Mexikanische und deutsche Wissenschaftler haben Studien über den Zusammenhang des Prolaktin-Spiegels und der metabolischen Gesundheit bzw. der Entstehung von Diabetes analysiert und interpretiert. Als Konsequenz dieser Analysen wird eine neue Einteilung der Prolaktin-Spiegel für Patienten vorgeschlagen, welche als „metabolische Klassifikation der Prolaktin-Spiegel“ bezeichnet wird.

Lange wurde angenommen, dass das Hypophysenhormon Prolaktin, welches eine fundamentale Rolle in der Laktation spielt und deshalb auch „Stillhormon“ genannt wird, die Entstehung von Diabetes begünstigt. Diese Sichtweise entstand durch die Arbeiten des argentinischen Physiologen Bernardo Houssay, der davon ausging, dass alle Hormone des vorderen Hypophysenlappens diabetogen sind. Für diese Arbeiten erhielt Bernardo Houssay 1947 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

Die Annahme, dass Prolaktin diabetogen ist und das hohe Prolaktin-Spiegel sich nachteilig auf den Metabolismus auswirken, besaß bis vor kurzem Gültigkeit. Tatsächlich ist es so, dass exzessiv hohe Prolaktin-Spiegel, wie zum Beispiel bei Patienten mit einem prolaktinproduzierenden Hypophysentumor, oder sehr niedrige Prolaktin-Spiegel, mit Gewichtszunahme, Übergewicht, dem Metabolischen Syndrom und Typ-2-Diabetes mellitus assoziiert sind. Prolaktin-Spiegel im hoch-normalen und niedrigen hyperprolaktinämischen Bereich sind allerdings mit metabolischer Gesundheit assoziiert. Dies wurde in zahlreichen epidemiologischen Studien gezeigt und wird durch Ergebnisse aus experimentellen Modellen für Fettleibigkeit, Insulinresistenz und Diabetes in Tieren gestützt.

Neue Einteilung mit Empfehlung zur Berücksichtigung bei zukünftige Studien

Mexikanische und deutsche Wissenschaftler von dem Institut für Neurobiologie der Nationalen Universität Mexikos (UNAM) und des Klinikums Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg haben diese Studien analysiert und interpretiert. Als Konsequenz dieser Analysen wird eine neue Einteilung der Prolaktin-Spiegel für Patienten vorgeschlagen, welche als „metabolische Klassifikation der Prolaktin-Spiegel“ bezeichnet wird. Die Autoren stellten fest, welche Prolaktin-Spiegel die metabolische Gesundheit beeinflussen und empfehlen die Berücksichtigung dieser Prolaktin-Spiegel in Studien zu metabolischen Erkrankungen, wie beispielsweise Typ-2-Diabetes. Es wird vermutet, dass Prolaktin-Spiegel im hoch-normalen und niedrig hyperprolaktinämischen Bereich (bis zu 100 µg/L) nicht nur mit metabolischer Gesundheit assoziiert sind, sondern sogar dazu dienen könnten die metabolische Homöostase aufrechtzuerhalten und der Entwicklung von Typ-2-Diabetes entgegenzuwirken.

„Patienten mit hohen Prolaktin-Spiegeln werden oft aus Untersuchungen zu Typ-2-Diabetes und Prolaktin ausgeschlossen, wohingegen es genau diese Patienten sind, welche genauer untersucht werden sollten“ erläutert Dr. Jakob Triebel, einer der Autoren der Studie. „Der Ausschluss von Patienten mit erhöhten Prolaktin-Spiegeln stellt eine Selektionsverzerrung dar und sollte vermieden werden“, erklärt er weiter.

Fragen nach verantwortlichen Faktoren und Regulationsmechanismen

Gemäß den Autoren sind die wesentlichen Fragen, die durch die Studie aufgeworfen werden, die Identifikation der unbekannten Faktoren, welche für erniedrigte Prolaktin-Spiegel in Patienten mit metabolischen Erkrankungen verantwortlich sind, sowie die Entdeckung von Mechanismen zur Regulierung der Prolaktin-Spiegel in Personen ohne metabolische Erkrankungen. Die Studie erscheint in der Fachzeitschrift „Trends in Endocrinology and Metabolism“ und wurde am 7. Februar 2020 online publiziert.


Quelle: Pressemitteilung von Paracelsus, Medizinische Privatuniversität, Standort Nürnberg