Die Zunahme chronisch entzündlicher Erkrankungen hat den Fokus auf Lebensstiländerungen gelenkt. Neben konventionellen Therapien sind Stressmanagement, Bewegung und antientzündliche Ernährung wichtige Behandlungsbestandteile, die Betroffene selbst in die Hand nehmen können.

Entzündungen sind kurzfristige oder langfristige Reaktionen des körpereigenen Abwehrsystems, die zu Schwellungen und Schmerzen führen können. Kurzfristige Entzündungen als Reaktion auf Bakterien, Viren oder beispielsweise einen Splitter in der Haut, klingen oft selbstständig oder durch die Gabe eines Antibiotikums rasch wieder ab. Chronische Entzündungsprozesse können lange unbemerkt verlaufen oder ständig Beschwerden verursachen. Entzündliche rheumatische Erkrankungen und viele weitere, häufig durch Autoimmunreaktionen ausgelöste Krankheitsbilder wie Typ-1-Diabetes, Hashimoto Thyreoditis, Zöliakie, Psoriasis und Morbus Crohn sind nur einige geläufige Beispiele.

Wie kann Essen Entzündungen beeinflussen?

Das Prinzip der antientzündlichen Ernährung beruht auf der Erkenntnis, dass Lebensmittel, je nach Auswahl mehr oder weniger Stoffe enthalten, die Entzündungen fördern oder ihnen entgegenwirken können. Ein wesentlicher "Entzündungstrigger" ist die Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure), die in Fleisch und Fleischprodukten, sowie stark verarbeiteter Industrienahrung in viel zu hohen Mengen enthalten ist. Schweinefleisch und daraus hergestellte Produkte sind diesbezüglich schon lange im Verruf. Jedoch auch das Fleisch anderer Tiere, einschließlich Geflügel und die entsprechenden Verarbeitungsprodukte liefern Arachidonsäure. Wobei die Brust von Huhn und Pute weniger Arachidonsäure enthält als beispielsweise Geflügelinnereien sowie Keulen. Dazu kommt die Aufnahme von gesättigten und Transfettsäuren, die reichlich in verarbeiteten Lebensmitteln wie zum Beispiel Fertiggerichten, Convenience Food, Fast Food und frittierten Speisen zu finden sind. Die Auswahl falscher Koch- und Streichfette mit einem hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren wie beispielsweise Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Sojaöl und daraus hergestellte Margarinesorten sorgt für eine weitere Erhöhung der Aufnahme von Arachidonsäure. Zucker, zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten sowie Produkte aus Weißmehl und Alkohol verändern das Darmmikrobiom nachhaltig und forcieren so entzündliche Prozesse. Eine achtlose Zusammenstellung des Speiseplans mit den oben genannten Produkten führt dazu, dass der Organismus trotz reichlich Energie-Input nicht mit sämtlichen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt ist und so vermehrt entzündliche Reaktionen ausgelöst werden können.

Welche diätetischen Faktoren wirken antientzündlich?

Als Basis gilt das Prinzip der vollwertigen Ernährung auf der Grundlage des aktuellen Ernährungskreises der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE. Der hiermit empfohlene Verzehr von überwiegend pflanzlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln gewährleistet eine ausreichende Aufnahme von Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen, sowie eine Auswahl an Fetten, die den Körper mit essenziellen Fettsäuren versorgen. Der Anteil an Fleisch und Fleischprodukten ist zugunsten von Hülsenfrüchten und Salzwasserfischen deutlich reduziert. Milchprodukte und Eier tragen zu einer guten Versorgung mit Eiweiß bei. Ballaststoffe fördern das Wachstum erwünschter Darmbakterien, welche für die Bildung eines gesunden Darmmikrobioms sorgen. Vitamine und Mineralstoffe unterstützen zahlreiche Stoffwechselvorgänge, sind Bestandteile von Enzymen und wirken antioxidativ. Sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide, Capsaicin oder Sulfide wirken ebenfalls antioxidativ, schmerzlindernd oder antibakteriell. Die Gesamtheit dieser Stoffe ist enthalten in Vollkornprodukten wie Vollkornbrot, Vollkornnudeln, ungeschälter Reis, Hafer, Buchweizen und Hirse. Des Weiteren in Hülsenfrüchten, Gemüse, Salat, Rohkost, in Obst, Nüssen ohne Zusätze, frischen Kräutern und Gewürzen.

