Elliott MD, Heitner JF, Kim H, Wu E, Parker MA, Lee DC, Kaufmann DB, Bonow RO, Judd R, Kim RJ; Duke Cardiovascular Magnetic Resonance Center and Division of Cardiology, Duke University Medical Center, ­Durham, NC, USA; Diabetes Care 2019; 42: 1290 – 1296

Fragestellung: Es sollten Prävalenz und prognostische Signifikanz von unbemerkten Myokardinfarkten (MI) durch ein Delayed-enhancement-MRT (DE-MRT) bei asymptomatischen Patienten mit Diabetes bestimmt werden.

Methodik: In dieser prospektiven 2-Zentren-Studie mit asymptomatischen Patienten ohne bekannte kardiale Erkrankung (n = 120) erhielten 2 präspezifizierte Kohorten ein MRT: 1. eine Hochrisikogruppe mit Typ-1-Diabetes und chronischer Niereninsuffizienz (n = 50) und 2. eine Gruppe mit Typ-2-Diabetes und durchschnittlichem Risiko (n = 70). Der primäre Endpunkt war kombiniert aus Gesamtmortalität und klinischem MI.

Ergebnisse: Insgesamt betrug die Prävalenz von unbemerktem MI 19 %, erfasst durch das DE-MRT (28 % in der Hochrisikogruppe, 13 % in der Durchschnittsrisikogruppe) und 5 % erfasst durch ein EKG. Während der 5 Jahre Beobachtungszeit mit insgesamt 460 Patientenjahren Beobachtungsdauer war die Todesrate/MI-Rate deutlich höher bei den Diabetes-Patienten mit unbemerktem MI vs. ohne unbemerkten MI (insgesamt 44 % vs. 7 %, Hochrisiko-Gruppe 43 % vs. 6 % und Durchschnittsrisiko-Gruppe 44 % vs. 8 %; für alle p < 0,01). Nach Anwendung des Framingham-Risiko-Scores waren die linksventrikuläre Ejektionsfraktion, der Diabetestyp und das Vorhandensein eines unbemerkten MI im DE-MRT mit einem 8-fach erhöhten Todes- und MI-Risiko verbunden (95 % KI 3,0 – 21,1, p < 0,0001). Das Hinzufügen eines unbemerkten MI zu klinischen Indizes erhöhte signifikant die Diskriminierung des Modells für schwere Ereignisse (integrierte Diskriminierungsverbesserung -0,156; p = 0,001).

Schlussfolgerung: Unbemerkte MI sind häufig bei asymptomatischen Patienten mit Diabetes ohne Vorgeschichte einer kardiovaskulären Erkrankung und bedeuten ein deutlich erhöhtes Risiko für Tod und klinischen MI.

Kommentar: Stumme Myokardinfarkte sind häufiger bei Menschen mit Diabetes als in der Allgemeinbevölkerung und werden mit der diabetischen Neuropathie ursächlich verknüpft. Das Vorliegen einer diabetischen kardialen autonomen Neuropathie erhöht die Prävalenz von stummen MI. Patienten mit Diabetes besitzen ein höheres Mortalitätsrisiko bei einem MI als Patienten mit MI ohne Diabetes, das noch weiter ansteigt, wenn eine kardiale autonome Neuropathie vorliegt. Diese Studie zeigt zwei Dinge: 1. Stumme MI benötigen einen diagnostischen Aufwand. Sie können mit einem EKG nur in 5 % aller Fälle erkannt werden. 2. Das Mortalitätsrisiko und das Risiko für weitere MI ist bei stummen MI deutlich höher. Bisher wurde aufgrund von wenigen Studiendaten von einem Screening auf stumme MI bei Dia­betes abgeraten. Ggf. sollte die systematische Suche nach stummen MI zumindest bei Hochrisikopatienten, die in dieser Untersuchung gut charakterisiert wurden, noch einmal überdacht werden.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (5) Seite 47