Vom 15. August bis 1. Oktober 2020 haben Diabetologen/innen und Diabetesberater-/assistenten-/innen die Möglichkeit, an einer Umfrage zu neuen Technologien und der Praxis der Zukunft teilzunehmen. Neben dem Ist-Stand soll vor allem der Blick in die Zukunft gerichtet werden: Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus zukünftig für diabetologische Einrichtungen?

Die Diabetologie verändert sich durch neue Möglichkeiten der Erfassung, Übertragung und Interpretation von Glukosedaten und der (semi-)automatisierten Steuerung von Insulin. Mehrere Dia­betes­Apps stehen in den Startlöchern, um als „App auf Krankenschein“ die Therapie zu bereichern und auch die „elektronische Diabetes-Akte“ wird bald Einzug in die Praxen halten. Schon heute gibt es zur Diagnostik, Risikoabschätzung und Behandlung von Menschen mit Diabetes immer mehr Anwendungen mit künstlicher Intelligenz.

Deutlicher Anstieg moderner Technologien

Wie die bisherigen Umfragen des Digitalisierungs- und Technologiereports Diabetes (D.U.T) 2018 und 2019 ergaben, nahm in nur einem Jahr die Zahl der Patienten, die moderne Technologien nutzen, deutlich zu: Pro diabetologischer Einrichtung erhöhte sich von 2018 auf 2019 die Anzahl der Patienten mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) um 66 Prozent, die mit Flash-Glukosemessung um 49 Prozent und die mit einer Insulinpumpe um 30 Prozent zu. Durchschnittlich nutzen damit pro ambulanter diabetologischer Einrichtung ca. 300 Patienten pro Praxis eine moderne Form der Glukosemessung, 78 Patienten eine Insulinpumpe.

Auch in diesem Jahr möchten wir daher in der Umfrage die Nutzung moderner Technologien abfragen, um den Trend der verschiedenen Jahre abbilden zu können. In diesem Jahr ist es von besonderem Interesse, ob coronabedingt die Häufigkeit der Videosprechstunde und -schulung zugenommen hat und ob es einen neuen Schub in Richtung Digitalisierung der diabetologischen Einrichtungen gegeben hat.

»Neue Technologien wie AID-Systeme zur (semi)-automatisierten Glukosesteuerung sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern werden schon bald die Arbeit von diabetologischen Einrichtungen verändern.«
Prof. Dr. Lutz Heinemann (Neuss)

Die diabetologische Einzelpraxis ist auf dem Rückzug

Der diesjährige D.U.T Report liefert auch interessante Zahlen zu der aktuellen Situation der Diabe-tesversorgung in Deutschland. Im Durchschnitt wurden 2019 pro ambulanter diabetologischer Praxis im Quartal 189 Patienten mit Typ-1-Diabetes und 819 Patienten mit Typ-2-Diabetes betreut. In stationären Einrichtungen waren es im Jahr durchschnittlich 275 Patienten mit Typ-1-Diabetes und 760 Patienten mit Typ-2-Diabetes.

Entgegen der Erwartung spielt die Größe der Einrichtung keinen entscheiden Vorteil hinsichtlich der Nutzung moderner Technologien. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass moderne Technologien in der Diabetologie sehr weitverbreitet sind und nicht nur von wenigen Spezialisten beherrscht wird.

Im ambulanten Bereich hält der Trend weg von der Einzel-praxis hin zu anderen Praxisformen an: Mit 26 Prozent ist die Einzelpraxis in der Minderheit, fast jeder zweite Diabetologe arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis, 12 Prozent in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MFZ) und 10 Prozent in einer Praxisgemeinschaft. Es ist zu erwarten, dass diese Entwicklung eher zunehmen wird – in der Diabetologie ist Teamarbeit gefragt.

Neu: Auch Umfrage für Diabetesberater/-innen und -assistenten/-innen

Nachdem im letzten Jahr die Meinung von Patienten eingeholt wurde, werden in diesem Jahr ne-ben den Ärzten auch die für die Diabetologie sehr wichtige Berufsgruppe der Diabetesberatern/-innen und -assistenten/-innen befragt werden. Diabetesberater/innen und Diabetesassistenten sind vielfältig in die Arbeit mit neuen Technologien und digitalen Anwendungen eingebunden und sind im Diabetesteam häufig für deren praktische Umsetzung verantwortlich. Damit steht in diesem Jahr das Thema „Zukunft des diabetologischen Teams“ im Vordergrund.