Entscheidend ist die Wahl passender Fette

Wichtig in Bezug auf entzündliche Prozesse im Körper ist die Auswahl der richtigen Fette und damit der entzündungshemmenden Fettsäuren. Ungünstig, weil entzündungsfördernd ist die in Fleisch und Geflügel vorkommende Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure). Für die Praxis heißt das Fleischportionen und Fleischmahlzeiten sowie den Verzehr daraus hergestellter Produkte stark einzuschränken. Die Empfehlung liegt hier bei 300 Gramm Fleisch inklusive Wurst pro Woche. Alternativ besteht die Option, komplett auf Fleisch zu verzichten. Öle in denen das Verhältnis von Linolsäure (Omega-6-Fettsäure) zu Alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure) ungünstig ist, wie beispielsweise Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Sojaöl, Traubenkernöl und Distelöl empfiehlt es zu reduzieren oder hier besser zu meiden. Stattdessen bieten sich Öle mit einem optimalen Fettsäuremuster, wie Raps-, Oliven- oder Lein-Öl mit ihren hohen Gehalten an einfach ungesättigten Fettsäuren an. Besonders gut ist der Verzehr der Eicosapentaensäure (Omega-3-Fettsäure) die in fetthaltigen Salzwasserfischen wie Heilbutt, Hering, Lachs, Makrele, Sardine, Thunfisch in besonders hohen Konzentrationen vorkommt. Hier punktet ebenfalls Algenöl. Die regelmäßige Aufnahme dieser Fettsäure über die genannten Öle, wirkt entzündlichen Prozessen besonders gut entgegen.

Prä- und Probiotische Lebensmittel
Diese Produkte oder Inhaltsstoffe haben positive Wirkungen auf Darmbakterien und damit verbunden die Darmgesundheit. Als Bestandteile in Nahrungsmitteln gibt es sie als Inulin, Fructose-Oligosaccharide, Galakto-Oligosaccharide, Beta-Glucan, Pektin, resistente Stärke. Aus dem Bereich der sekundären Pflanzenstoffe in Form von Catechinen (grüner und Matcha Tee), Flavonolen (ungezuckertes Kakaopulver,) sowie als Tannine aus schwarzem Tee. Präbiotische Lebensmittel z. B.
  • Lauch
  • Chicorée
  • Artischocken
  • Schwarzwurzeln
  • Zwiebeln & Knoblauch
  • Topinambur
  • Mais
  • Bananen
  • Beerenobst
Präbiotika
  • Vollkorngetreide
  • Hülsenfrüchte
Präbiotika natürliche Zugaben
  • Flohsamenschalen
  • Leinsamen
  • Akazienfasern
  • Weizenkleie
  • Haferkleie
  • Pektin
Probiotika Sind lebende Mikroorganismen, zum Beispiel Milchsäurebakterien, die sich im Darm ansiedeln. Probiotische Lebensmittel z. B.
  • Kefir
  • Stichfester Naturjoghurt
  • Kimchi – scharfer milchsauer vergorener Chinakohl
  • Milchsauer vergorene Bohnen
  • Fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut, Mixed Pickles
  • Kombucha

Weniger Kuhmilch zugunsten von Joghurt und Co

Milch und Milchprodukte sind wichtig für die tägliche Eiweiß- und Calciumaufnahme. Im Hinblick auf entzündliche Prozesse ist es empfehlenswert den Konsum von Kuhmilch einzuschränken oder komplett zu meiden.

Alternativen sind Drinks aus pflanzlichen Quellen, wie Soja- oder Mandel-Drinks. Joghurt, Buttermilch, Kefir sowie Käse können täglich in moderaten Portionen verzehrt werden. Gesäuerte Milchprodukte, ebenso wie milchsauer vergorenes Gemüse sind wichtig für die Bildung eines gesunden Darmmikrobioms.

