Jede achte Frau hierzulande erkrankt in ihrem Leben an Brustkrebs. Nach der Primärtherapie aus Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie folgt häufig eine mehrjährige Antihormontherapie. Diese katapultiert die betroffenen Frauen schlagartig in die Menopause und erhöht das Risiko für einen Typ-2-Diabetes.

Rund siebzig bis achtzig Prozent der Frauen mit einem Mamma-Karzinom haben einen hormonrezeptor-positiven (HR-positiven) Tumor. Therapiebestandteil ist nach der Primärtherapie eine mehrjährige Antihormontherapie. Diese wird je nach Tumorprofil für fünf, sieben oder zehn Jahre verordnet. Tamoxifen kommt hier in der Regel zum Einsatz, wenn die betroffene Frau vor der Krebsdiagnose noch nicht in der Peri- oder Post-Menopause war. Frauen ab der Meno- oder Post-Menopause erhalten meistens eine medikamentöse Therapie mit Aromatasehemmern (z.B. Anastrozol, Letrozol oder Exemestan). Beide Medikamentengruppen sind mit einer Fülle an sehr herausfordernden Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen, auch nach Ende der Therapie verbunden. Auf Grund der Schwere der Nebenwirkungen dieser Medikamente liegt die Abbruchrate bei bis zu fünfzig Prozent. Doch es macht Sinn, dabei zu bleiben, zum Schutz vor einem möglichen Rezidiv. Ebenfalls mit zur Therapie gehört ein gesunder Lebensstil: möglichst ohne Alkohol, Nichtrauchen und regelmäßige Bewegung. Diese Therapie-Empfehlungen können die Nebenwirkungen der Antihormontherapie lindern und aktiv dazu beitragen mögliche Rezidivrisiken so gering wie möglich zu halten.

Risiko für Typ-2-Diabetes steigt

Was lange bei der Antihormontherapie außer Acht gelassen wurde, ist ein erhöhtes Risiko an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Insbesondere bei der Einnahme von Tamoxifen. Dies ist das Ergebnis einer großen Übersichtsarbeit und Metaanalyse, in der das Auftreten von Typ-2-Diabetes bei Brustkrebs untersucht wurde (abrufbar im Internet unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10504120/). In zehn Studien wurde von einem erhöhten Typ-2-Diabetes-Risiko nach Chemotherapie oder Antihormontherapie berichtet. In fünf Studien zeigte sich, dass Frauen nach Brustkrebs mit einer Antihormontherapie ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Typ-2 Diabetes hatten. Insbesondere unter der Einnahme von Tamoxifen, lag die Inzidenz höher. Ob eine Chemotherapie und/oder die Einnahme von Aromatasehemmern ebenfalls das Typ-2-Diabetes Risiko erhöht, wurde nicht eindeutig geklärt. Dazu sind weitere Untersuchungen nötig. Es ist wichtig und sinnvoll - neben der Brustkrebs-Nachsorge - die Blutzuckerwerte der betroffenen Frauen ein- bis zweimal jährlich zu prüfen.

Prophylaxe: Bewusst Essen und regelmäßig bewegen

Empfehlenswert ist es betroffene Frauen darüber aufzuklären. Insbesondere wenn die Patientin übergewichtig ist oder durch die Antihormontherapie und der damit verbundenen Menopause an Gewicht zugelegt hat. Auch ein inaktiver Lebensstil sowie einseitige, ungesunde Ess-Gewohnheiten können das Risiko für einen Typ-2-Diabetes hier noch einmal mehr forcieren. Wichtig ist es die Frauen zu motivieren aktiv zu werden: neben Alltagsbewegung kombiniert mit einem Mix aus Kraft- und Ausdauersport von mindestens zweieinhalb bis drei Stunden pro Woche. Ferner ist der Verzicht auf Alkohol immens wichtig, ebenso wie Nichtrauchen. Eine ballaststoffreiche Lebensmittelauswahl sowie überwiegend frisch und selbst kochen helfen aktiv dabei den Blutzucker in Balance zu halten. Welche Aspekte beim Essen hier sonst wichtig und sinnvoll sind, lesen Sie im Beitrag "Wechseljahre und Diabetes: Essen im Wandel". Mit den nötigen Lebensstil-Interventionen und einer halb- oder jährlichen Kontrolle der Blutzuckerwerte lässt sich das Risiko für einen Typ-2-Diabetes im Sichtfeld behalten und rechtzeitig therapieren.


Autor:
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Kirsten Metternich von Wolff
Diätassistentin/DKL, DGE
Fon: 02234- 916541


Erschienen in: Diabetes-Forum, 2026; 38 (1) Seite 14-15