Kanadische und irische Forscher untersuchten 54 klinische Studien, in denen Menschen mit Typ-2-Diabetes ihre Ernährungsweise ändern sollten. 42 verschiedene Interventionsansätze fanden sie – und suchten nach den erfolgsversprechenderen. Ihr Fazit: Mehr Unterstützung ist nötig.

Die Ernährungsgewohnheiten von Menschen mit Typ-2-Diabetes zu ändern, ist, das ist allen Praktikern schmerzlich bewusst, sowohl wichtig als auch schwer. Auch in zahlreichen Studien ist schon versucht worden, diese Herausforderung zu bewältigen.

Ein irisch-kanadisches Wissenschaftler-Team hat Mitte Dezember in Diabetes Care ein Review publiziert, das in 54 solcher Studien 42 verschiedene Techniken zur Verhaltensänderung hinsichtlich ihres Erfolgs verglich. Menschen mit Typ-2-Diabetes brauchen mehr Unterstützung, so ihre Schlussfolgerung, ein Teil der Diabetes­therapie sollte auch sein, den Patienten wirklich beizubringen, wie man gut isst.

54 Arbeiten, sieben unterschiedliche Verhaltensänderungs-Techniken

Im Durchschnitt pro Studie kamen bei den 54 untersuchten Arbeiten sieben unterschiedliche Verhaltensänderungs-Techniken zum Einsatz. Eine Metaanalyse fand, dass Studien, die darauf abzielten, die Umgebung zu verändern oder zu kontrollieren, eine mit 0,5 Prozent größere HbA1c-Reduktion erzielten als solche Studien, die auf eine Verhaltensänderung abzielten, mit 0,32 Prozent. Vier Verhaltensänderungs-Techniken waren per se mit einer HbA1c-Reduktion von mehr als 0,3 Prozent assoziiert: Problemlösung, Verhaltens-Feedback, Dinge der Umgebung hinzufügen und sozialer Vergleich.

Außerdem war auch der Interventionsbestandteil „Verwendung von Theorie“ mit einer entsprechenden HbA1c-Reduktion assoziiert. Als Einschränkungen ihrer Analyse nannten die Autoren die Heterogenität der Ernährungsinterventionen und eine schlechte Qualität beim Berichten der verwendeten Techniken.

„Es gab zwar nicht eine klare, einfache Methode, aber Menschen mit Typ-2-Diabetes hatten mehr Erfolg, wenn ihnen gesunde Mahlzeiten zur Verfügung gestellt wurden und sie häufigen Kontakt mit den die Intervention durchführenden Personen, zum Beispiel Ernährungsberatern, hatten“, erklärt Dr. Heather Gainforth, Hauptautorin der Studie. Sie ist Assistenzprofessorin an der Okanagan’s School of Health and Exercise Sciences der Universität British Columbia.

Die Ernährungsinterventionen erreichten klinisch signifikante HbA1c-Reduktionen, die initialen Reduktionen beim Körpergewicht dagegen verschwanden mit der Zeit.

Verhaltensänderung braucht Unterstützung

„Das Nahrungsmittel-Umfeld zu verändern, ist eines der Schlüsselelemente bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes“, betont Kevin Cradock, der Erstautor der Untersuchung, der an der National University of Ireland in Galway forscht. „Bevor wir das Nahrungsmittel-Umfeld ändern, müssen wir genau schauen, wie es momentan beschaffen ist und wie es uns beeinflusst“, ergänzt er.

„Ohne jegliche Unterstützung können Anstrengungen zur Verhaltensänderung schnell ins Leere laufen“, so Gainforth. „Wir müssen über einen besseren Weg nachdenken, wie man Menschen mit Diabetes unterstützen kann. Es mag nicht praxis­tauglich erscheinen, Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen und das Nahrungsmittel-Umfeld zu kontrollieren. Doch wir müssen prüfen, ob es realisierbar ist, gesunde Mahlzeiten am Beginn eines Programms anzubieten, gefolgt von einer Anleitung und Feedback dazu, wie man solche Nahrungsmittel auswählt, einkauft und zubereitet“, fordert sie.

„Schritt für Schritt könnte dieser Ansatz Menschen dabei helfen, gesunde Mahlzeiten unabhängig zuzubereiten“, so Gainforths Hoffnung. Co-Autor Dr. Francis Finucane kommentiert, dass die Studie zum Verständnis der Autoren passt, dass Adipositas und Diabetes komplexe verhaltensneurologische Erkrankungen sind. Sie seien stark genetisch determiniert und empfänglich für Umweltfaktoren. „Wenn Typ-2-Dia­betes eine Flut ist, sollten wir, statt betroffenen Personen zu sagen, sie sollen besser schwimmen, versuchen, den Wasserstand zu senken“, veranschaulichte der Endokrinologe von der Universitätsklinik Galway.

Wenn es um Hilfe für Menschen mit Typ-2-Diabetes geht, gilt also die Konfuzius-Weisheit „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“



Autor: Marcus Sefrin
Chefredaktion DiabetesNews
Verlag Kirchheim & Co GmbH, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90

Erschienen in: DiabetesNews, 2018; 17 (3) Seite 13