Die Schulung für Menschen mit Typ-2-Diabetes sollte eigentlich primär beim Hausarzt erfolgen. Dies passiert allerdings immer seltener. Was sind die wesentlichen Gründe hierfür?
Lassen wir erst die Fakten sprechen: Aktuell liegt die Zahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland laut dem letzten Gesundheitsbericht Diabetes 2026 bei mindestens 9,3 Millionen. 96 % aller an Diabetes erkrankten Personen sind demnach an Typ-2-Diabetes erkrankt – ohne die zusätzlichen 1,9 Millionen Personen mit Typ-2-Diabetes, die noch nichts von ihrer Diagnose wissen und damit auch nicht geschult werden können [1]. Die Zahl korrespondiert auch gut mit den Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), wonach ca. 11–12 % der Erwachsenen einen Diabetes haben [2].
Jedes Jahr werden 450 000 Neuerkrankungen von Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Das mittlere Alter bei der Diagnose liegt bei Männern bei 61,0 ± 13,4 Jahren und bei Frauen bei 63,4 ± 14,9 Jahren. Das bedeutet, dass rund die Hälfte aller Menschen mit Typ-2-Diabetes noch während ihres Erwerbslebens erkrankt. Aufgrund der relativ langen Lebenserwartung besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Folgeerkrankungen. Im Vergleich zu Menschen ohne Typ-2-Diabetes sind Personen mit dieser Erkrankung außerdem durchschnittlich 2,6 Jahre weniger im Arbeitsleben aktiv, was einen bedeutsamen Produktivitätsverlust darstellt [3].
Die Schulung der ca. 6 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulinbehandlung sollte insgesamt primär beim Hausarzt stattfinden. Auch die Schulung von Patientinnen und Patienten mit einer oral unterstützten Basalinsulintherapie (BOT-Therapie) sollte zum Therapiebeginn im Hausarztsetting durchgeführt werden. Erst bei der intensivierten Insulintherapie und bei Typ-1-Diabetes ist vordringlich die diabetologische Schwerpunktpraxis (DSP) gefragt.
Betreuung durch 66 100 Hausärztinnen und Hausärzte
In Deutschland werden Menschen mit Typ-2-Diabetes – Stand 2024 – von etwa 66 100 Hausärztinnen und Hausärzten betreut, wie aus den aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervorgeht [4]. Rein rechnerisch ist eine Hausärztin bzw. ein Hausarzt im Durchschnitt für 1 264 Einwohner verantwortlich. Die Versorgung variiert jedoch je nach Bundesland, wie das Statistische Bundesamt angibt. In Brandenburg (1 436), Bremen (1 369) und Niedersachsen (1 356) kamen überdurchschnittlich viele Menschen auf eine Hausärztin bzw. einen Hausarzt. In Bayern lag der Wert mit 1 114 Patientinnen und Patienten pro Hausarzt bundesweit am niedrigsten, gefolgt von Hamburg (1 118) und Mecklenburg-Vorpommern (1 149) [5].
139 Menschen mit Diabetes in einer durchschnittlichen Hausarztpraxis
Bei einer angenommenen Typ-2-Diabetesprävalenz von 11 % werden in einer Einzelpraxis eines Hausarztes, die mit einem Anteil von 67,5 % immer noch die häufigste Praxisform bei Hausärzten darstellt, durchschnittlich 139 Personen mit Diabetes betreut [6]. Dies ist nur eine grobe Schätzung, die jedoch als Anhaltspunkt für die Abschätzung der Schulungshäufigkeit dienen kann. Rein statistisch beträgt die Anzahl der neu an Typ-2-Diabetes erkrankten Personen, die entsprechend den Leitlinien unmittelbar nach der Diabetesmanifestation eine Diabetesschulung angeboten bekommen sollten, im Mittel etwa sieben Personen pro Jahr. Geht man davon aus, dass diese nicht alle schulungsfähig sind (z. B. wegen hohen Alters oder großer Entfernung zur Praxis) oder die Schulung ablehnen, so sind ca. vier bis fünf Personen pro Praxis eine viel zu geringe Anzahl möglicher Teilnehmer für eine strukturierte Diabetes-Gruppenschulung, die sich auch wirtschaftlich für eine einzelne Hausarztpraxis lohnt.
