Am 1. Januar 2021 kommt die elektronische Patientenakte (ePA) für alle gesetzlich Versicherten. Sie soll helfen, unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden und ärztliche Entscheidungen für Patienten nachvollziehbarer zu machen. Um spezielle Krankheitsbilder, wie z.B. Diabetes mellitus, besser darin abzubilden, hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) die ergänzende elektronische Patientenakte für Diabetespatienten (eDA) ins Leben gerufen. Sie erweitert die ePA um Fachinformationen aus der Diabetologie und kann Krankheitsdaten systematisch in einem separaten Register erfassen.

Die elektronische Patientenakte: „Meilenstein in der Versorgungsstruktur Deutschlands“

„Die Einführung der ePA ist ein Meilenstein in der Versorgungsstruktur Deutschlands – insbesondere für die Therapie von Menschen mit häufigen, chronischen und multimorbiden Erkrankungen wie einem Diabetes mellitus“, erklärt Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Vorsitzender der Kommission „Digitalisierung“ der DDG und Mitinitiator der kommenden Veranstaltung in Berlin. Diabetes ist eine der großen Volkskrankheiten weltweit und in Deutschland sind inzwischen mehr als sieben Millionen Menschen von ihr betroffen. Jedes Jahr kommen etwa 500.000 neu Erkrankte hinzu – Tendenz steigend. Zu den häufigsten Folgen gehören Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall. Jährlich werden aufgrund von Diabetesschäden etwa 40 000 Beine, Füße oder Zehen amputiert, rund 2.000 Menschen erblinden in Folge der Stoffwechselerkrankung.

Umso wichtiger bei solch komplexen Erkrankungen ist eine standardisierte, auswertbare, leitlinienbasierte transsektorale Versorgung – für jeden Betroffenen, unabhängig von der jeweiligen Krankenkasse, Region, oder der Arztdichte. Doch diese existiert in Deutschland noch nicht. Gleichzeitig entstehen Versorgungsdefizite unter anderem daraus, dass die erhobenen Daten von Patienten mit chronischen Krankheiten und hohem Risiko für Begleiterkrankungen nicht regelmäßig systematisch und flächendeckend ausgewertet werden können. „Diese Probleme könnten bald der Vergangenheit angehören, wenn wir die Möglichkeiten der ePA sowie anderer digitaler Hilfsmittel in Zukunft effektiv und patientenorientiert nutzen“, prognostiziert Müller-Wieland, Past-Präsident der DDG.

Elektronische Diabetesakte als digitale Fachanwendung

Sinnvolle Ergänzungen zur ePA können digitale Fachanwendungen sein, die einerseits dabei helfen, auf spezielle Bedarfe von Patienten einzugehen und das jeweilige Krankheitsbild umfassend abzubilden sowie andererseits diese speziellen Krankheitsdaten systematisch zu erfassen und auswerten zu können. Diese Anwendungen müssen mit der ePA „kommunizieren“, also interoperabel sein.

Ein erstes Beispiel für eine solche Fachanwendung ist die elektronische Diabetesakte (eDA), die von der DDG initiiert wurde. „Die eDA soll die Daten aus der Versorgung direkt erfassen und helfen, leitlinienbasiert die Versorgung der Betroffenen zu gestalten“, führt Müller-Wieland aus. Haus- und Fachärzten stehen damit Differentialdiagnosen, medizinische Empfehlungen und Leitlinien zur Verfügung, sodass eine sofortige „In Time“-Handlungsempfehlung für den Patienten vorliegt und regelmäßig aktualisiert werden kann.

An der eDA angeschlossen ist ein Register, das alle in ihm erfassten Daten nutzbar für Forschung und Versorgung machen kann. Dies hilft dabei, automatisch einen „Versorgungsmonitor“ der Diabetologie in Deutschland zu erheben sowie ein umfassendes „nationales“ Diabetes-Register zu implementieren. „In diesen Pool werden die klinischen Daten aus Krankenhaus, Praxis und aus Präventions-Programmen sowie klinischen Forschungsprogrammen eingespeist“, so Müller-Wieland.

Im Expertenforum „Elektronische Patientenakte – ante portas“ am 30. September 2020 in Berlin diskutieren Expertinnen und Experten der DDG und der gematik die konkrete Ausgestaltung der digitalen Akten sowie kommende Herausforderungen der digitalen Versorgung.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)