Rawshani A, Rawshani A, Franzén S, Sattar N, Eliasson B, Svensson AM, Zethelius B, Miftaraj M, McGuire DK, Rosengren A, Gudbjörnsdottir S; Götheburg, Schweden; N Engl J Med 2018; 379: 633-644

Hintergrund: Patienten mit Diabetes weisen ein höheres Risiko für Tod und kardiovaskuläre Ereignisse als die Allgemeinbevölkerung auf. Die Autoren untersuchten, ob das erhöhte Risiko von Tod und kardiovaskulären Erkrankungen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes reduziert oder eliminiert werden kann.

Methodik: Die Autoren untersuchten eine Kohorte von 271.174 Patienten mit Typ-2-Diabetes, die im schwedischen Nationalen Diabetes Register gelistet waren und matchten sie mit 1.355.870 Kontrollen auf der Basis von Alter, Geschlecht und Region. Patienten mit Diabetes wurden in Alterskategorien und entsprechend der Präsenz von fünf Risikofaktoren (erhöhtes HbA1c, erhöhtes LDL-Cholesterin, Albuminurie, Nikotinabusus, und erhöhtem Blutdruck) eingeteilt. Statistisch wurde Cox-Regression genutzt, um das erhöhte Risiko an Ereignissen (Tod, akuter Myokardinfarkt, Schlaganfall, Krankenhauseinweisung aufgrund Herzinsuffizienz) in Assoziation mit Rauchen und einer Reihe Variablen außerhalb der Zielwerte zu analysieren.

Ergebnisse: Die mittlere Beobachtungsdauer aller Studienteilnehmer war 5,7 Jahre, während dessen ereigneten sich 175.345 Todesfälle. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes reduzierte sich das Risiko stufenweise für jeden Risikofaktor, der innerhalb des Zielbereichs lag. Patienten mit Diabetes, die alle fünf Variablen innerhalb der Zielwerte aufwiesen, zeigten eine Hazard Ratio für Tod jeglicher Ursache im Vergleich zu Kontrollen von 1,06 (95 % CI 0,75 – 0,93), eine Hazard Ratio für Schlaganfall von 0,95 (95 % CI, 0,84 – 1,07). Das Risiko einer Hospitalisierung aufgrund von Herzversagen war konsistent höher bei Patienten mit Diabetes als bei Kontrollen (Hazard Ratio, 1,45; 95 % CI; 1,34 – 1,57). Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes war das HbA1c außerhalb des Zielbereichs der strengste Prädiktor für Schlaganfall und akuten Myokardinfarkt, Nikotinabusus war der stärkste Prädiktor für Tod.

Schlussfolgerung: Patienten mit Typ-2-Diabetes, die alle fünf Risikofaktorvariablen innerhalb der Zielwertebereiche aufwiesen, hatten ein nur geringes oder gar kein erhöhtes Risiko für Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

Kommentar: Diese Studie legt nahe, dass es kein „Diabetes-immanentes“ Risiko gibt für kardiovaskuläre Ereignisse bei (schwedischen) Patienten mit Typ-2-Diabetes. Umso mehr sollte also Wert darauf gelegt werden HbA1c, LDL-Cholesterin, Albuminurie, und Blutdruck in den Zielbereich zu bringen und mit dem Rauchen aufzuhören. Dass Nikotinabsus der stärkste Prädiktor für Tod ist, unterstützt dies. Dass HbA1c der strengste Prädiktor für Schlaganfall und akuten Myokardinfarkt ist, überrascht. Hatten Daten aus UKPDS doch dem HbA1c eher eine untergeordnete Rolle zugeteilt.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (5) Seite 57-58