Bei strahlendem Herbstwetter traf sich am 18. Oktober 2025 eine engagierte Gruppe von Diabetesberater:innen in der erlebnisWERKSTATT Essen, einem kreativen und innovativen Tagungsraum in den historischen Mauern einer ehemaligen Zechenhalle. Gemeinsam mit der VDBD AKADEMIE stand hier ein besonders wichtiges Thema im Fokus: Nachhaltigkeit in der Diabetesberatung.
"Konkrete Ideen für die Praxis und ein besseres Verständnis für das Thema!"
"Sehr viele Anregungen und neue Ansätze!"
"Vielen Dank für den spannenden kurzweiligen Samstag an alle Mitwirkenden!"
"Tolle neue Begegnungen. Alltagstaugliche Tipps und viele neue Ideen!"
Von Beginn an wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit weit mehr ist als ein Begriff. Mit viel Energie, Offenheit und Kreativität diskutierte das Team der VDBD AKADEMIE mit den Teilnehmenden und es zeigte sich, dass ökologische Verantwortung, gesundheitliches Bewusstsein und Beratungsalltag in Kliniken und Praxen sich sinnvoll miteinander verbinden lassen.
Nach einem entspannten Start mit Tee und Kaffee begrüßte Dr. Gottlobe Fabisch, Geschäftsführerin der VDBD AKADEMIE, die Teilnehmenden, führte in das Thema ein und bedankte sich bei den beiden Vorstandsmitgliedern Theresia Schoppe und Sebastian Bittner, die als Initiatoren des Veranstaltungsthemas den Tag in Essen inhaltlich begleiteten.
Impulsreferate
Input für die Diskussionen im Rahmen des WorldCafés lieferten zwei Referent:innen, die sich ehrenamtlich für Klima und Gesundheitsschutz engagieren: Dr. Liane Hein von KLUG (Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit), zeigte in ihrem Impulsvortrag "Auswirkungen der Klimakrise und Co-Benefits bei klimagerechtem Verhalten" anschaulich, wie klimafreundliches Handeln nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit zugutekommt. Sie erläuterte die Wechselwirkungen zwischen Klimawandel, Umweltfaktoren und der Gesundheit von Menschen mit Diabetes und machte deutlich, dass nachhaltiges Handeln auch ein Beitrag zur Prävention und Lebensqualität ist. Hitze, Luftverschmutzung, Extremwetterereignisse, aber auch das Ernährungsverhalten spielen dabei eine entscheidende Rolle. Eindrücklich veranschaulichte Dr. Hein den aktuellen Zustand des Weltklimas und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit. Besonders motivierend war, dass bereits kleine Verhaltensänderungen eines jeden Einzelnen einen spürbaren Beitrag zum Klima- und Gesundheitsschutz leisten können.
Dr. Friedrich W. Petry, Diabetologe im Zentrum für angewandte Diabetologie in Wetzlar, beleuchtete in seinem Impulsvortrag "Realitätscheck – Nachhaltige Diabetestherapie" die ökologischen Auswirkungen der Diabetestherapie, insbesondere das hohe Abfallaufkommen durch Einwegprodukte und Verpackungen. Er präsentierte Ergebnisse einer eigenen Studie, die unterstreicht, welche Potenziale im Abfallmanagement bestehen und welche Schritte nötig sind, um Ressourcen zu schonen, ohne die Qualität der Versorgung zu gefährden. Für ihn gelingt Nachhaltigkeit in der Diabetestherapie nur, wenn alle Beteiligten, angefangen bei den Betroffenen über die Industrie und Politik bis hin zu Praxen und Diabetesteams, gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Spannender Dialog
Für das eigentliche WorldCafé wurden die Teilnehmenden in drei Gruppen eingeteilt, die nacheinander drei thematische Stationen besuchten – jeweils moderiert und begleitet von erfahrenen Fachkräften. Unter dem Motto "Nachhaltig gut beraten – ressourcenschonend handeln!" wurden in den drei 45-minütigen Diskussionsrunden Ideen gesammelt, Erfahrungen ausgetauscht und praxisnahe Lösungsansätze entwickelt. Dabei entstand ein reger Dialog über folgende Themen:
- Ressourcensparendes Handeln in Praxis und Klink
- Ressourcenschonendes Selbstmanagement der Menschen mit Diabetes
- Klimawandel – Auswirkungen auf Patient:innen und Behandler:innen
Am Ende eines nachhaltigen und diskussionsreichen Tages waren alle Beteiligten erfüllt und motiviert, die Erkenntnisse aus dem WorldCafé mit nach Hause zu nehmen und im beruflichen Alltag einzubringen und umzusetzen. Das spiegelte sich auch in dem positiven Feedback der Teilnehmenden im Nachgang an die Veranstaltung wider, die von Grünenthal GmbH und Sanofi-Aventis Deutschland GmbH finanziell unterstützt wurde.
