Beim diesjährigen diatec-Forum in Berlin diskutierten Wissenschaftler, Praktiker mit Vertretern von Politik und Krankenkassen über den Stellenwert der Diabetestechnologien in der Behandlung des Diabetes.

Das diatec-Forum 2025 hat am 25. September in der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin stattgefunden. Das Thema: "Technologie, Pflege und Verantwortung – wie gelingt die Versorgung von morgen?" hatte das Ziel, mit Wissenschaftlern, Praktikern und Kostenträgern sowie Politikern über aktuelle Themen der Versorgung von Menschen mit Diabetes mit dem Schwerpunkt Technologie und digitale Anwendungen in einen Diskurs zu kommen. Grundlage hierfür sind Daten aus der jährlichen Umfrage zu dem dt-report, der eine Art Standortbestimmung von digitalen Anwendungen in der Diabetologie ermöglicht.

Auf dem diatec-Forum (https://diatec-forum.de/) standen zwei Themenbereiche im Fokus:

1. Kosten und Nutzen von Diabetestechnologien:

Am Vormittag wurden folgende Themen beleuchtet: Wie ist die aktuelle und zukünftige Nutzung von Diabetestechnologen? Wie hoch sind die Kosten von Diabetestechnologien – auch im Vergleich zu den Kosten des Diabetes insgesamt? Wie ist die Kostenerstattung der diabetologischen Schwerpunktpraxis im Vergleich zum Aufwand?

2. Einsatz von Diabetestechnologien in der Pflege:

Wie werden Diabetestechnologien im Alter genutzt? Wie können digitale Anwendungen die Pflege entlasten?

Impulse aus der Politik

Die Impulsvorträge wurden durch Grußbotschaften ergänzt. Dr. Georg Kippels, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit betonte in einem Grußwort, die Wichtigkeit neuer Technologien für die Therapie des Diabetes: "Innovationen mit belegtem Nutzen und frühzeitig erkanntem positiven Kosten-Nutzenverhältnis sollten schnell und sachgerecht in die Versorgung eingeführt und angemessen finanziert werden." Ein wichtiges Statement, da Innovationen immer schneller entwickelt werden, aber der Prozess der Kosten-Nutzenbewertung für unser Gesundheitssystem dagegen sehr lange dauert. Explizit erwähnte auch Dr. Kippels die Chancen, digitale Versorgungsstrukturen mit Hilfe der digitalen Diseasemanagement-Programme Diabetes (dDMP) zu ent-
wickeln. Auch Dr. Andreas Philippi, Gesundheitsminister von Niedersachen, stellte die Wichtigkeit der Nutzung und Weiterentwicklung neuer Diabetestechnologien heraus. Er betonte vor allem die Bedeutung von Telemedizin, die eine engmaschige Begleitung von Patientinnen und Patienten ermöglicht. Sie kann auch dabei helfen, gleiche Versorgungsbedingungen zwischen städtischem und ländlichem Raum zu ermöglichen und Versorgungslücken zu schließen.

Dr. Maria-Lena Weiss (Beauftragte der CDU/CSU-Fraktion für Medizinprodukte im Gesundheitsausschuss) stellte in Ihrem Vortrag heraus, dass die Bundesregierung die Digitalisierung vorantreiben möchte und nannte hier vor allem die elektronische Patientenakte, das e-Rezept, digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs), digitale Gesundheits-IDs für den sicheren Datenzugriff, das Kompetenzzentrum für Interoperabilität im Gesundheitswesen (KIG), das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ Gesundheit), das die Auswertung von Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen ermöglicht, den digital unterstützten Medikationsprozess, digitale Kommunikation im Medizinwesen (KIM) wie der sichere E-Mail-Dienst KIM, TI-Messenger oder auch das digitale DMP. Da sie selbst Mutter eines Kindes mit Typ-1-Diabetes ist, berichtete sie auch über ihre eigenen Erfahrungen mit neuen Technologien wie CGM- und AID-Systeme. Beide Innovationen hätten ihr Familienleben sehr entlastet und zu besseren Therapieergebnissen geführt und zeigen nach Ihrer Meinung, welch großen Beitrag digitale Anwendungen und neue Technologien für die Therapie des Diabetes haben. Am eigenen Leib habe sie bei der Beantragung eines AID-Systems für ihre Tochter aber auch gemerkt, wie viel Unwissenheit es bei Krankenkassen über Diabetestechnologien gibt. Anstatt das große Sparpotential durch eine bessere glykämische Kontrolle und Vermeidung von teuren Folgeerkrankungen zu sehen, werden wegen des hohen aktuellen Kostendrucks hohe Hürden seitens der Krankenkassen bei der Beantragung von neuen Technologien aufgebaut. Dr. Maria-Lena Weiss bot an, auch weiterhin in den Dialog zu treten, damit moderne Technologien schneller zum Wohle von Menschen mit Diabetes in die Versorgung gelangen können.

