Tamborlane WV, Barrientos-Pérez M, Fainberg U, Frimer-Larsen H, Hafez M, Hale PM, Jalaludin MY, Kovarenko M, Libman I, Lynch JL, Rao P, ­Shehadeh N, Turan S, Weghuber D, Barrett T; Ellipse Trial Investigators; New Haven, CT, USA; N Engl J Med. 2019 Apr 28. doi: 10.1056/NEJMoa1903822

Fragestellung: Metformin ist von den regulatorischen Behörden zugelassen und die Behandlung der Wahl für die meisten Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes zu Beginn der Erkrankung. Allerdings erschöpft sich die glykämische Kontrolle mit einer Monotherapie mit Metformin schnell. Ob Liraglutid zusätzlich zu Metformin (mit oder ohne Behandlung mit einem Basalinsulin) bei Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes sicher und effektiv ist, ist nicht bekannt.

Methodik: Patienten im Alter von 10 bis 17 Jahren wurden 1:1 randomisiert in einen Therapiearm mit subkutanem Liraglutid (bis zu 1,8 mg pro Tag) oder Placebo über eine 26- wöchige doppelblinde Periode, an die sich eine 26-wöchige Zeitspanne anschloss mit offener Behandlung. Einschlusskriterien waren ein Body-Mass-Index über der 85. Perzentile und ein glykiertes Hämoglobin zwischen 7,0 und 11,0 % wenn die Patienten mit Diät oder körperlicher Aktivität allein oder zwischen 6,5 % und 11,0 % wenn sie mit Metformin (mit oder ohne Insulin) behandelt wurden. Alle Patienten erhielten während der Studie Metformin. Primärer Endpunkt war die Veränderung des HbA1c nach 26 Wochen verglichen mit Studienbeginn. Sekundäre Endpunkte beinhalteten nüchtern gemessene Glukosespiegel. Die Sicherheit der Behandlung wurde über den Studienverlauf untersucht.

Ergebnisse: Von den 135 randomisierten Patienten erhielten 134 Patienten mindestens eine Dosis Liraglutid (66 Patienten) oder Placebo (68 Patienten). Die demographischen Charakteristika waren bei beiden Gruppen ähnlich (mittleres Alter 14,6 Jahre). Die Analyse des primären Endpunkts nach 26 Wochen zeigten eine Reduktion des mittleren HbA1c um 0,64 % unter Liraglutid und einen Anstieg von 0,42  % in der Placebo-Gruppe, mit einem geschätzten Behandlungsunterschied von HbA1c -1,06 % (p < 0,001), dieser Unterschied erhöhte sich auf -1,3 % nach 52 Wochen. Die nüchtern gemessenen Plasmaglukosespiegel reduzierten sich zu beiden Zeitpunkten in der Liraglutid-Gruppe und erhöhten sich in der Placebo-Gruppe. Die Zahl der Patienten mit unerwünschten Wirkungen war in beiden Gruppen ähnlich (56 [84,8 %] unter Liraglutid und 55 [80,9 %] unter Placebo), insgesamt war die Rate an unerwünschten Wirkungen und unerwünschten gastrointestinalen Wirkungen unter Liraglutid höher.

Schlussfolgerung: Bei Kindern und Adoleszenten mit Typ-2-Diabetes verbesserte Liraglutid mit bis 1,8 mg/Tag (zusätzlich zu Metformin, mit oder ohne Basalinsulin) die glykämische Kontrolle über 52 Wochen. Die Wirksamkeit kam einher mit einer erhöhten Frequenz gastrointestinaler unerwünschter Wirkungen.

Kommentar: Zwar ist die Anzahl der Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland noch gering, doch wissen wir auch bei ihnen bisher nicht genau, welche Therapie anzuwenden ist. Die jungen Patienten mit Typ-2-Diabetes haben eine relativ schlechte Prognose, der therapeutische Zugang ist schwer und die Rekrutierung für klinische Studien gelingt nur schwer. Umso besser ist hier der therapeutische Erfolg mit Liraglutide zu bewerten, das HbA1c ist um 1,3 % deutlich niedriger als in der Placebo-Gruppe.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (3) Seite 48-49