Die Globale Plattform zur Prävention des autoimmunen Diabetes (GPPAD) erforscht Ansätze zur Primärprävention des Typ-1-Diabetes. Im Rahmen des Freder1k-Screenings werden Neugeborene mit erhöhtem genetischem Risiko für die Entwicklung von Inselautoantikörpern identifiziert. Diese Kinder können anschließend an Präventionsstudien teilnehmen.

GPPAD hat europaweit bereits über 600 000 Kinder auf ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes gescreent. Ziel aller GPPAD-Studien ist es, die Inzidenz von Inselautoimmunität und Typ-1-Diabetes bei Kindern zu senken. Dafür arbeiten klinische Forschungsstandorte in Belgien (Leuven), Deutschland (Dresden, Hannover, München), Italien (Mailand), Polen (Warschau), Schweden (Malmö), dem Vereinigten Königreich (Oxford, Cambridge, Newcastle) und Österreich (Wien) zusammen.

Ergebnisse der bereits abgeschlossenen POInT-Studie wurden Ende 2025 im Fachjournal The Lancet veröffentlicht [1]. Aktuelle besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an der AVAnT1A Studie.

POInT: Orales Insulin zur Prävention von Typ-1-Diabetes

POInT (Primary Oral Insulin Trial) ist die erste randomisierte, kontrollierte Studie, die untersucht, ob die tägliche Gabe von Insulinpulver die Bildung von Inselautoantikörpern bei Kindern mit erhöhtem genetischem Risiko verzögern oder verhindern kann. Grundlage ist das Prinzip der oralen Immuntherapie, das sich bereits bei Nahrungsmittelallergien bewährt hat: Die Gabe von Insulin über die Mukosa soll regulatorische T-Zellen stimulieren, die immunologische Toleranz fördern und Betazellen vor Zerstörung schützen.

Seit dem Studienstart 2017 wurden 1050 Kinder im medianen Alter von sechs Monaten in fünf europäischen Ländern eingeschlossen. Sie wurden im Median 2,5 Jahre behandelt und bis zu einem Alter von maximal 6,9 Jahren mehrfach auf Autoantikörper getestet. In der Insulingruppe kam es bei 52 Kindern (10 Prozent) zur Bildung von zwei oder mehr Inselautoantikörpern, in der Placebogruppe bei 46 Kindern (9 Prozent).

Ergebnisse unterstreichen Personalisierung der Prävention

Die Behandlung mit oralem Insulin konnte das Auftreten von Inselautoimmunität nicht verhindern. Dennoch zeigten sich Hinweise auf einen krankheitsmodifizierenden Effekt. So war eine orale Insulingabe bei Kindern, die Inselautoantikörper entwickelt hatten, mit einer Verzögerung der Typ-1-Diabetes-Progression assoziiert. Auch bei Kindern mit Risikovarianten des Insulin-Gens deuteten die Daten auf verzögerten Erkrankungsbeginn hin: Kinder mit dem risikoassoziierten INS-rs1004446-Genotyp entwickelten in der Insulingruppe seltener einen klinischen Typ-1-Diabetes als in der Placebogruppe. Die Forschenden leiten daraus ab, dass künftige Präventionsansätze stärker personalisiert werden sollten. In der GPPAD-Follow-Up-Studie werden die Kinder nun bis zum Alter von zwölf Jahren weiterbeobachtet, um langfristige Effekte der oralen Insulintherapie zu untersuchen.

AVAnT1A-Studie – Frühkindliche Virusinfektionen in Zusammenhang mit Typ-1-Diabetes

Während der COVID-19-Pandemie machten die Forschenden von GPPAD eine wichtige Beobachtung: Kinder mit einem erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes entwickelten nach einer durchgemachten Infektion mit SARS-CoV-2 in den ersten 18 Lebensmonaten häufiger Inselautoantikörper. Daher untersucht die AVAnT1A-Stduie (Antiviral Action against Type 1 Diabetes Autoimmunity), ob eine SARS-CoV-2-Impfung ab dem Alter von sechs Monaten die Entstehung von Inselautoantikörpern reduzieren kann. Zusätzlich erfassen die Forschenden Viruskontakte systematisch über umfangreiche Speichel- und Stuhlproben, um den Zusammenhang zwischen frühen Virusinfektionen und der Entstehung von Inselautoimmunität besser zu verstehen.

An der randomisierten, kontrollierten Studie können Kinder mit erhöhtem genetischem Risiko für Typ-1-Diabetes teilnehmen. Die teilnehmenden Kinder werden über mehrere Jahre engmaschig nachverfolgt, um die Progression von genetischer Prädisposition über frühe Autoimmunität bis hin zur möglichen klinischen Manifestation (Stadium 3) zu dokumentieren.

Freder1k-Hotline
Bei Fragen können Sie sich per Mail an contact@gppad.org oder telefonisch an unsere Freder1k-Hotline wenden: 0800 000 00 18

Wer kann teilnehmen?

Ob ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes besteht, wird im Freder1k Neugeborenen-Screening getestet. Das Screening wird in Bayern, Sachsen, Niedersachsen und Thüringen bevölkerungsweit angeboten. Zudem können bundesweit Kinder getestet werden, die Verwandte mit Typ-1-Diabetes haben. Am Screening können Kinder bis zur achten Lebenswoche in der Kinderarztpraxis oder der Geburtsklinik teilnehmen. Ein Tropfen Blut aus der Ferse oder der Nabelschnur reicht hierfür aus. In diesem können Forschende bestimmte Genvarianten nachweisen, die mit einem erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes verbunden sind.


→Literatur
1. Ziegler A, Achenbach P, Weiß A et al. (2025) Efficacy of once-daily, high-dose, oral insulin immunotherapy in children genetically at risk for type 1 diabetes (POInT): a European, randomised, placebo-controlled, primary prevention trial. Lancet 406:2564-2576
2. Ziegler A, Zillmer S: Primärprävention: Diabetes Typ 1: Wie ist der Stand der Insulinimpfung? (2015) Dtsch Arztebl International https://doi.org/10.3238/PersDia.2015.10.23.03

Autorin:
© Lena Schwenker
Lena Schwenker, M. Sc.
Institut für Diabetesforschung / COMS, Helmholtz Munich


Erschienen in: Diabetes-Forum, 2026; 38 (4) Seite 16-17