Das 2023 gestartete Projekt EDENT1FI vereint Screening-Programme in ganz Europa, um Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen bereits vor dem Auftreten klinischer Symptome zu erkennen. Ziel ist es, frühzeitige Interventionen zu ermöglichen, die Risikostratifizierung zu verbessern und die Entwicklung innovativer Therapien voranzutreiben. Das Projekt hat nun einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Der Autoimmunprozess, der einem Typ-1-Diabetes zugrunde liegt und letztlich zum Ausbruch der Erkrankung führt, beginnt häufig schon früh im Leben der Betroffenen, wird jedoch meist spät erkannt. Denn Symptome treten oft erst im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf. Eine verzögerte Diagnose und Behandlung kann jedoch zu lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisungen führen. Ein einfacher Bluttest, mit dem Inselautoantikörper nachgewiesen werden, kann Typ-1-Diabetes bereits in frühen Stadien erkennen, lange bevor Symptome auftreten. Dies eröffnet wichtige Möglichkeiten für ein kontinuierliches Monitoring, rechtzeitige Interventionen und verbesserte Ergebnisse für Patientinnen und Patienten.

Erfolg von Screening-Programmen in Europa

Das Forschungsprojekt EDENT1FI („European action for the Diagnosis of Early Non-clinical Type 1 diabetes For disease Interception“) unter der Leitung von Professorin Anette-Gabriele Ziegler von Helmholtz Munich und Professorin Chantal Mathieu von der KU Leuven wurde 2023 mit dem Ziel gestartet, Screening und Monitoring von Typ-1-Diabetes in Europa zu etablieren. Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative von 27 Partnerorganisationen aus Wissenschaft, Industrie und gemeinnützigen Organisationen aus 13 europäischen Ländern.

EDENT1FI baut auf der Grundlage der Fr1da-Studie auf, die die Früherkennung von Typ-1-Diabetes erstmals in Bayern etabliert hat. Mittlerweile hat EDENT1FI Screening-Programme in Tschechien, Polen und Portugal aufgebaut und bestehende Initiativen in Deutschland, Italien, dem Vereinigten Königreich, Dänemark und Schweden gestärkt. Die Screening-Settings variierten von Land zu Land: Die Programme wurden in der Primärversorgung, in Krankenhäusern, Schulen und in Privathaushalten durchgeführt. Trotz dieser Unterschiede gelang es EDENT1FI, den Nachweis von Inselautoantikörpern zu harmonisieren und die Datenerfassung sowie -verarbeitung länderübergreifend zu standardisieren. Zusätzlich wurden zentrale Labore eingerichtet und umfassende Qualitätskontrollen etabliert.

Meilenstein bei der Diabetes-Früherkennung

Kürzlich hat das Projekt einen wichtigen Meilenstein erreicht: Von den geplanten über 220.000 Heranwachsenden konnten bereits 100.000 auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes gescreent werden. Die Screening-Rate liegt derzeit bei etwa 6.500 Teilnehmenden pro Monat. „Der Erfolg von EDENT1FI zeigt, dass ein Screening auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes in ganz Europa effektiv umgesetzt werden kann“, sagt Prof. Ziegler, leitende Co-Koordinatorin von EDENT1FI, Leiterin des Arbeitspakets 1 (Screening), wissenschaftliche Leiterin der Fr1da-Studie sowie Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Inhaberin des Lehrstuhls für Diabetes und Gestationsdiabetes am TUM Universitätsklinikum.

„Die Ausweitung der Screening-Programme auf weitere europäische Länder wird dazu beitragen, mehr Kinder vor schweren Stoffwechselentgleisungen zu schützen, die häufig mit einer späten Diagnose von Typ-1-Diabetes einhergehen“, so Professor Peter Achenbach, stellvertretender Direktor des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Wissenschaftler im Studienteam von Fr1da und EDENT1FI in Deutschland.

Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit frühem Typ-1-Diabetes

Familien erhalten während des gesamten Prozesses umfassende Beratung und Unterstützung. Kinder und Jugendliche, bei denen Typ-1-Diabetes im Frühstadium festgestellt wird, werden regelmäßig nachuntersucht und über Möglichkeiten frühzeitiger Intervention informiert. Ziel des Projektes ist es, Familien Wissen zu vermitteln und Hilfsmittel bereitzustellen, um Belastungen bei Auftreten des klinischen Diabetes zu verringern und sie im Umgang mit der Erkrankung zu unterstützen. Im Januar 2026 wurde der immunmodulierende Wirkstoff Teplizumab in Europa für Kinder ab acht Jahren mit präsymptomatischem Typ-1-Diabetes (Stadium 2) zugelassen, der den Beginn des Stadium 3 herauszögern kann. Diese Zulassung verdeutlicht die Bedeutung von Früherkennungsprogrammen wie EDENT1FI, da eine frühe Diagnose erst ermöglicht, solche Therapien in Betracht zu ziehen. Weitere Therapien, die den Beginn von Typ-1-Diabetes verhindern oder hinauszögern könnten, werden derzeit in klinischen Studien untersucht.

„Angesichts neu zugelassener und zukünftiger krankheitsmodifizierender Therapien gewinnt eine frühzeitige Diagnose zusätzlich an Bedeutung", findet Prof. Mathieu, leitende Co-Koordinatorin von EDENT1FI und Professorin an der Fakultät für Medizin der KU Leuven. "Dieser Erfolg zeigt, wie internationale Zusammenarbeit die Versorgung von Menschen mit Typ-1-Diabetes verändern kann.“


von Redaktion diabetologie-online
mit Materialien von Helmholtz Munich