 0,74 – 1,25) beobachtet. Ähnliche Ergebnisse wurden bei Eingrenzung der Auswertungen auf Verwender von standarddosiertem Rivaroxaban gesehen. Eine verringerte Dosis von Rivaroxaban war mit einer sigifikant reduzierten Risikorate für Schlaganfall oder systemische Embolie assoziiert, ohne Anstieg des Risikos schwerer Blutungen.

Schlussfolgerung: Wirksamkeit und Sicherheit der Einnahme von Rivaroxaban bei Personen mit nicht-herzklappenabhängigem Vorhofflimmern und Diabetes war in der täglichen klinischen Routine mindestens so gut wie die Einnahme von Warfarin.

Kommentar: Studien, welche die Wirksamkeit und Sicherheit von Rivaroxaban mit Phenprocoumon verglichen haben, liegen ebenfalls vor – mit ähnlichen Ergebnissen. Ebenfalls berichtete Assoziationen einer Medikation mit Rivaroxaban mit höherer Gesamtmortalität (unabhängig von Blutungen oder Schlaganfällen) bleiben jedoch unerklärt und bedürfen weiterer Untersuchungen.



Autor: Prof. Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (4) Seite 46-47