In der immer stärker werdenden fach­disziplin­übergreifenden Zusammen­arbeit spiegelt sich die enge Verzahnung von Herz und Diabetes wider. Im Rahmen einer virtuellen Presse­veranstaltung von Novo Nordisk diskutierten Fachleute der Kardiologie, Diabetologie und Allgemein­medizin den Stellenwert von Semaglutid im Kontext aktueller Leit­linien­empfehlungen und berichteten aus dem Praxisalltag mit dem GLP-1 RA.

Typ-2-Diabetes ist eine systemische Erkrankung mit zahlreichen Komorbiditäten und Risikofaktoren. Bei Menschen mit Typ 2 Diabetes sind kardiovaskuläre Ereignisse mit 52 % die häufigste Todesursache, zeigt eine Auswertung von multinationalen Studien durch die WHO.[1] Daher ist die Senkung des kardiovaskulären Risikos neben einer effektiven Stoffwechselkontrolle für die Prognose von zentraler Bedeutung in einer multifaktorielle Therapiestrategie.

Leitlinien empfehlen GLP-1 Rezeptoragonisten

Aktuelle nationale [2] und internationale Leitlinien [3-5] empfehlen bei hohem kardiovaskulären Risiko u. a. GLP-1 Rezeptoragonisten (RA) wie Semaglutid s.c. (Ozempic, 1x pro Woche). Ozempic ist zugelassen zur Behandlung des unzureichend kontrollierten Diabetes mellitus Typ 2 bei Erwachsenen als Zusatz zu Diät und körperlicher Aktivität als Monotherapie, wenn die Anwendung von Metformin aufgrund einer Unverträglichkeit oder Kontraindikationen ungeeignet ist, sowie zusätzlich zu anderen Arzneimitteln zur Behandlung des Diabetes mellitus.[6]

85 % aller Todesfälle durch kardiovaskuläre Erkrankungen werden durch atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (ASCVD) einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall verursacht.[7] Relevant ist dies für Menschen mit Typ 2 Diabetes. Etwa 45 % weisen eine ASCVD auf [8] – bei Typ 2 Diabetes stellt dies die häufigste Ursache für Morbidität und Mortalität dar.[3] „Je früher das individuelle kardiovaskuläre Risiko bei Menschen mit Typ 2 Diabetes erkannt und entsprechend adressiert wird, desto besser ist ihre kardiovaskuläre Langzeitprognose“, betonte der Kardiologe Dr. Anselm Gitt, Ludwigshafen bei einer virtuellen Presseveranstaltung Novo Nordisk.

Eine Therapieoption mit nachgewiesenem kardiovaskulären Nutzen bietet der GLP-1 RA Semaglutid: In der MACE-Endpunktstudie SUSTAIN 6 [9] konnte Semaglutid bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulären Risiko das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACEd) signifikant um 26 % reduzieren.[9] Die 104-wöchige, multizentrische, internationale, doppelblinde, placebokontrollierte Studie SUSTAIN 6 untersuchte bei 3.297 Menschen mit Typ 2 Diabetes und einem hohen kardiovaskulären Risiko die Auswirkung von Semaglutid im Vergleich zu Placebo, beides als Ergänzung zu einer Standardtherapie (bestehend aus Lebensstiländerung, blutzuckersenkend und kardiovaskulär wirkenden Substanzen), auf den primären kombinierten Endpunkt.

Die Studie war als Nichtunterlegenheitsstudie gepowert. Semaglutid ist der bisher einzige GLP-1 RA mit einem durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) anerkannten kardiovaskulären Zusatznutzen.[10]

GLP-1 RA im kardiovaskulären Risikomanagement von Menschen mit Typ 2 Diabetes

Die Bedeutung eines frühzeitigen kardiovaskulären Risikomanagements findet sich auch in aktuellen Leitlinienempfehlungen wieder. Das aktuelle Konsensuspapier der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) empfiehlt bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko und manifestem Typ 2 Diabetes u. a. eine Therapie mit GLP-1 RA unabhängig vom HbA1c-Ausgangswert oder dem individualisierten HbA1c-Ziel.[5] Liegen zusätzlich atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (ASCVD) vor, sollten GLP-1 RA mit nachgewiesenem kardiovaskulären Nutzen – wie bei Semaglutid – bevorzugt werden.[5]

Überlegen gegenüber anderen GLP-1 RA: Stärkere Senkung von HbA1c und Gewicht

„Neben der Senkung des kardiovaskulären Risikos dürfen wir bei der Therapie des Typ-2-Diabetes eine adäquate Blutzuckerkontrolle ohne Gefährdung für Hypoglykämien sowie einen positiven Einfluss auf das Gewicht nicht außer Acht lassen“, ergänzte Prof. Dr. Stephan Jacob, Diabetologe aus Villingen-Schwenningen.

