Durch den immer breiteren Einsatz kontinuierlicher Glucose-Messmethoden (CGM) und einem Flash-Glucose-Monitoring-System können postprandiale Hyperglykämien (PPH) bei Menschen mit Diabetes im Tagesverlauf besser erkannt und ihr Stellenwert in der individuellen Blutzuckereinstellung zunehmend eingeschätzt werden.

Erwachsenen mit Diabetes, die keine ausreichende postprandiale Blutzuckerkontrolle erreichen, steht u.a. die schnell wirksame Insulin aspart-Formulierung Fiasp® zur Verfügung.[1] Welche Herausforderungen und Chancen sich mit Fiasp, auch im Hinblick auf eine zunehmende Digitalisierung im Diabetesmanagement ergeben könnten, erläuterte Dr. Andreas Liebl beim diesjährigen Diabetes Kongress in Berlin.

Akute Beeinträchtigungen und mögliche Langzeitkomplikationen vermeiden

Postprandiale Hyperglykämien können zu einer unzureichenden Diabeteseinstellung beitragen und sind mit einem erhöhten Risiko für Folgekomplikationen assoziiert.[5-12] Darüber hinaus können sie auch direkte Auswirkungen auf den Alltag haben:[13] „Menschen mit Diabetes, die unter postprandialen Blutzuckerspitzen leiden, berichten häufig über Erschöpfungszustände, Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit. Das schränkt sie in ihrer Lebensqualität und in ihrem Berufsleben ein“, erklärte Dr. Liebl.

Sie erreichen oftmals trotz zufriedenstellender Nüchternblutzucker-Werte nur eine unzureichende HbA1c-Einstellung, da auch die postprandiale Glucoseeinstellung einen wichtigen Beitrag zur HbA1c-Zielwerterreichung leistet.[14] Langzeitkomplikationen, wie mikrovaskuläre Schäden, können die Folge sein.[5,6,11] Vorrangiges Ziel der Diabetes-Therapie müsse es daher sein, sowohl die akuten Beeinträchtigungen als auch mögliche Folgekomplikationen, zu vermeiden.

Insbesondere bei Menschen mit Typ 1 Diabetes kommen immer häufiger kontinuierliche Messsysteme zum Einsatz, die den Glucosespiegel im Tagesverlauf darstellen und Blutzuckerspitzen nach dem Essen besser sichtbar machen als herkömmliche punktuelle Blutzuckermessungen mittels Teststreifen. Der Einsatz dieser Systeme kann damit zu einer Verbesserung des Diabetesmanagements beitragen.

„Grundvorraussetzung dabei ist, dass die Patienten entsprechend geschult werden, um so die angezeigten Werte richtig interpretieren und entsprechend handeln zu können“, erläuterte Dr. Liebl. „Dies gilt im Grunde auch für Menschen mit Typ 2 Diabetes. Stoßen diese trotz aller Bemühungen mit ihrer bisherigen intensivierten Insulintherapie an Grenzen, so kann auch hier eine Beobachtung mit kontinuierlichen Glucose-Messsystemen oder mittels Flash-Glucose-Monitoring zumindest über einen begrenzten Zeitraum angezeigt sein“, so Dr. Liebl.

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Vorteile durch schnellen Wirkeintritt

Zur Behandlung der PPH steht seit April letzten Jahres Fiasp® als weitere Therapieoption zur Verfügung, dessen Wirksamkeit und Sicherheit sowohl bei Menschen mit Typ 1 als auch mit Typ 2 Diabetes untersucht wurde.[15,16] Fiasp zeichnet sich im Vergleich zu NovoRapid® durch ein doppelt so schnelles initiales Auftreten im Blut aus. In den ersten 30 Minuten ist die Insulinkonzentration doppelt so hoch und die Insulinwirkung bei gleicher Gesamtexposition im Vergleich zu NovoRapid um 74 % gesteigert.[2] Durch den schnellen Wirkeintritt ist eine Gabe bis zu 2 Minuten vor und bis zu 20 Minuten nach Beginn einer Mahlzeit möglich.[1] „Dies macht den Einsatz für Menschen mit Diabetes flexibel“, so Dr. Liebl. Ein Einsatz ist auch in Verbindung mit einem Pumpensystem möglich.[1,17]