Das WorldCafé in Essen hat gezeigt, wie groß das Interesse und Engagement für mehr Nachhaltigkeit in der Diabetesberatung ist. Die Kombination aus fachlichem Input, kreativem Austausch und praxisnahen Lösungsansätzen machte deutlich, dass nachhaltiges Handeln in der Beratungspraxis sowohl notwendig als auch möglich ist. Mit dieser Veranstaltung setzte die VDBD AKADEMIE ein Zeichen für mehr Bewusstsein, Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Diabetesversorgung.
1. Ressourcensparendes Handeln in Praxis und Klink etablieren oder verbessern
- Jede:r kann selbst einen Beitrag leisten – Eigenverantwortung
- Mülltrennung durch Mülleimer mit mehreren Segmenten
- Energie sparen z. B. durch Bewegungsmelder, energieeffiziente Geräte
- Material sparen z.B. Handschuhe nur bei Bedarf – oft reicht Desinfektion
- Papier sparen durch digitale Infos, QR-Codes, E-Mails, Terminkarten mehrfach nutzen
- Arbeitswege mit (Job-)Rad oder Fahrgemeinschaften bilden
- nachhaltige Ideen mit dem Team entwickeln
2. Ressourcenschonendes Selbstmanagement der Menschen mit Diabetes verbessern
- Digitalisierung: QR-Codes, ePa, Padlets, Medflex, Videosprechstunde
- Ernährung: vollwertig, pflanzenbetont, regional, Bio, wenig Fleisch/Fertigprodukte
- Einkauf und Entsorgung: regional, eigene Taschen, Mülltrennung
- Diabetesbedarf: Smart-Pens, Medikamentenspenden, Handschuhe sparen
- Bewegung: Zu Fuß oder mit dem Fahrrad statt Auto
- Pharma: Recycling ansprechen, mehr Infos zu Recycling, kleinere Packungen
- Kassen/Arbeitgeber: Mehr Beratungszeit, Nachhaltigkeitsstrategie, Vorbildrolle
- VDBD: Infos zu nachhaltigem Handeln
- Politik: Zuckersteuer, gesunde Mehrwertsteuer, kostenloser ÖPNV, Ausbau von Rad- und ÖPNV-Infrastruktur
3. Klimawandel und Hitze – Auswirkungen auf Patient:innen und Behandler:innen optimieren
- Wasser & Trinkbrunnen bereitstellen, Räume kühlen, Termine anpassen, Pausen fürs Trinken, Schulungen aktualisieren, Notfallausrüstung prüfen
- Hilfsmittel vor Sonne schützen, nah am Körper tragen, Temperatur beachten, Pflaster fixieren, optimale Lieferketten mit Industrie besprechen.
- Früh lüften, viel trinken, leicht essen, im Schatten bleiben
- Dehydratation beachten (v. a. Diuretika, SGLT2i, Metformin), "Hot Day Rules" nötig, Insulin kühl lagern, Blutzuckerschwankungen beachten
- Notfalltasche bereithalten, regelmäßig prüfen, Versorgungsnetzwerk aufbauen
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Erschienen in: Diabetes-Forum, 2025; 37 (6) Seite 38-40
