Beck RW, Bergenstal RM, Riddlesworth TD, Kollman C, Li Z, Brown AS, Close KL Jaeb Center for Health Research, Tampa, Florida, USA; Diabetes Care 2019; 42: 400 – 405

Fragestellung: Die Studie untersuchte die Assoziation zwischen Time in Range (TIR) von 70 – 180 mg/dl (3,9 – 10 mmol/l) und der Entwicklung oder Progression von Retinopathie und der Entwicklung einer Mikroalbuminurie unter Verwendung der Daten der Diabetes Control and Complications Trial (DCCT), um den Wert von TIR als Endpunkt für klinische Studien zu ermitteln.

Methodik: In der DCCT wurden Blutzuckerkonzentrationen aus 7 Fingerkuppenproben (7 Punkte-Tests: prä- und 90 Min. postprandial sowie vor dem Schlafengehen) in einem Zentrallabor gemessen, gesammelt wurden die Proben an einem Tag alle 3 Monate. Die Retinopathie-Progression wurde alle 6 Monate geprüft, die Entwicklung einer Mikroalbuminurie alle 12 Monate. Proportionale Hazard-Modelle wurden angewandt, um die Assoziation von TIR und anderen glykämischen Messgrößen, errechnet aus den 7 Punkte-Fingerkuppen-Daten, zur
Entwicklungsrate mikrovaskulärer Komplikationen zu erfassen.

Ergebnisse: Die mittlere TIR von 7 Punkte-Profilen der 1 440 Teilnehmer betrug 41 +/- 16 %. Die Hazard Ratio für die Entwicklung der Retinopathie-Progression war um 64 % höher (95 % CI 51 – 78) und die Entwicklung der Mikroalbuminurie war um 40 % höher (95 % CI 25 – 56) für jede 10 %-Punkte weniger TIR (p < 0,001 für alle). Die Resulate waren ähnlich für die mittlere Glukose und Hyperglykämien.

Schlussfolgerung: Basierend auf diesen Resultaten ist die TIR eng assoziiert mit dem Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen und sollte als Endpunkt für klinische Studien akzeptiert werden. Obwohl HbA1c ein wichtiger Endpunkt klinischer Studien bleiben wird, bedeuten TIR und andere glykämische Kontrollgrößen, besonders aus dem kontinuierlichen Glukosemonitoring, zusätzliche wertvolle Endpunkte in vielen Studien.

Kommentar: Die CGMS-Methoden bedeuten eine große Bereicherung für die Diabetologie. Sie bieten nicht nur einen umfassenderen Einblick in die Einstellungsqualität der Patienten, sondern liefern außerdem wichtige Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Blutzuckerkonzentrationen und diabetischen Komplikationen. Die TIR gibt detailliertere Informationen als der HbA1c-Wert, der bekanntermaßen einige Limitationen aufweist, altersbezogene und ethnische Unterschiede zeigt und gerade kurz dauernde Blutzuckerschwankungen nicht ausreichend abbilden kann. Da Blutzuckerschwankungen, auch nur kurzfristig, erheblichen Einfluss auf diabetische Komplikationen und Mortalitätsraten nehmen können, ist die TIR, erfasst im Rahmen eines kontinuierlichen Glukosemonitorings, eine zusätzliche, wichtige diabetische Kenngröße. Die anzustrebende Range sollte wie der HbA1c-Zielwert individuell unter Berücksichtigung der Komorbiditäten definiert werden. Weitere Studien sind notwendig.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (2) Seite 52