»Ich bin gespannt, ob Ärzten und Diabetesberater- und Diabetesassistenten/innen hinsichtlich neuer Technologien und der fortschreitenden Digitalisierung ähnliche Einstellungen und Einschätzungen haben und wie beide die Zukunft des diabetologischen Teams sehen.«
Prof. Dr. Bernhard Kulzer (Bad Mergentheim)

Im Fokus der diesjährigen Umfrage stehen höchst aktuelle Themen:

  • Was denken die Befragten über die fortschreitende Digitalisierung in der Diabetologie und über neue Technologien?
  • Wie digital sind die diabetologischen Einrichtungen ausgestattet?
  • Welche Technologien nehmen zu, wie viele werden von Menschen mit Diabetes auch tatsächlich genutzt?
  • Welche Prognose gibt es für die nächsten 5 Jahre?
  • Welches Potential haben neue Anwendungen wie „Telemedizin und -schulung“, „App auf Krankenschein“, „elektronische Diabetes-Akte“ oder „Closed-Loop (AID-)Systeme“ innerhalb der Diabetologie?
  • Welche Kompetenzen werden den Mitgliedern des diabetologischen Teams (Arzt, Diabetesberater/assistent, MFA) in Hinblick auf neue Technologien, der Digitalisierung zugeschrieben?
  • Wie verändert sich das diabetologische Team der Zukunft, was sind die wichtigsten Verän-derungen, die sich durch neue Technologien für die diabetologischen Einrichtungen ergeben?

Unterstützung durch Verbände

Die Befragung wird vom Forschungsinstitut der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) im Zusammenarbeit mit dem „Zukunftsboard Digitalisierung“ (zd-Board/www.zukunftsboard-digitalisierung.de) durchgeführt und wird unterstützt von zahlreichen Verbänden wie
  • dem Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND),
  • dem Bundesverband Klinischer Diabetes-Einrichtungen–DIE Diabetes-Kliniken (BVKD),
  • dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD),
  • dem Verband der niedergelassenen Diabetologen Niedersachsens (VNDN),
  • dem Wissenschaftlichen Institut der niedergelassenen Diabetologen (winDIAB) und
  • diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE).

Die Ergebnisse werden - wie in den letzten Jahren - im „Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2021“ zusammengefasst. 11 Fachbeiträge zu ausgewählten aktuellen Themenfeldern des Jahres 2020 ergänzen den „D.U.T Report 2021“, der am 28.1.2021 am Rande des DiaTec-Kongresses 2021 vorgestellt wird. Die Ergeb-nisse werden auch unter www.dut-report.de veröffentlicht.

So machen Sie mit!
  • Die Umfrage ist – wie es sich für dieses Thema gehört – online und findet im Zeitraum vom 15. Augiust bis 1. Oktober 2020 statt.
  • Die Umfrage richtet sich an alle diabetologisch tätige Ärzte und Diabetesberater/-innen und -assistenten/-innen, egal in welcher Institution (ambulant, Stationär) sie arbeiten.
  • Sie können die Umfrage mit allen Endgeräten durchführen: Per Computer, Tablet oder auch mit dem Smartphone.
  • Mit den Links (siehe Kasten) gelangen Sie mit einem Klick zu der Umfrage. Die Beantwortung der Fragen ist sehr einfach und dauert ca. 10 bis 12 Minuten.
  • Die Umfrage ist völlig anonym, es werden keine persönlichen Daten gespeichert.
  • Wenn Sie möchten, schicken wir Ihnen den Bericht der Umfrage (D.U.T Report 2021) zu – dazu müssen Sie jedoch Ihre E-Mail-Adresse angeben.


Autor:
Prof. Dr. Bernhard Kulzer
Dipl.-Psychologe
Forschungsinstitut Diabetes-Akademie
Mergentheim (FIDAM)
Theodor-Klotzbücher-Straße 12
97980 Bad Mergentheim
Website: www.fidam.de