Seit einem Jahrzehnt setzt sich das DANK-Bündnis aus mittlerweile über 20 NGO’s für eine bundesweite und vor allem nachhaltige Prävention von nichtübertragbaren, chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Krebs und Diabetes ein. Der VDBD begleitet das Bündnis von Beginn an.

Im Vordergrund der Aktivitäten der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) steht die Primärprävention von Übergewicht und Adipositas als Verursacher vieler chronischer (Folge-)Erkrankungen. Bei einer seit Jahren bundesweit steigenden Tendenz der Fälle von Adipositas entwickelt sich die Krankheit zu einem stetig wachsenden Problem. Tritt Übergewicht bereits im Kindes- und Jugendalter auf, sind die gesundheitlichen Folgen gravierend und ziehen sich durch das ganze Erwachsenenleben.

„Tsunami der chronischen Krankheiten stoppen“

Als Hauptgründe für Übergewicht stehen Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung durch den Überfluss von verarbeiteten und stark zucker-, fett- und salzhaltigen Lebensmitteln im Vordergrund. Auch die durch intensives Marketing hohe Präsenz von ungesunden Nahrungsmitteln für Kinder ist mehr als bedenklich, wie ein in 2014 veröffentlichtes Strategiepapier von DANK hervorhebt.

Unter dem Motto „Den Tsunami der chronischen Krankheiten stoppen“ haben die Experten des Bündnisses vier konkrete Handlungsfelder verschriftlicht, deren politische Umsetzung sie als Maßnahmen gegen das Voranschreiten nichtübertragbarer Leiden wie Bluthochdruck, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen fordern:
  • Täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Kita und Schule
  • Adipogene Lebensmittel besteuern und gesunde Lebensmittel entlasten (Zucker-/ Fettsteuer)
  • Verbindliche Qualitätsstandards für die Kita- und Schulverpflegung
  • Verbot von an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel und Getränke

Oberstes Ziel ist somit, statt ausschließlich die Lebensstiländerung auf individuellem Level jedes Einzelnen (Verhaltensprävention) zu propagieren, eine gesamtgesellschaftliche Verhältnisprävention zu etablieren: wenn politische Rahmenbedingungen von Anfang an einen gesunden Lebensstil fördern und erleichtern, lassen sich nichtübertragbare Krankheiten erfolgreicher vermeiden.

Dieses Engagement trägt der VDBD als Berufsverband der Diabetesfachkräfte mit, stellen sie doch eine wichtige Berufsgruppe in der Behandlung und Versorgung von Menschen dar, die mit Diabetes an einer der „Big Four“ der nichtübertragbaren, chronischen Erkrankungen leiden. Mit seiner Expertise im Bereich Diabetes unterstützt der VDBD somit aktiv die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten und gratuliert zum 10jährigen Bestehen. Nach einem Jahrzehnt politischen Engagements kann DANK mit Stolz auf wichtige Erfolge zurück blicken.

Meilensteine auf internationaler Ebene

Bereits im Jahr 2011 nahm DANK die große Gelegenheit wahr, die gesundheitspolitischen Anliegen der deutschen Allianz auf internationaler Ebene auf dem ersten UN-Gipfel zu Nichtübertragbaren Krankheiten präsent zu machen. Nach dem Aids-Gipfel von 2001 war das „UN High-Level Meeting on the Prevention and Control of Non-Communicable Diseases“ (NCDs) am 19./20. September 2011 erst der zweite UN-Gipfel überhaupt, der sich mit einem Gesundheitsthema befasste.

Im Vorfeld schrieb die Allianz führende Gesundheitspolitiker an und bat sie, sich auf der UN-Generalversammlung für konkrete Handlungsmaßnahmen in Bezug auf die Prävention von NCDs einzusetzen. Die DANK-Delegation konnte sich vor Ort ein umfangreiches Bild von dem gesundheitspolitischen Geschehen in den mehr als 120 teilnehmenden Staaten machen.

Dass das Thema nichtübertragbare Krankheiten die Weltpolitik bewegt, zeigte sich vor allem darin, dass der UN-Gipfel zu NCDs auch in den Jahren 2014 und 2018 einberufen wurde. Neben DANK-Sprecherin Barbara Bitzer war in 2018 VDBD-Geschäftsführerin Dr. Gottlobe Fabisch Mitglied der DANK-Delegation beim 3. UN-Gipfel „Nichtübertragbare Krankheiten“, der am 27. September 2018 im Rahmen der jährlichen Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York stattfand. Die Mitgliedsstaaten verpflichteten sich, kosteneffektive, bezahlbare und evidenzbasierte Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle von NCDs wie Diabetes mellitus zu ergreifen.

Zu Besuch bei der UN (v.l.): Dr. Gottlobe Fabisch, Lutz Stroppe, damaliger Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, und Barbara Bitzer, DANK-Sprecherin und DDG-Geschäftsführerin.

Bereits zwei Jahre zuvor hatten die Vereinten Nationen die Förderung der Gesundheit aller Menschen und die Gewährleistung eines gesunden Lebens in ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung aufgenommen. Dass Worten auch Taten folgen müssen zeigte sich darin, dass in der Abschlusserklärung des UN-Gipfels die Unterzeichner eingestehen mussten, dass die selbstgesteckten Ziele zur Reduzierung der mit NCD zusammenhängenden weltweiten Todesfälle beim gegenwärtigen Umsetzungstempo verfehlt würden.

