Zheng B, Su B, Price G, Tzoulaki I, Ahmadi-Abhari S, Middleton L; London, UK; Diabetes Care 2021;44:1556-1563

Fragestellung: Typ-2-Diabetes ist ein bekannter Risikofaktor für Demenz. Demgegenüber ist die Bedeutung der Blutzuckereinstellung und diabetischer Komplikationen bei der Entwicklung einer Demenz weniger gut belegt. Ziel dieser groß angelegten Kohortenstudie ist es, den Zusammenhang zwischen dem längsschnittlichen HbA1c sowie diabetischen Komplikationen und dem Demenzrisiko bei Personen mit Typ-2-Diabetes zu untersuchen.

Methodik: Es wurden die Daten von Personen mit Diabetes im Alter von ≥50 Jahre aus dem U.K. Clinical Practice Research Datalink von 1987 bis 2018 analysiert. Mittels zeitvariabler Cox-Regressionen wurden adjustierte Hazard Ratios (HRs) und 95% CIs für das Demenzrisiko geschätzt.

Ergebnisse: Unter 457.902 Personen mit Diabetes traten während der im Median 6-jährigen Nachbeobachtungszeit 28.627 (6,3 %) neue Fälle von Demenz auf. Patienten mit nachgewiesenen hypoglykämischen Ereignissen oder mikrovaskulären Komplikationen hatten ein höheres Risiko für das Auftreten einer Demenz als Patienten ohne solche Komplikationen (HR 1,30 [95% CI 1,22-1,39] bzw. 1,10 [1,06-1,14]). Bei 372.287 Patienten lagen HbA1c-Werte seit der Diabetesdiagnose vor. Deren HbA1c-Werte, die als zeitlich veränderliche Exposition modelliert wurden, waren mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden (HR 1,08 [95 % KI 1,07-1,09] pro 1 % HbA1c-Inkrement). Ebenso war ein höherer Variationskoeffizient des HbA1c während der ersten drei Jahre der Nachbeobachtung mit einem höheren späteren Demenzrisiko verbunden (HR 1,03 [95% CI 1,01-1,04] pro 1-SD-Inkrement).

Schlussfolgerung: Erhöhte oder schwankende HbA1c-Werte und das Vorhandensein von diabetischen Folgekomplikationen sind bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Ein effektives Glukosemanagement könnte eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der kognitiven Gesundheit von älteren Erwachsenen mit Diabetes spielen.

Kommentar: Diese sehr große Studie mit relativ jungen Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigt bereits, dass eine unzureichende Stoffwechseleinstellung nicht nur körperliche, sondern auch ungünstige neurokognitive Folgen nach sich zieht. Dies sollte als weiteres Argument im Arzt-Patient-Gespräch zu Diabetesrisiken angesprochen werden.



Autorin:
Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2021; 21 (4) Seite 51