Wirksame Behandlungsoption bei Typ 1 Diabetes

In der zulassungsrelevanten Studie onset® 1 erhielten 1.143 Erwachsene mit Typ 1 Diabetes über 26 Wochen entweder Fiasp zur Mahlzeit oder 20 Minuten nach Beginn einer Mahlzeit oder NovoRapid zur Mahlzeit, jeweils in Kombination mit einem Basalinsulin.[15] Bei Gabe zur Mahlzeit zeigten die Ergebnisse im Rahmen eines standardisierten Mahlzeitentests eine geringere Zunahme der PPG unter Fiasp nach zwei Stunden (ETD*: -0,67 mmol/l [-1,29; -0,04]; -12,01 mg/dl 23,33; -0,70]) im Vergleich zu NovoRapid. Auch der Anstieg der PPG nach einer Stunde war unter Fiasp geringer (ETD: -1,18 mmol/l [-1,65; -0,71]; -21,21 mg/dl [-29,65; -12,77]). Die HbA1c-Absenkung am Studienende war signifikant höher unter Fiasp (ETD: -0,15% [-0,23; -0,07], bei insgesamt vergleichbarer Rate an Hypoglykämien im Vergleich zu NovoRapid.

Fiasp in der Basal-Bolus-Therapie bei Typ 2 Diabetes

In der 26-wöchigen Studie onset® 2 erhielten Erwachsene mit Typ 2 Diabetes (n = 689) Fiasp oder NovoRapid jeweils zu den Mahlzeiten in Kombination mit einem Basalinsulin und Metformin.[16] Im standardisierten Mahlzeitentest stieg unter Fiasp die PPG nach einer Stunde signifikant geringer an als unter NovoRapid (ETD: -0,59 mmol/l [-1,09; -0,09]; -10,6 mg/dl [-19,6; -1,7]; p = 0,0198). Nach zwei Stunden war kein Unterschied zwischen den Insulinen mehr feststellbar (ETD: -0,36 mmol/l [-0,81; 0,08]; -6,6 mg/dl [-14,5; 1,4]). Die Senkung des HbA1c war am Studienende unter beiden Insulinen vergleichbar (ETD: -0,02 % [-0,15; 0,10]), wie auch die Rate an hypoglykämischen Episoden insgesamt. Infolge des früheren Wirkeintritts von Fiasp kann eine mögliche Hypoglykämie im Vergleich zu NovoRapid jedoch früher auftreten, was auch in den beiden Studien onset® 1 und 2 beobachtet wurde.[15,16]

„Für Menschen mit Diabetes, die unter ihrem bisherigen Mahlzeiteninsulin keine ausreichende postprandiale Kontrolle erreichen, kann Fiasp eine schnell wirksame und bei Bedarf in zugelassenem Maße zeitlich flexibel einsetzbare Therapie bieten“, erklärte Liebl. Durch das Entstehen einer höheren Awareness bezüglich der PPH, auch durch kontinuierliche Messsysteme, gepaart mit der Möglichkeit, ein schnell wirksames Insulin einzusetzen, erhoffe er sich langfristig ein verbessertes Diabetesmanagement. „Ich sehe schnell wirksames Insulin aspart als wichtige Therapieoption für Menschen mit Bedarf für ein Mahlzeiteninsulin.“


* ETD: Estimated Treatment Difference [angegeben mit 95%-Konfidenzintervall]


Literatur
1. Fachinformation Fiasp®, aktueller Stand.
2. Heise T et al. Clin Pharmacokinet 2017; 56(5): 551–559.
3. Heise T et al. Diabetes Obes Metab 2015; 17: 682–688.
4. Heise T et al. Diabetes Obes Metab 2017; 19: 208–215.
5. Ohkubo Y et al. Diabet Res Clin Practice 1995; 28: 103–117.
6. Cavalot F et al. J Clin Endocrinol Metabol 2006; 91: 813–819.
7. Shaw JE et al. Diabetologia 1999; 42: 1050-1054.
8. Tominaga M et al. Diabetes Care 1999; 22: 920-924.
9. Balkau B et al. Diabetes Care 1998; 21: 360-367.
10. Hanefeld M et al. Diabetologia 1996; 39: 1577-1583.
11. Barrett-Connor E et al. Diabetes Care 1998; 21: 1236-1239.
12. Donahue RP et al. Diabetes 1987; 36: 689-692.
13. Brod M et al. Diabetes Ther 2016; 7: 75-90.
14. Ketema et al. Arch Public Health 2015; 73: 43.
15. Russell-Jones D et al. Diabetes Care 2017; 40: 943–950.
16. Bowering K et al. Diabetes Care 2017; 40: 951-957.

Quelle: Pressemitteilung von Novo Nordisk