Auch in diesem Jahr zog die VDBD-Tagung – organisiert von der VDBD AKADEMIE – in Frankfurt a. M. mehr als zweihundert Teilnehmer an. Themen waren u.a. der Umgang mit übergewichtigen Diabetespatienten, Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen sowie das Schulungsprogramm für Angehörige „DiaLife“.

Das Programm mit Vorträgen von Prof. Dr. med. Monika Kellerer, PD Dr. med. Gunnar Riepe, Dr. med. Alexander Risse und Dipl. oec. troph. Birgit Schareck sorgte für ein wissenschaftliches, aber durchaus unterhaltsames Update für Diabetesberaterinnen und Diabetesassistentinnen zu diabetesrelevanten Themen. Besonderes Highlight auf der 5. VDBD-Tagung war eine Podiumsdiskussion zum VDBD-Schulungsprogramm für Angehörige von erwachsenen Diabetespatienten.

Stigmatisierung von adipösen Menschen

Herzhaftes Lachen, betroffene Blicke, Erstaunen – Dr. Alexander Risses fesselnder Vortrag zum Thema Adipositas und Diabetes löste eine bunte Mischung an Reaktionen bei den Teilnehmern der 5. VDBD Tagung aus. Der Leiter des Diabeteszentrums am Klinikum Dortmund sprach über die Stigmatisierung von adipösen Menschen, ihre benachteiligende Behandlung durch Krankenkassen, Ärzte und auch Politiker. Beispielhaft nannte er den Vorschlag einer Beitragsstaffelung gemessen am BMI der Versicherten.

Auch Fehler, die Diabetesberaterinnen und Diabetesassistentinnen im Rahmen einer Betreuung von übergewichtigen Diabetespatienten begehen können, wurden thematisiert. Eine emphatische Kommunikation, so Dr. Risse, ist der Schlüssel in der Patientenbehandlung. Auf den Punkt gebracht: ohne eine wertschätzende und vorurteilsfreie Kommunikation ist eine adäquate Beratung nicht möglich. Er empfiehlt Diabetesberaterinnen, ihre eigene innere Einstellung zu adipösen Patienten zu analysieren und zu hinterfragen und ggf. neu auszurichten.

Gefährliche Wahrnehmungsstörungen

Die 5. VDBD-Tagung fand im 25. Jubiläumsjahr des VDBD statt und stand unter dem Motto "Diabetes und das soziale Umfeld". Renommierte Referenten informierten und diskutierten im Rahmen der Fachtagung und gaben Diabetesberaterinnen und Diabetesassistentinnen wichtige Impulse für ihren beruflichen Alltag. Prof. Monika Kellerer, Vize-Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft, beschrieb anhand von anschaulichen Beispielen aus der klinischen Versorgung die teilweise schweren Auswirkungen und dramatischen Folgen von Hypoglykämien bzw. von Wahrnehmungsstörungen von Hypoglykämien.

Dr. Gunnar Riepe, Chefarzt am Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, schaffte durch die Vorstellung seiner Wunduhr Bewusstsein für die richtige Einstufung und Behandlung von Wunden, insbesondere des diabetischen Fußes. Und Dipl. oec. troph. Birgit Schareck, die dankenswerter Weise für die kurzfristig erkrankte stellvertretende VDBD-Vorsitzende Susanne Müller einsprang, referierte zum überaus aktuellen Thema "Diabetes und Nahrungsmittelunverträglichkeiten", z.B. Fructose- oder Lactoseunverträglichkeiten auch in Abgrenzung zur Zöliakie.

DiaLife – zusammen leben mit Diabetes

Ein besonderes Highlight war die Podiumsdiskussion zu "DiaLife – zusammen leben mit Diabetes", dem vom VDBD entwickelten und vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Schulungsprogramm für Angehörige von erwachsenen Diabetespatienten. Unter der Moderation von Dagmar Arnold erläuterten die Teilnehmer die Entstehungsgeschichte und den Verlauf des Projektes, das von VDBD-Geschäftsführerin Dr. Gottlobe Fabisch geleitet wird.

Gemeinsam mit Dr. med. Antonius Helou, Referatsleiter "Nicht übertragbare Krankheiten" im Bundesministerium für Gesundheit, diskutierte ein Teil des Autoren- und Projektteams: Gesundheitswissenschaftler und VDBD-Vorstandsmitglied Lars Hecht, Dr. Nicolle Müller, Universitätsklinikum Jena und Prof. Dr. Claudia Luck-Sikorski, SRH Hochschule für Gesundheit Gera. Dr. Helou ordnete die Wichtigkeit eines solchen Schulungsprogrammes vor dem Hintergrund der fortschreitenden Verbreitung chronischer Erkrankungen ein und beglückwünschte den VDBD zu diesem Projekt.

Neue Angehörigenschulung schließt große Lücke

DiaLife ist modular aufgebaut und wurde in zwei Versionen entwickelt, für Angehörige von Typ-1- bzw. Typ-2-Patienten, und wird im Kirchheim-Verlag erscheinen. Die Themen: Grundlagen der Erkrankung, Leben mit Diabetes nachempfinden, Notfallsituationen, Insulintherapie, Strategien der Kommunikation, Folgeerkrankungen, Essen & Trinken, Bewegung, Diabetes und Demenz sowie Sondersituationen.

DiaLife schließt eine große Lücke, da bisherige Programme sich systemimmanent an den Betroffenen selbst richten. Eine Angehörigenschulung bietet den Mehrwert, dass Angehörige wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, um den Betroffenen im Alltag unterstützen zu können. Das soziale Umfeld ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für das Gelingen eines effektiven Selbstmanagements.

Um eine Zertifizierung durch das Bundesversicherungsamt zu erlangen, beginnt in diesem Jahr die wissenschaftliche Evaluation in Form einer randomisierten kontrollierten Studie. Die Zertifizierung ist Voraussetzung für eine Übernahme in den Leistungskatalog von Kostenträgern.

VDBD-Tagung 2019
Auch im nächsten Jahr wird es wieder eine VDBD-Tagung geben!

Save-the-date: 23. März 2019. www.vdbd.de


Autorin: Asja Harder
VDBD AKADEMIE
VDBD: 030/847122-490

Erschienen in: Diabetes-Forum, 2018; 30 (5) Seite 42-45