Umso mehr bestärkte der 3. UN-Gipfel die Wichtigkeit der Arbeit von DANK, um auf nationaler Ebene der Prävention von chronischen Leiden Aufwind zu verschaffen. Dr. Gottlobe Fabisch und Barbara Bitzer nutzten die Chance und konnten im Gespräch mit Lutz Stroppe, damaliger Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, die Forderungen von DANK gegenüber der deutschen Politik vertreten.

Professionelle Medienarbeit verschafft Gehör

Das Engagement des VDBD bei DANK umfasst auch die finanzielle Unterstützung der Medienarbeit des Bündnisses. Insbesondere in den letzten Jahren konnte sich DANK über eine steigende Medienpräsenz freuen. In regelmäßigen Abständen werden professionelle Pressemitteilungen im Kontext aktueller Themen und Entwicklungen veröffentlicht, um die Forderungen der Allianz strategisch zu positionieren und in politische Debatten einzubringen. Der VDBD stellt alle DANK-Pressemitteilungen, die von allen Aktionspartnern unterzeichnet werden, im Pressebereich auf der verbandseigenen Website zur Verfügung.

Große Resonanz

Immer wieder werden die Positionen des Bündnisses von verschiedenen Medienkanälen aufgegriffen. Besonders große Resonanz fand die Forderung von DANK nach einer Etablierung des Nutri-Scores, als in 2019 die Debatte um eine konsumentenfreundliche Kennzeichnung von Lebensmitteln entbrannte. Wiederholt boten die in der Allianz zusammengeschlossenen Verbände und Forschungseinrichtungen der Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung Julia Klöckner Paroli, die sich gegen eine Kennzeichnung mittels Nutri-Score aussprach und ein eigens entwickeltes Label durchsetzen wollte.

Nicht zuletzt durch das öffentliche Dagegenhalten und die Aufklärungsarbeit von DANK hat sich letztendlich der Nutri Score durchgesetzt. Ein Ergebnis, dass auch der VDBD sehr begrüßt, helfen die Ampelfarben doch auch prädiabetischen und an Diabetes erkrankten Menschen, bewusst zu gesünderen Lebensmitteln zu greifen. Bedauerlich ist jedoch, dass der Nutri-Score für die Lebensmittelindustrie nicht verpflichtend ist und Bundesministerin Klöckner sich auch in dieser Sache lediglich zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung durchringen konnte.

Unabhängige Studien

Dass der Nutri-Score nun auch in Deutschland auf der Verpackung vieler Lebensmittel zu finden ist, ist auch auf eine von DANK in Auftrag gegebene, unabhängige Studie zurück zu führen. Die vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführte repräsentative Befragung ergab, dass 69 Prozent der Deutschen eine Kennzeichnung mit der Nährwertampel Nutri-Score bevorzugen. Das von Bundesernährungsministerin Klöckner in Auftrag gegebene Kennzeichnungsmodell fiel hingegen durch.

Durch die Finanzierung solch industrie- und lobbyunabhängiger Studien tragen die Mitgliedsorganisationen von DANK dazu bei, dass die Interessen der Bevölkerung bei gesundheitsrelevanten politischen Entscheidungen berücksichtigt werden. So zeigte bereits eine in 2017 durchgeführte Studie, an der sich der VDBD maßgeblich beteiligte, dass steuerliche Anreize für gesunde Lebensmittel eine sinnvolle Maßnahme sind.

DANK-Pressekonferenz im November 2017 zur Aktion gesunde Mehrwertsteuer (v.l.n.r.): Frau Ullrich, Moderatorin, VDBD-Geschäftsführerin Dr. Fabisch, Herr Fink, Vorstandsvorsitzender Gesundheitsstadt Berlin, Dr. Garlichs, damaliger DANK-Sprecher und Geschäftsführer DDG, Prof. Dr. med. Hauner, diabetesDE, PD Dr. Effertz, Universität Hamburg.

Die Befragung im Rahmen der DANK-Aktion „Gesunde Mehrwertsteuer“ ergab, dass gesunde Ernährung auch eine Frage des Preises ist. Durch ein gestaffeltes Mehrwertsteuersystem, bei dem Obst und Gemüse von der Steuer befreit werden, würden mehr Bürger zu unverarbeiteten, gesunden Lebensmitteln greifen. Die Studienergebnisse wurden im November 2017 im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Vor den anwesenden Medienvertretern forderte Dr. Gottlobe Fabisch, VDBD-Geschäftsführerin, in ihrem Redebeitrag daher von der Politik „mutige Maßnahmen zur Verhältnisprävention“.

Schulterschluss

Zehn Jahre Engagement zeigen, dass durch den Schulterschluss von NGOs (Nichtregierungsorganisationen) vieles erreicht werden kann, um der Verbreitung von NCDs entgegenzuwirken. Gleichzeitig bleibt trotz der Erfolge viel zu tun für DANK – daher wird sich der VDBD auch künftig tatkräftig mit den gemeinsamen Bündnispartnern für die Prävention von Diabetes mellitus und anderer Erkrankungen einsetzen.


Autorin: Asja Harder
VDBD sowie VDBD AKADEMIE
Assistenz der Geschäftsführung, Redaktion Digitale Medien
Tel.: 030 847 122-495


Erschienen in: Diabetes-Forum, 2020; 32 (6) Seite 38-40

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