Wir haben mit Dr. Kerstin Bayer-Pörsch, frisch gewähltes VDBD-Vorstandsmitglied, gesprochen und wollten wissen, was sie zur Kandidatur für dieses Amt motiviert hat.
Liebe Kerstin, nochmals herzlichen Glückwunsch zu Deiner Wahl in den VDBD-Vorstand. Du wirst in einem Vorstandsteam auf Augenhöhe künftig die Rolle der Schatzmeisterin übernehmen und Dich hoffentlich schnell in das Team und Deine neue Verantwortung einfinden. Da wir – und auch die rund 4.600 Mitglieder des VDBD – bisher nicht sehr viel über Dich und Deine Motivationen wissen, möchten wir die Gelegenheit nutzen, Dir ein paar Fragen zu stellen, um Dich vorzustellen.Kannst Du uns ein wenig mehr zu Deiner beruflichen Laufbahn und Deinen Schwerpunkten erzählen?
Nach dem Abitur habe ich in einer Krankenhausküche "gejobbt" und bin über diesen Weg 1987 zu einer Ausbildung als Diätassistentin im Katharinenhospital in Stuttgart gekommen. Nach meinem Abschluss habe ich 1990 ein Studium an der Justus-Liebig-
Universität in Gießen begonnen und dort bei Frau Dr. oec. troph. Jutta Liersch meine Diplomarbeit über die "Umsetzung von Schulungsprogrammen in der Hausarztpraxis" geschrieben. Da ich mich in diesem Kontext bereits intensiv mit dem Thema Schulung beschäftigt und selbst schon in einer Hausarztpraxis Schulungen durchgeführt hatte, wurde ich 1996 von Prof. Thomas Haak für das Diabetes-Schulungszentrum der Uniklinik Frankfurt/M. eingestellt. Dort habe ich 1998 meine Weiterbildung zur Diabetesberaterin DDG abgeschlossen und anschließend gemeinsam mit Thomas Haak die berufsfachliche Leitung der Diabetesberatungskurse übernommen. Zeitgleich begann ich bei Prof. Haak meine Dissertation zum Thema "Selbstmanagement". Als dieser um die Jahrtausendwende die Chefarztstelle in der Diabetesklinik Bad Mergentheim übernahm, wurde ich gefragt, ob ich die Diabetesberatung dort neu strukturieren möchte – somit übernahm ich 2000 die Bereichsleitung der Diabetesklinik.
Aus privaten Gründen kehrte ich 2003 nach Gießen zurück und arbeite seit 2004 in einer großen Praxis mit diabetologischem Schwerpunkt.
Was ist Dir bei Deiner Arbeit besonders wichtig und wie erreichst Du das?
Mein besonderes Augenmerk liegt auf einer guten und umfassenden Patientenversorgung. Mir ist es wichtig, Patienten und Patientinnen dort abzuholen, wo sie stehen. Dies erfordert Zeit für Gespräche, um die aktuelle Bedürfnislage der Betroffenen zu erfassen und angemessen damit umzugehen. Handelt es sich um einen Patienten oder eine Patientin mit einem neumanifestierten Diabetes, wo zuerst einmal die Wissensvermittlung im Mittelpunkt steht? Gibt es besondere Ereignisse im Leben des Patienten oder der Patientin, die das Krankheitsmanagement erschweren und bei denen Unterstützung gebraucht wird? Oder geht es um das Thema Motivation, die man bei einer chronischen Erkrankung jeden Tag neu aufbringen muss? Gerade dieses detektivische Gespür und sich auf den einzelnen Menschen einlassen reizt mich und macht unsere alltägliche Arbeit so spannend.
Was hat Dich bewogen, Dich für einen Vorstandsposten im VDBD zu bewerben?
Ich bin seit 30 Jahren im Bereich der Diabetologie tätig und habe im Zuge dessen viele Jahre an der Verbesserung der Strukturen mitgearbeitet. Dabei habe ich unsere Berufsgruppe immer als qualitäts- und zukunftsorientiert erlebt. Im Sinne der Patientenversorgung wurden strukturierte Schulungsprogramme entwickelt und flächendeckend eingerichtet, der vierteljährliche Patientenkontakt über das DMP-Programm etabliert und Finanzierungsstrukturen für diese Versorgung geschaffen. Aktuell erlebe ich diesen Prozess regressiv. Die Zahl der schulenden Praxen nimmt immer weiter ab und durch die anstehenden Reformen werden die etablierten Finanzierungsstrukturen gefährdet. Ich sehe in meiner neuen Aufgabe die Chance, dieser Entwicklung entgegenzutreten und die Zukunft unseres Berufsbildes aktiv mitzugestalten.
Wie stellst Du Dir ein optimales Arbeiten im neuen Vorstandsteam vor, und welche Impulse möchtest Du gerne setzen?
Ich wünsche mir ein Team, welches sich nicht von eigenen Interessen leiten lässt, sondern gemeinsam auf die Umsetzung der wichtigen berufspolitischen und zukunftsweisenden Ziele für unser Berufsbild hinarbeitet. Optimale Zusammenarbeit bedeutet für mich, dass wir unsere unterschiedlichen Praxiserfahrungen synergetisch bündeln. Ziel ist es, neben der Berufspolitik, neue Impulse, wie z. B. Digital Health und Tele-Coaching-Programme zu entwickeln und in Schulungsrichtlinien zu implementieren, um zukunftsfähig zu bleiben. Begleitend müssen wir weiter daran arbeiten, entsprechende Abrechnungsmodalitäten zu verhandeln, denn nur so können Schulungsprogramme umgesetzt werden.
Gibt es eine Message, die Du den VDBD-Mitgliedern mit auf den Weg geben möchtest?Folgendes Zitat des Bildungstheoretikers Wilhelm von Humboldt spiegelt gut meine Take-Home-Message wider: "Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben einen Wert geben" und in diesem Sinne haben wir Diabetesberater und Diabetesberaterinnen einen bereichernden und abwechslungsreichen Beruf, bei dem es sich für jeden Einzelnen von uns lohnt, an dessen Erhalt und Fortbestehen mitzuwirken.
Vielen Dank, Kerstin, für das Gespräch!
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Erschienen in: Diabetes-Forum, 2026; 38 (4) Seite 46-47