Früher: Praxenübergreifende Schulungsvereine
Da die geringe Zahl von schulungsfähigen Personen pro Praxis schon früher als wesentliche Einschränkung für eine zeitnahe Diabetesschulung erkannt wurde, kam in den 1990er Jahren die Idee auf, dass sich Hausärzte zu Schulungsvereinen zusammenschließen, um die Schulungen regional und praxisübergreifend zu ermöglichen. Ein Pionier dieses Ansatzes war der Diabetologe Prof. Dr. Hellmuth Otto (1925–2004), der eine Arbeitsgemeinschaft für ambulante Schulung und Schulungsvereine ins Leben rief [7]. Dies erfolgte zeitgleich mit der Entwicklung diabetologischer Schwerpunktpraxen, die sehr oft in diese Strukturen eingebunden waren und ihre Schulungsräume sowie teilweise auch das Schulungspersonal zur Verfügung stellten.
Abb. 1: Antworten auf die Frage "Wie wichtig halten Sie die Gruppenschulung bei Typ-2-Diabetes?" (n=59 Hausärzte).
Das Engagement für die Diabetesschulung lebte von Anfang an vom persönlichen Einsatz aller Beteiligten und ließ sich nur dort umsetzen, wo ein konkurrenzfreies Miteinander der Hausärzte in einer Region vorhanden war. Ansonsten war die Sorge zu groß, dass der Patient nach einem "Feindflug in die andere Praxis" nicht zurückkehrt oder er von der Schulungskraft andere Therapieempfehlungen erhält als in der eigenen
Praxis.
Mit Schulungsvereinen ließen sich keine großen Gewinne erzielen, dahingegen war der organisatorische Aufwand beträchtlich: Die Gründung und Organisation eines Vereins, die praxenübergreifende Organisation der Schulungen, wasserdichte Verträge mit den Schulungskräften, um dem Verdacht der Scheinselbstständigkeit zu entgehen, Abrechnungen mit der KV, den Schulungskräften und den beteiligten Praxen. All dies war sehr aufwendig, weshalb sich diese Idee über die Jahre nicht durchsetzen konnte. Von Jahr zu Jahr schwand die Anzahl der aktiven Schulungsvereine – aktuell ist mir persönlich kein einziger aktiver in Deutschland bekannt.
Überweisung zur Schulung in die diabetologische Schwerpunktpraxis?
Wenn Schulungsvereine nicht mehr funktionieren, die Mehrzahl aller Menschen mit Typ-2-Diabetes jedoch bei dem Hausarzt in Betreuung sind und diese entsprechend den Leitlinien und den DMP-Anforderungsrichtlinien ein Recht auf eine Patientenschulung haben, bleiben für DMP-konforme Schulungen entsprechend den Anforderungen der DMPs nur zwei Lösungen:
a) Die Hausarztpraxis schult selbst oder b) es erfolgt eine Überweisung nur zur Schulung in die DSP."Was soll ich denn noch alles machen?"
Zu der ersten Frage hatten wir letztes Jahr in der Medical Tribune (4/2025) Hausärzte nach ihrer Meinung zur Schulung bei Typ-2-Diabetes gefragt. Geantwortet hatten 59 Hausärztinnen und Hausärzte aus 15 KV-Bezirken. Im Mittel waren die Befragten 52 Jahre alt, 51% arbeiteten in einer Einzelpraxis, 37% in einer Gemeinschaftspraxis und jeweils 6 % in einer Praxisgemeinschaft oder MVZ. Gefragt nach der Sinnhaftigkeit der Gruppenschulung, überwog die Zustimmung zur Schulung – nur 12% hielten diese für "überhaupt nicht wichtig" oder "eher nicht wichtig" (s. Abb. 1). Diese Aussage korrespondiert aber nicht mit der Tatsache, wonach über 50% noch nie eine Diabetesschulung angeboten haben.
Folgende Antworten erhielten wir auf die Frage nach den Gründen, warum die Schulung von Personen mit Typ-2-Diabetes in der Hausarztpraxis schwierig ist.
Fehlendes qualifiziertes Personal für Schulung:
In Hausarztpraxen hat der Mangel an Medizinischen Fachangestellten (MFA) bereits heute erhebliche Auswirkungen auf den Praxisalltag. Viele Praxen sehen sich aus diesem Grund sogar gezwungen, ihre Öffnungszeiten zu verkürzen oder ihr Leistungsangebot einzuschränken [8]. Da die Schulungen im Hausarztbereich in der Regel von geschulten MFA (eventuell mit der Zusatzbezeichnung "Diabetesassistentin/Diabetesassistent DDG") durchgeführt werden, führt dieser Mangel dazu, dass sich die Hausärzte zunehmend auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und personalintensive Angebote nicht mehr anbieten können.