Wie die Ergebnisse des umfassenden klinischen Studienprogramms SUSTAIN mit mehr als 10.000 Patienten belegen, konnten unter der Therapie mit Semaglutid HbA1c-Wert und Gewicht im Vergleich zu den getesteten Vergleichspräparaten gesenkt werden.[6,11–13) Im Head-to-Head-Vergleich mit Dulaglutid (SUSTAIN 7) senkte der GLP-1 RA: Semaglutid (0,5 mg und 1 mg) den HbA1c-Wert und das Gewicht stärker als Dulaglutid (0,75 mg und 1,5 mg). [14]

Interdisziplinär: Zusammenarbeit im Praxisalltag optimiert den Behandlungserfolg

„Blutzucker, Blutdruck, Gewicht und das kardiovaskuläre Risiko – mit Semaglutid haben wir eine Behandlungsoption, die wichtige Stellschrauben des Typ 2 Diabetes gleichzeitig adressiert – ganz im Sinne einer multifaktoriellen Therapiestrategie“, fasste Prof. Dr. Jacob zusammen. Entscheidend für den therapeutischen Erfolg ist zudem, dass die verschiedenen beteiligten Fachgruppen beim Diabetesmanagement zusammenarbeiten und ihre Stärken ausspielen.

„Das gilt auch für die Zusammenarbeit von diabetologischer und allgemeinmedizinischer Praxis“, führte Dr. Martina Lange aus, die in ihrer Diabetesschwerpunktpraxis in Rheinbach ein Hausarztnetz integriert hat. „Die Kolleginnen betreuen Betroffene oft schon über viele Jahre und kennen die individuellen Bedürfnisse. Über den direkten Austausch in interdisziplinären Qualitätszirkeln beispielsweise haben wir die Chance, gemeinsame Therapiestrategien zu entwickeln, die langfristig zum Erfolg führen“, so die Fachärztin für Innere Medizin und Diabetologie. „Dass die verschiedenen Fachgesellschaften in der aktualisierten Nationalen Versorgungsleitlinie nun einen gemeinschaftlichen Therapiealgorithmus im Konsens empfehlen, ist ein wichtiges Signal und unterstützt den Austausch und die Zusammenarbeit“, betonte Dr. Lange.

Die Vortragenden sind sich einig: Die Kommunikation der Fachdisziplinen Diabetologie, Kardiologie und Allgemeinmedizin untereinander ist essenziell für eine bestmögliche Versorgung bei Typ 2 Diabetes und beinhaltet die Chance, die Prognose der Betroffenen langfristig zu verbessern.


Referenzen
1. Morrish NJ et al. Diabetologia 2001;44 (Suppl 2):S14–21.
2. Landgraf R et al. Diabetologie 2020;15(Suppl. 1):S65–S92.
3. ADA Standards of Medical Care in Diabetes - 2021, Diabetes Care 2021;44(Suppl 1):S125–S150.
4. Cosentino F et al. European Heart Journal 2020;41:255–323.
5. Buse JB et al. Diabetologia 2020;63:221–228.
6. Fachinformation Ozempic®, aktueller Stand.
7. Barquera S et al. Arch Med Res 2015;46:328–338.
8. Weng W et al. Endocrinol Diab Metab 2019;2:e00076: Daten aus den USA.
9. Marso SP et al. N Engl J Med. 2016;375:1834–1844.
10. Gemeinsamer Bundesausschuss. Tragende Gründe zum Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL): Anlage XII – Beschlüsse über die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen nach § 35a SGB V – Semaglutid https://www.g-ba.de/downloads/40-268-5724/2019-05-02_AM-RLXII_Semaglutid_D-404_TrG.pdf (abgerufen am 25. Februar 2021).
11. Zinman B et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2019;7:356–367.
12. Lingvay I et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2019;7:834–844.
13. Capehorn MS et al. Diabetes Metab 2020;46:100–109.
14. Pratley RE et al. Lancet Diabetes Endocrinol. 2018;6:275–286.

Quelle: „1 Jahr Ozempic® in Deutschland - Interdisziplinäres Praxis- und Leitlinien-Gespräch zur Therapie des Typ 2 Diabetes“ am 09. März 2021 in Mainz. Veranstalter: Novo Nordisk