Ältere, aber auch chronisch kranke Menschen sind besonders gefährdet, sich mit Influenza zu infizieren. Außerdem kann die Grippe bei ihnen einen schwerwiegenderen Verlauf nehmen. Das gilt auch für chronisch nierenkranke Menschen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) rät Patienten, sich im Oktober oder November beim Haus- oder Facharzt gegen Grippe impfen zu lassen.

Grippe ist nicht ungefährlich. Die meisten Influenza-Todesfälle treten bei älteren Menschen auf, warnt das Robert Koch-Institut [1]. Vor allem über 60-Jährige haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Grippeerkrankung, für Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Herzschwäche und sorgen dafür, dass die Influenza bei ihnen tödlich endet.

Betagtere Personen bringen zudem oft mehrere Grunderkrankungen wie chronische Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Leber- und Nierenkrankheiten mit. Diese gehen meist mit einem eingeschränkteren Immunsystem einher, das die tückischen Viren nicht mehr so leicht abwehren kann. Rund 20 Prozent der über 60-jährigen Personen und der chronisch kranken Patienten in Deutschland erleiden einen so schweren Grippeverlauf, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen [2].

Schon leichtgradige Nierenfunktionsstörung beeinträchtigt Immunsystem

Das gilt auch für Patienten mit chronischer Nierenkrankheit, die insgesamt viel häufiger auftritt, als man denkt: In Deutschland leben etwa 9 Mio. Menschen mit dieser Krankheit (10,4 Prozent der Frauen und 11,8 Prozent der Männer) – viele, ohne es zu wissen. Dialysepflichtig ist nur ein Bruchteil von ihnen – in Deutschland werden etwa 90.000 Patienten regelmäßig dialysiert und 25.000 Menschen leben mit einer Spenderniere.

Selbst eine leichtgradige Einschränkung der Nierenfunktion beeinträchtigt das Immunsystem und macht die Betroffenen anfälliger. Hinzu kommt, dass Nierenpatienten oft betagt und multimorbide sind. Eine Studie zeigte, dass sie die Patienten mit den komplexesten Krankheitsbildern sind [3]. Eine Schutzimpfung ist allein deshalb schon angeraten.

Auch Patienten mit leichtgradiger Nierenfunktionseinschränkung haben ein erheblich erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen [4], zudem kommt es zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit in Abhängigkeit von der Nierenfunktion. Influenza ist eine relevante Ursache für Lungenentzündungen bzw. ein Wegbereiter für andere Erreger.

Kampagne „Grippe? Impfung!“

„Die Nierenfunktion sollte gerade bei Menschen im Seniorenalter regelmäßig vom Hausarzt überprüft werden“, betont DGfN-Präsident Prof. Dr. Andreas Kribben. „Liegt eine chronische Nierenkrankheit vor, raten wir dringend dazu, sich gegen Influenza impfen zu lassen.“ Auch die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung für diese Patientengruppe.

„Es ist nur ein kleiner Nadelstich, der aber einen großen Schutz für die Patienten bietet.“ erklärt Prof. Kribben. Die Impfung kann der Haus- oder Facharzt (Nephrologe) durchführen. Der beste Zeitpunkt dafür ist Oktober oder November. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.


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Patienten mit einem Diabetes mellitus haben eine erhöhte Infektanfälligkeit, die Infekte verlaufen schwerer, komplikationsreicher und häufiger tödlich als bei Nichtdiabetikern. Daher empfiehlt die STIKO regelmäßige Impfungen.


Mit der Kampagne „Grippe? Impfung!“ ruft die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) gemeinsam mit dem Bundesverband Niere e.V., der Deutschen Nierenstiftung (DNS), dem KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V., der gemeinnützigen Stiftung Patienten-Heimversorgung (PHV) und dem Verband Deutsche Nierenzentren (DN) e.V. dazu auf, die Grippeimpfung jetzt im Herbst wahrzunehmen.

Die Aufklärungskampagne wird mit Plakaten und Flyern begleitet, die bei vielen Nephrologen ausliegen. Das Kampagnenmotiv zeigt eine 52-jährige, „echte“ Dialysepatientin unter einem Regenschirm. Sie steht zwar im Regen, ist dabei aber gut gelaunt, beschirmt und geschützt – auch dank der Grippeimpfung, zu der Regina E. andere Patienten mit chronischer Nierenerkrankung aufruft (siehe folgenden Kasten).

Dialysepatientin Regina E.: „Keine Grippein den letzten 9 Jahren“

„Mir geht es gut“, sagt die Dialysepatientin Regina E., 52. Die jährliche Grippeimpfung ist für sie heute selbstverständlich. Das war nicht immer so: Im März 2010 wurde sie quasi über Nacht nierenkrank. Eine schwere Lungenentzündung kam hinzu mit einer lebensbedrohlichen Lungenembolie. Vier Monate verbrachte Regina E. auf der Intensivstation, bis es ihr endlich wieder besser ging.

Ihr behandelnder Nephrologe empfahl ihr damals, sich ab sofort einmal pro Jahr gegen Grippe impfen zu lassen, um solche schwerwiegenden Lungenerkrankungen künftig zu vermeiden. „Ich lasse mich deshalb regelmäßig beim Nierenarzt gegen Influenza impfen und vertrage das gut – und das seit 9 Jahren“, sagt sie. Dabei hatte Regina E. in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit ihrer Nierenkrankheit zu kämpfen. Nach etwa zwei Jahren an der Dialyse erhielt sie im Juni 2012 eine neue Niere. Vier Jahre später kam es zur Abstoßungsreaktion ihres Transplantats und sie verlor die Spenderniere.

Trotz aller gesundheitlichen Probleme im Zusammenhang mit ihrer Nierenkrankheit ist die Dialysepatientin heute froh, dass nicht noch weitere Erkrankungen, wie etwa eine schwere Influenza, ihren Gesundheitszustand schwächen konnten: „Ich hatte keine Grippe mehr in den letzten 9 Jahren – seit ich mich impfen lasse“. Eine leichte Erkältung könne man natürlich nie ausschließen, aber „als Nierenpatient ist es besonders wichtig, darauf zu achten, gesundheitsbewusst zu leben und sich vor Grippeerregern zu schützen!“
Literatur
[1] Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe; Website des Robert Koch-Instituts (RKI)
[2] Influenza Wochenbericht Kalenderwoche 14/2018, AGI-Studiengruppe, Robert-Koch Institut.
[3] Marcello Tonelli et al. Comparison of the Complexity of Patients Seen by Different Medical Subspecialists in a Universal Health Care System. JAMA Netw Open. 2018;1(7):e184852. doi:10.1001/jamanetworkopen.2018.485
[4] Principi N, Esposito S; ESCMID Vaccine Study Group. Influenza vaccination in patients with end-stage renal disease. Expert Opin Drug Saf 2015; 14 (8): 1249-58

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

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