Bürokratischer Aufwand
Als zweitwichtigster Grund wurde der mit der Schulung verbundene bürokratische Aufwand genannt. Zusammen mit dem Personalmangel stellt dieser Aufwand ein zentrales Problem für Hausarztpraxen dar – auch unabhängig von der Diabetesschulung. Laut einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann Stiftung möchte etwa ein Viertel der Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland ihren Beruf innerhalb der nächsten fünf Jahre aufgeben. Als Hauptgründe wurden zu viel Bürokratie und eine zu hohe Arbeitsbelastung genannt [9]. Der bürokratische Aufwand für die Teilnahme am DMP Typ 2, eine Voraussetzung für die Abrechnung der Schulung, wird häufig gescheut, da er mit Mehraufwand verbunden ist (z. B. Einschreibung der Patientinnen und Patienten in das DMP, regelmäßige Dokumentation und fristgerechte Übermittlung an die zuständige Datenstelle, Erinnerungs- und Terminmanagement, damit die vorgeschriebenen Kontrolluntersuchungen eingehalten werden). Dies ist besonders für kleinere Praxen ein Hauptgrund, nicht an den DMPs teilzunehmen. Zudem erfordert die Umsetzung der Schulung die vorherige Teilnahme an einem Seminar, was zusätzliche zeitliche und finanzielle Ressourcen erfordert.
Fehlender Raum für die Gruppenschulung
Für eine Praxis, die sich nicht auf Diabetes spezialisiert hat, ist es mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden, einen separaten Raum für Gruppenschulungen bereitzustellen. Dies wird in der Regel als nicht wirtschaftlich angesehen und durch die Einnahmen der Gruppenschulung in keiner Weise refinanziert. In der Praxis wird daher oft das Wartezimmer zu Schulungszwecken genutzt. Das bedeutet jedoch, dass die Schulung außerhalb der Kernzeiten der Hausarztpraxis stattfinden muss, was einen erhöhten personellen Aufwand zur Folge hat.
Keine Kernaufgabe der Hausarztpraxis
Schulung wird zunehmend nicht mehr als eine Kernaufgabe von Hausarztpraxen angesehen, die in der Regel überlaufen sind, eine hohe Nachfrage von Patientinnen und Patienten haben und mit personellen und bürokratischen Problemen zu kämpfen haben. In der Priorisierung der Kernaufgaben einer Hausarztpraxis wird daher die Diabetes-Schulung im Vergleich zu den anderen Aufgaben der Hausarztpraxis ein eher geringer Wert zugesprochen.
Mangelndes Interesse der Patienten an Gruppenschulung
Als Barriere für die Umsetzung der Schulung wird auch das mangelnde Interesse von Patientinnen und Patienten an einer Gruppenschulung angesehen. Die Schulungen würden von den Patientinnen und Patienten nicht nachgefragt, die Terminvereinbarung sei schwierig und es komme häufig vor, dass Teilnehmende kurzfristig absagen oder ohne Angabe von Gründen nicht an einer Schulung teilnehmen.
Zu wenig Patienten für eine Gruppenschulung
Da Diabetesschulungen entsprechend der Therapieform mit verschiedenen Programmen durchgeführt werden sollen, haben Hausärztinnen und Hausärzte aus den oben genannten Gründen oft das Problem, dass die Grundgesamtheit schulungswilliger Personen für ein spezielles Programm zu gering ist. Dies wurde auch in der Umfrage von den Befragten bestätigt.
Kein Schulungsprogramm in der Praxis verfügbar
Eher als eine Konsequenz der bisher aufgeführten Gründe als ein grundsätzliches Problem wurde auch genannt, dass entsprechende strukturierte Schulungs- und Behandlungsprogramme in der Hausarztpraxis nicht verfügbar sind.
Gruppenschulungen sind wenig effektiv
Als geringste Barriere wurden grundsätzliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit der Schulung genannt. Dies korrespondiert mit der Aussage, dass die meisten Befragten die Diabetesschulung zwar für sinnvoll halten, sie im Hausarztsetting jedoch für zunehmend schwieriger umsetzbar halten.