Die Versorgung mit Vitamin D, Vitamin E, Selen und Eicosapentaensäure ist teilweise über die tägliche Lebensmittelauswahl nicht ausreichend. In solchen Fällen kann Supplementierung infrage kommen. Insgesamt gelten die Grundsätze der mediterranen Form der pflanzenbasierten Ernährung mit regelmäßig Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch, gesäuerten Milchprodukten, Nüssen, etwas Obst, frischen Kräutern und hochwertigen Pflanzenölen.

Empfehlungen für den täglichen Speiseplan

Täglich drei Portionen Gemüse/Salat/Rohkost. Am Abend wird gedünstetes Gemüse oft besser vertragen. Ein bis zwei Handportionen frisches Obst, bevorzugt wasserreiche Früchte wie Beerenobst pro Tag. Bei der Auswahl von Obst und Gemüse auf Saisonalität und Regionalität achten. Dies gewährleistet eine bessere Nährstoffdichte und schont zudem die Umwelt.

Ausreichend Omega-3-Fettsäuren aus fettreichen Salzwasserfischen wie Lachs, Hering, Makrele sowie Omega-3-reiche Öle wie Leinöl, Algen-, Oliven- oder Raps-Öl gehören auf den Speisezettel.

Wenig Fleisch, Wurst sowie Fleischprodukte (max. 300 g/Woche). Besonders reich an der entzündungsfördernden Arachidonsäure ist fettes Fleisch. Proteine aus Fisch, etwas Fleisch, Eiern, Nüssen, Hülsenfrüchten und Milchprodukten, jedoch keine Kuhmilch sind zu empfehlen. Zucker und Weißmehlprodukte sowie daraus hergestellte Fertigprodukte stark einschränken oder meiden. Auch Zuckerersatzstoffe wie Erythrit, Sorbit, Xylit sowie klassische Süßstoffe können zu Beschwerden führen, dies sollte getestet werden. Beim Abbau dieser Stoffe können körperliche Entzündungstrigger aktiviert werden. Es gilt Vollkornprodukte zu bevorzugen. Ebenfalls wichtig sind prä- und probiotische Lebensmittel, die regelmäßig auf dem Speiseplan stehen sollten (siehe Kasten).

Reichlich Ballaststoffe, sparsam bei Genussmitteln

Neben einer bewussten Auswahl an prä- und probiotischen Lebensmitteln empfiehlt es sich auf ausreichend Ballaststoffe zu achten.

Für Menschen mit Diabetes wird eine tägliche Menge von 40 Gramm seitens der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), empfohlen. Um diese Menge täglich zu erfüllen, kann es hilfreich sein, neben frischem Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten geschroteten Leinsamen oder Flohsamen zu konsumieren. Je Esslöffel ist es wichtig mindestens eine Glas Wasser oder ungesüßten Tee (je 200 ml) zusätzlich zu trinken. So ermöglicht es den Ballaststoffen ihre Funktionen im Darm zu erfüllen.

Zum Kochen bieten sich frische Kräuter und Gewürze mit entzündungshemmenden Stoffen wie Kakao, Zimt, Ingwer und Kurkuma an.

Genussmittel wie Alkohol und Süßigkeiten gilt es so gut es geht zu meiden. Kaffee wird in Maßen empfohlen. Ferner ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D, Vitamin E, Selen und Eicosapentaensäure wichtig. Hier kann es, je nach Ernährungsgewohnheiten, individuell sinnvoll sein gegebenenfalls zu substituieren. Insgesamt sind die Empfehlungen für antientzündliches Essen als langfristige Kost gedacht und es braucht seitens der Patientinnen und Patienten Geduld, bis physische Verbesserungen und Veränderungen sicht- und spürbar werden.


Autor:
© privat
Undine Sacherer
Diätassistentin, DKL/DGE
Laubengäßle 3, 77948 Friesenheim

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Erschienen in: Diabetes-Forum, 2026; 38 (1) Seite 16-18