Moran A, Bundy B, Becker DJ, DiMeglio LA, Gitelman SE, Goland R, Greenbaum CJ, Herold KC, Marks JB, Raskin P, Sanda S, Schatz D, Wherrett DK, Wilson DM, Krischer JP, Skyler JS; Type 1 Diabetes TrialNet Canakinumab Study Group, Pickersgill L, de Koning E, Ziegler AG, Böhm B, Badenhoop K, Schloot N, Bak JF, Pozzilli P, Mauricio D, Donath MY, Castaño L, Wägner A, Lervang HH, Perrild H, Mandrup-Poulsen T; AIDA Study Group, Pociot F, Dinarello CA; Minnesota, USA

Hintergrund:

Die angeborene Immunität trägt zur Pathogenese von Autoimmunkrankheiten wie Typ-1-Diabetes bei. Es wurden jedoch noch keine randomisierten, kontrollierten Studien über die Blockade des entscheidenden Immunmediators Interleukin-1 durchgeführt. Es sollte deshalb festgestellt werden, ob Canakinumab, ein humaner monoklonaler Anti-Interleukin-1-Antikörper, oder Anakinra, ein humaner Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist, die β-Zellfunktion bei neudiagnostiziertem Typ-1-Diabetes verbessern können.

Methoden:

Es wurden zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien bei zwei Gruppen von Typ-1-Diabetikern mit kürzlich begonnener Erkrankung und einem C-Peptid von wenigstens 0,2 nM, das durch einen Toleranztest mit einer Mischmahlzeit stimuliert wurde, durchgeführt. Patienten in der Canakinumab-Studie (6 bis 45 Jahre) wurden in 12 Studienorten in den USA und Kanada eingeschlossen, die andere Gruppe in der Anakinra-Studie (18 bis 35 Jahre) in 14 Studienorten in ganz Europa. Die Studienteilnehmer wurden zufällig eingeteilt für eine subkutane Injektion von entweder 2 mg/kg (Maximum 300 mg) Canakinumab oder Placebo monatlich über 12 Monate oder entweder 100 mg Anakinra oder Placebo für 9 Monate. Teilnehmer und Betreuer waren über die Zuteilung im Unklaren. Der primäre Endpunkt war die ausgangspunktadjustierte 2-h-Fläche unter der Kurve der C-Peptid-Reaktion auf die Mischmahlzeit nach 12 Monaten (Canakinumab-Studie) und nach 9 Monaten (Anakinra-Studie). Die Analysen erfolgten nach "intention-to-treat". Diese Studien wurden registriert unter den Nummern NCT00947427 und NCT00711503 und EudraCT Nummer 2007-007146-34.

Ergebnisse:

Die Patienten wurden in die Canakinumab-Studie zwischen 12. November 2010 und 11. April 2011 und in die Anakinra-Studie zwischen 26. Januar 2009 und 25. Mai 2011 aufgenommen. 69 Patienten wurden randomisiert Canakinumab (n = 47) oder Placebo (n = 22) monatlich für 12 Monate sowie 69 Patienten Anakinra (n = 35) oder Placebo (n = 34) täglich für 9 Monate zugeteilt. Es erfolgten keine Interim-Analysen. In die primäre Analyse der Canakinumab-Studie wurden 45 Patienten mit Canakinumab und 21 mit Placebo eingeschlossen und in die Anakinra-Studie 25 Patienten mit Anakinra und 26 mit Placebo. Der Unterschied für die C-Peptid-Fläche unter der Kurve zwischen der Canakinumab- und der Placebo-Gruppe nach 12 Monaten betrug 0,01 nmol/l (95 % CI -0,11 – 0,14; p = 0,86) und zwischen der Anakinra- und der Placebo-Gruppe nach 9 Monaten 0,02 nmol/l (-0,09 – 0,15; p = 0,71). Die Anzahl und Schwere von Nebenwirkungen unterschied sich nicht in der Canakinumab-Studie. In der Anakinra-Studie hatten die Patienten in der Anakinra-Gruppe signifikant mehr Nebenwirkungen als die Patienten in der Placebo-Gruppe (p = 0,018), was hauptsächlich durch eine größere Zahl von Hautreaktionen am Injektionsort in der Anakinra-Gruppe zustande kam.

Interpretation:

Canakinumab und Anakinra sind sichere, aber nicht effektive immunmodulatorische Medikamente bei neuerkrankten Typ-1-Diabetikern. Die Interleukin-1-Blockade könnte möglicherweise effektiver in Kombination mit einer Behandlung sein, die auf die adaptierte Immunität bei organspezifischen Autoimmunerkrankungen zielt.

Sponsor:

National Institutes of Health und Juvenile Diabetes Research Foundation.

Kommentar:

Keine der gegenwärtigen immunsuppressiven Substanzen und Pharmaka können selektiv die diabetogenen T-Zellen eliminieren. Ein besseres Verständnis der T-Zellaktivierung könnte die Chancen erhöhen, eine sichere und effektive Immuntherapie zu entwickeln und damit den Typ-1-Diabetes zu heilen.Prof. Dr. med. Hans Uwe Janka



Autor:

Prof. Dr. med. Hans Uwe Janka, München

Arcisstr. 61, 80801 München, E-Mail: prof.dr.hans.janka@t-online.de

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2013; 13 (3) Seite 44