"Ich überweise nur ausgewählte Patientinnen und Patienten in die diabetologische Schwerpunktpraxis"
Wenn Hausärzte im Rahmen von DMPs kaum noch schulen, bleibt als Alternative nur die Überweisung von Patienten zur Schulung in die Schwerpunktpraxis. Darüber haben wir uns an einem Nachmittag zusammen mit dem MeTriX-Verlag (Wiesbaden) und geschulten Moderatoren der Agentur "vm-people" (Berlin) in einem virtuellen World-Café mit 25 Hausärzten intensiv ausgetauscht. Bei der World-Café-Methode handelt es sich um ein moderiertes Beteiligungs- und Dialogformat, in dem in einer Gruppe Wissen, Ideen und Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam Lösungen entwickelt werden können. In entspannter "Café-Atmosphäre" diskutierten die Teilnehmenden in Kleingruppen in virtuellen Räumen zu jeweils einer Fragestellung zur Diabetesschulung in der Hausarztpraxis. Nach einer festgelegten Zeit wechselten die Personen den Raum, während der jeweilige Moderator im Raum blieb und die bisherigen Ergebnisse an die neue Gruppe weitergab. Interessant war, dass alle beteiligten Hausärztinnen und Hausärzte früher Diabetesschulungen angeboten hatten, aktuell schulte jedoch niemand mehr.
In Bezug auf die Überweisung zur Schulung in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis (DSP) beschrieben fast alle Teilnehmer den Kontakt zur DSP als sehr gut. Allerdings seien diese überlaufen, sodass es oft schwer sei, dass Patientinnen und Patienten dort zeitnah einen Termin bekämen. Dies sei auch der Grund, warum sie nur ausgewählte Personen mit Diabetes dorthin überweisen. Sie bemühten sich, nur die "richtig schweren Fälle" zu schicken, und wollen nicht mit jedem Menschen mit Typ-2-Diabetes nach der Manifestation die Schulungen "fluten".
Bei der Erstschulung von Menschen mit Typ-2-Diabetes sahen die wenigsten Teilnehmer eine Notwendigkeit, diese an die DSP zu überweisen. Zudem nehmen die DSP die Patientinnen und Patienten nicht nur zur Schulung an, sondern bestehen oft darauf, dass diese für ein ganzes Quartal zur Betreuung überwiesen werden. Dies habe zum einen monetäre Gründe, da sie damit neben der Schulungsleistung auch die Pauschalen für die diabetologische Mitbehandlung und die quartalsbezogene Betreuung im Rahmen des DMP abrechnen könnten – sofern dies im Vertrag vorgesehen ist. Die DSP argumentiere oft, dass dies auch notwendig sei, da Schulung und Behandlung nicht zu trennen sei – dies sei schon in dem Begriff "Strukturierte Schulungs- und Behandlungsprogramme" festgelegt. Von Seiten der DSP kämen zurzeit auch keine Initiativen, Schulungsangebote für nicht-insulinpflichtige Personen mit Typ-2-Diabetes zur Verfügung zu stellen, da sie Mühe hätten, ihren eigenen Patienten ein geeignetes Schulungsangebot zur Verfügung zu stellen.
Hausärzte, die sich bewusst wegen des damit verbundenen bürokratischen Aufwandes nicht an dem DMP-Typ-2-Diabetes beteiligen, beklagten, dass überwiesene Patientinnen und Patienten dann von der DSP in das DMP-Typ-2-Diabetes eingeschrieben würden, da sie ansonsten die Schulung nicht abrechnen könnten.
- Dies hätte zur Folge, dass die DSP die DMP-Koordination und die Erstdokumentation übernimmt und dafür die Einschreibe- und Erstdokumentationsvergütung erhält. Da eine Weiterbehandlung von Personen mit Typ-2-Diabetes nach der Erstmanifestation oder ohne Insulinbehandlung in der DSP nicht vorgesehen ist, muss entweder die Rolle des koordinierenden Arztes auf den Hausarzt übergehen oder der Patient muss aus dem DMP ausgeschrieben werden. Beides ist nicht so einfach, da es gültige "DMP-Verträge" zwischen Patienten, Arzt und Versicherung gibt. Bei einer Umschreibung wird ein langwieriger bürokratischer Prozess in Gang gesetzt: Es müssen neue Teilnahme-/Einschreibeunterlagen ausgefüllt werden, eine neue DMP-Erstdokumentation muss durch den neuen Koordinator erfolgen, der Patient muss beim alten Koordinator abgemeldet und beim neuen Koordinator angemeldet werden. Dies muss ihm schriftlich bestätigt werden und die Datenstelle muss den Wechsel verarbeiten.
