Im Rahmen der Paul Langerhans Vorlesung und Preisehrungen am 15. Mai würdigte die Deutsche Diabetes Gesellschaft in diesem Jahr auch zwei Diabetesberaterinnen für ihr langjähriges Engagement in der Weiterbildung "Diabetesberatung".
Der voll besetzte Saal jubelte als Laudator Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland der VDBD-Vorstandsvorsitzenden Kathrin Boehm und VDBD-Mitglied Angelika Deml die Ehrenmedaille der DDG überreichte. "Das sind genau die beiden richtigen Personen für diese Ehrenmedaille", resümierte der ehemalige DDG-Präsident. Die deutsche Diabetestherapie zeichne sich dadurch aus, führte er aus, dass sie im Diabetesteam umgesetzt werde und die Diabetesberatungsberufe nicht mehr wegzudenken seien, unabhängig davon, wie sich das Gesundheitswesen in Zukunft entwickele.
(v.l.n.r.): Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland, Angelika Deml, Kathrin Boehm, Prof. Dr. Barbara Ludwig , Präsidentin des DDG-Kongresses 2026.
25 Jahre Engagement
Mit der Ehrenmedaille würdigt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für Menschen mit Diabetes und die Diabetesversorgung engagieren. So hatte Kathrin Boehm, die im Mai als VDBD-Vorstandsvorsitzende für weitere 4 Jahre bestätigt worden ist, 25 Jahre lang die berufsfachliche Leitung der Weiterbildung Diabetesberaterin inne. Angelika Deml engagiert sich neben ihrer Kollegin Boehm im Ausschuss Qualität – Schulung- Weiterbildung der DDG und ist Bildungsreferentin für den Fachbereich Diabetes mellitus und chronische Erkrankungen an der Katholischen Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen e.V. in Regensburg, einer Weiterbildungsstätte der DDG.
Geehrt wurden die beiden Diabetesberaterinnen aber nicht nur für ihr langjähriges Agieren im Rahmen der Weiterbildung der DDG und ihr persönliches Wirken in der Patientenversorgung, sondern in besonderem Maße für die vielen hundert Stunden, die sie im Ehrenamt für die Weiterentwicklung und Neuausrichtung der Weiterbildung zur Diabetesberaterin oder zum Diabetesberater bzw. zur Diabetesassistentin oder zum Diabetesassistenten eingesetzt haben. Das flexible und modulare Konzept der Diabetesedukation hat sich bewährt. Evaluationen zeigen eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden und der Arbeitgebenden. Sehr begrüßt wird die deutliche Aufwertung der Diabetesassistentin bzw. des Diabetesassistenten DDG durch die zusätzlichen Lerninhalte zum Typ-1-Diabetes und Gestationsdiabetes und die sehr versorgungsnahen Prüfungs- und Transferleistungen.
Ebenso erfolgreich wird die Fortbildung zum Diabetescoach DDG angenommen, die federführend von Kathrin Boehm und Angelika Deml entwickelt wurde. Diese Fortbildung richtet sich an erfahrene Diabetesberaterinnen bzw. Diabetesberater DDG, die methodische und fachliche Kompetenzen erwerben möchten, um Menschen, die mit den Anforderungen ihrer chronischen Diabetes-Erkrankung überfordert oder frustriert sind, empathisch und ganzheitlich unterstützen zu können.
Wir als VDBD sind sehr stolz auf die verdiente Auszeichnung und gratulieren Kathrin Boehm und Angelika Deml herzlich zu dieser besonderen Anerkennung.
VDBD im Einsatz
Abgesehen von der Ehrung der VDBD-Vorsitzenden waren VDBD-Vorstand und Geschäftsführung auf dem diesjährigen DDG-Kongress inhaltlich stark präsent. Vorstandsmitglied und Technologie-Experte Sebastian Bittner hielt einen Vortrag zu AID-Systemen. Geschäftsführerin Dr. Gottlobe Fabisch referierte im Symposium "Sicherstellung der Diabetesversorgung in Zeiten der Gesundheitsreformen" zur "Zukunft der Diabetesberatungsberufe" und zeigte Lösungsoptionen für die aktuellen Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung und Diabetestherapie auf. Sie appellierte, die vorhandenen Ressourcen von Gesundheitsfachkräften durch interprofessionelle Zusammenarbeit besser zu nutzen und den Versorgungs- und Schulungsbedarf zu Diabetes in der Primärversorgung durch innovative Versorgungs-und Abrechnungsmodelle zu ermöglichen.
Vortragsmarathon
Die stellvertretende VDBD-Vorsitzende Theresia Schoppe (siehe Introbild) legte einen wahren Vortragsmarathon hin: Sie führte den Vorsitz im Symposium der AG Diabetes und Klima, hielt einen Vortrag im Symposium der Apotheker:innen in der DDG zur gemeinsamen Zusammenarbeit und präsentierte ein Poster der AG zum Entsorgungsverhalten in der Diabetestherapie. Besonders eindrucksvoll ihr Vortrag zum Thema "Diabetes und ADHS".
Auf dem traditionellem Samstagssymposium am 16. Mai stellte Theresia Schoppe die Ergebnisse einer jüngsten VDBD-Umfrage unter rund 800 Diabetesfachkräften zur Schulung vor. Ein Fazit lautete, dass es eine Reform der Schulungsprogramme brauche. Zudem werde immer weniger (in Gruppen) geschult und viele Menschen erhalten kein Schulungsangebot oder nehmen ein solches nicht wahr. Dazu wurden auf der Podiumsdiskussion Ursachen ergründet und Lösungen angedacht. So könnte diese Versorgungslücke mit flexibleren Angeboten und Online-Patientenschulungen geschlossen werden, ohne den Wert und die Durchführung von Präsenzschulungen in Frage zu stellen.
Recht auf Schulung
Gesundheitsfachkräfte sind heutzutage mit Patientinnen und Patienten konfrontiert, die sich ersten Rat und Informationen aus dem Internet und generativer Künstlicher Intelligenz holen, wobei die Ergebnisse oft nicht richtig eingeschätzt werden können. Auch moderne Medikamente können den Grundstein einer Diabetestherapie durch Schulung und Beratung nicht ersetzen. "GLP-1-Rezeptoragonisten sind metaphorisch gesprochen kein Rollstuhl, sondern ein Rolltor: gehen muss man noch selbst", erklärt Diabetesberaterin Theresia Schoppe. "Studien haben deren Wirkung ergänzend zu Lebensstilmaßnahmen untersucht und sogar im Beipackzettel steht, dass diese Substanzen eine Ergänzung zu Ernährung und Bewegung sind, nicht ein Ersatz." Fazit aller VDBD-Beiträge auf dem diesjährigen DDG-Kongress ist, dass Patientenschulung eine Kernkompetenz der Diabetesedukationsberufe ist und diese wiederum eine unersetzliche Säule in der Diabetestherapie sind. Patientenschulung vermittelt nicht nur Wissen zur Erkrankung und möglichen Folgeerkrankungen, sondern auch Kompetenzen zum Selbstmanagement für eine verbesserte Therapieadhärenz und damit verbesserter Lebensqualität. Jeder Mensch mit Diabetes sollte daher Zugang zu qualifizierter Diabetesberatung und -schulung erhalten, unabhängig von Alter, Bildung und Einkommen.
|
|
Erschienen in: Diabetes-Forum, 2026; 38 (3) Seite 48-49
