Heiskanen MA, Motiani KK, Mari A, Saunavaara V, Eskelinen JJ, Virtanen KA, Koivumäki M, Löyttyniemi E, Nuutila P, Kalliokoski KK, Hannukainen JC; Turku, Finnland; Diabetologia 2018; 61: 1817 – 1828

Fragestellung: Eine pankreatische Fettansammlung könnte zur Entwicklung der Betazelldysfunktion beitragen. Körperliche Aktivität verbessert die Ganzkörper-Insulinsensitivität, doch die Effekte auf den pankreatischen Fettgehalt und die Betazelldysfunktion sind unklar. Ziel dieser Parallel-Gruppen randomisierten und kontrollierten Studie waren die Evaluation der Effekte von körperlicher Aktivität auf das pankreatische Fett und die Betazellfunktion bei gesunden, prädiabetischen oder Personen mit Typ-2-Diabetes und der Test, ob die Ergebnisse ähnlich unabhängig von der basalen Glukosetoleranz ausfielen.

Methodik: Durch Zeitungsanzeigen konnten insgesamt 97 sesshafte, 40 bis 55 Jahre alte Personen für die Studieneignung erfasst werden. Prädiabetes (gestörte Nüchternglukose und/oder gestörte Glukosetoleranz) und Typ-2-Diabetes wurden nach ADA-Kriterien definiert. Von den gescreenten Kandidaten erfüllten 28 gesunde Männer und 26 prädiabetische oder diabetische Männer und Frauen die Einschlusskriterien und wurden randomisiert in ein zweiwöchiges Sprint-Intervall oder ein mäßig-intensives kontinuierliches Trainingsprogramm in einem 1:1 Verhältnis eingeteilt. Das primäre Outcome war pankreatisches Fett, gemessen mit der Magnet-Resonanzspektroskopie. Als sekundäres Outcome wurde die Beatzellfunktion mit Variablen, abgeleitet vom OGTT, untersucht. Ganzkörper-Insulinsensitivität und die Fettsäuren- bzw. Glukoseaufnahme wurden mit der Positron-Emissionstomographie gemessen. Die Messungen wurden im Turku PET Zentrum, Finnland, durchgeführt. Die Analysen basierten auf einem „Intention-to-treat“-Prinzip. Bei der Art der Intervention war eine Verblindung nicht angebracht.

Ergebnisse: Zu Beginn hatte die Gruppe der prädiabetischen oder der Männer mit Typ-2-Diabetes einen höheren pankreatischen Fettgehalt und eine gestörte Betazellfunktion verglichen mit gesunden Männern. Die Aufnahme von Glukose und Fettsäuren in das Pankreas war ähnlich. Körperliche Aktivität verminderte das pankreatische Fett ähnlich bei gesunden (von 4,4 % [3,0 %, 6,1 %] auf 3,6 % [2,4 %, 5,2 %] [MW, 95% CI]) wie bei prädiabetischen oder diabetischen Männern (von 8,7 % [6,0 %, 11,9 %] auf 6,7 % [4,4 %, 9,6 %]; p = 0,036 für den Zeiteffekt) ohne eine Änderung der pankreatischen Substrataufnahme (p ≥ 0,31 für den Zeiteffekt bei sowohl Insulin-stimulierter Glukose- als auch nüchterner Fettsäure-Aufnahme). Bei prädiabetischen oder Männer und Frauen mit Typ-2-Diabetes verbesserten beide körperlichen Aktivitätsmuster die Variablen der Betazellfunktion.

Schlussfolgerung: Ein zweiwöchiges körperliches Training verbessert die Betazellfunktion bei prädiabetischen und Personen mit Typ-2-Diabetes und vermindert das pankreatische Fett unabhängig von der Glukosetoleranz. Die Studie zeigt, dass körperliches Training bereits von kurzer Dauer ektopes Fett im Pankreas effizient reduzieren kann, und somit körperliche Aktivität das Risiko eines Typ-2-Diabetes vermindert.

Kommentar: Die Studie belegt, dass besonders ektopes Fett (in Pankreas, Leber und am Herzen) ungünstige Stoffwechseleffekte und kardiovaskuläre Risiken verursacht.



Autor: Prof. Dr. med. Hans Uwe Janka
Arcisstr. 61
80801 München

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (4) Seite 48