- Ist der Hausarzt nicht im DMP eingeschrieben, ist ein Wechsel zurück nicht möglich, sodass der Patient wieder aus dem DMP ausgeschrieben werden muss. Dies wird dem Patienten mitgeteilt, der diesen Sachverhalt oft nicht versteht und Angst hat, dass der Hausarzt ihn nicht mehr behandeln würde. Auch die Ausschreibung ist ein aufwendiger bürokratischer Akt, in den die DSP (als bisher koordinierender Arzt), der Patient, die Versicherung und die Datenstelle eingebunden sind. Wenn die DSP den Patienten wieder zum Hausarzt zurückschickt, aber keine "saubere" DMP-Ummeldung erfolgt, behandelt der Hausarzt den Patienten weiter, die DSP bleibt jedoch formal Koordinator. Dies führt regelmäßig zu Problemen bei der Abrechnung.
In der abschließenden Gesamtrunde waren sich alle beteiligten Hausärztinnen und Hausärzte einig, dass die Überweisung zur diabetologischen Schwerpunktpraxis für Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie zur Schulung nur in Ausnahmefällen funktionieren würde, aber als Lösung für die flächendeckende Schulung nicht in Frage käme. Vor allem die Hausärzte, die sich bewusst gegen eine Teilnahme am DMP entschieden haben, lehnten diese Lösung vehement ab, da sie den damit verbundenen bürokratischen Aufwand scheuen (s. Abb. 2).
© Bernhard Kulzer
Abb. 2: Typische Antworten der teilnehmenden Hausärzte an einem World-Café auf die Frage nach Gründen, warum die Schulung in der Hausarztpraxis oder auf Überweisung in die diabetologische Schwerpunktpraxis selten erfolgt.
Und jetzt?
Sowohl die Ergebnisse der Befragung der Hausärzte als auch die des World-Cafés kommen zu der Schlussfolgerung, dass die Schulung unter den aktuellen Rahmenbedingungen einer typischen Hausarztpraxis immer seltener beim Hausarzt stattfinden wird. Leider lassen sich die genannten Barrieren kurz- und mittelfristig nur sehr schwer überwinden. Wenn das Ziel erreicht werden soll, jeder Person mit Diabetes möglichst zeitnah nach der Diagnose ein Schulungsangebot zu unterbreiten, muss die Schulung daher in einem anderen Setting (z. B. praxenübergreifende Videoschulung) angeboten werden.
Bei den DSP sieht es anders aus. Prinzipiell wäre es möglich, dass sie regionale oder besser überregionale Schulungsangebote für Menschen mit Typ-2-Diabetes bereitstellen. Allerdings müssten die Angebote so gestaltet werden, dass den Bedenken der Hausärzte Rechnung getragen wird.
Fazit für die Praxis
- Ca. 450 000 Menschen, bei denen ein Typ-2-Diabetes neu diagnostiziert wurde, haben laut den Leitlinien Anspruch auf eine Diabetesschulung, die vor allem beim Hausarzt stattfinden sollte. Weitere ca. 6 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, die kein Insulin spritzen, sollten die Schulung beim Hausarzt angeboten bekommen.
- Die Schulung in der Hausarztpraxis findet jedoch immer seltener statt. Die Hauptgründe hierfür sind Personalmangel, bürokratische Hürden und unattraktive finanzielle Rahmenbedingungen.
- Eine Überweisung an eine diabetologische Schwerpunktpraxis findet in der Realität bei Personen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes kaum statt. Die aktuellen Regularien der DMPs sind eine bedeutsame Barriere.
- Es gilt, neue, praxisübergreifende Schulungsangebote zu entwickeln, die die aktuellen Barrieren der Schulung beim Hausarzt und in der diabetologischen Schwerpunktpraxis gleichermaßen berücksichtigen.
Literatur beim Verfasser
|
|
Erschienen in: Diabetes-Forum, 2026; 38 (3) Seite 36-40