Text: Prof. Kulzer, Dr. Graf, PD Ehrmann, Prof. Hermanns, Dr. Eiswirth, Dr. Heinemann

dt-report 2025: die Ergebnisse

Der dt-report ist eine jährliche Befragung zu Diabetetechnologien und digitalen Anwendungen in der Diabetologie. Teilgenommen haben im Jahr 2025 1.255 Health-Care-Professionals (HCPs) – Ärzt:innen, Diabetesberater:innen, Diabetesassistent:innen und 2 515 Menschen mit Diabetes aus Deutschland (73 % mit Typ-1-Diabetes (T1D), 18 % Typ-2-Diabetes (T2D), 6 % Eltern von Kindern mit T1D), Österreich, der Schweiz und Spanien.

Nutzung von Technologien: Typ-1-Diabetes

Aktuell nutzen in Deutschland rund 80 % der Menschen mit T1D ein CGM-System, ca. 31 % ein AID-System, jedoch nur 6 % einen Smart-Pen. Im Ländervergleich fallen vor allem der höhere Anteil von AID-Systemen in Österreich und der Schweiz auf, sowie die höhere Nutzung von Smart-Pens in Spanien.

Aktuell wird von den befragten Diabetolog:innen 2025 angegeben, dass Metronic (670 G, 770 G, 780 G) mit 28% der Marktführer bei AID-Systemen ist, gefolgt von Insulet (Omnipod 5, 23 %), Ypsomed (MyLife Loop/CamAPS, 21 %) und Tandem (tslim X2, 19 %).

Ländervergleich in Sachen Diabetestechnologie-Nutzung bei Menschen mit Typ-1-Diabetes.

Nutzung von Technologien: Typ-2-Diabetes

Der Einsatz von CGM-Systemen ist bei Patient:innen in Deutschland mit einer intensivierten Insulintherapie (ICT) am weitesten verbreitet (27 %), während bei T2D und einer basal-unterstützten oralen Therapie (BOT, 4%) und bei T2D ohne Insulin (5%) dies aktuell noch nicht stark verbreitet ist. Andere Technologien spielen bislang nur eine sehr untergeordnete Rolle: Smart-Pens werden aktuell von 4 % der T2D-Patient:innen verwendet, Insulinpumpen, AID-Systeme und DiGAs nur zu 1 %. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der technologische Fortschritt, der bei Menschen mit Typ-1-Diabetes längst Alltag ist, in der Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes erst allmählich Einzug hält.

Typ-2-Diabetes: CGM-Nutzung in fünf Jahren.

Zukunftsperspektive

Die befragten HCPs gehen jedoch davon aus, dass sich dieses Bild in den kommenden Jahren deutlich verändern wird. Ihre Einschätzungen für die nächsten fünf Jahre zeichnen ein dynamisches Wachstum ab – in Deutschland ähnlich wie in den anderen befragten Ländern: Bei T2D-PatientInnen mit ICT erwarten sie, dass künftig 75 % ein CGM-System verwenden werden. Auch in der Gruppe mit BOT-Therapie wird ein Anstieg auf 37 % prognostiziert, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulin auf 28 %. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl aller Menschen mit Diabetes in Deutschland würde dies bedeuten, dass in fünf Jahren rund drei Millionen Menschen mit Diabetes ein CGM-System nutzen könnten. Während CGM-Systeme meist kontinuierlich getragen werden, halten HCPs auch intermittierende Anwendungen (phasenweise Nutzung während einer Schulung oder bei Therapieanpassungen) für sinnvoll – je nach Therapiegruppe bei 60–80 % der T2D-Patienten.

Bei den AID-Systemen schätzen HCPs, dass 71 % der T1D-Patienten und 26 % der T2D-Patienten (ICT) ein solches System nutzen. Dies entspricht etwa 280 000 T1D- und 300 000 T2D-Nutzern. Für die Smart-Pens liegt die erwartete Nutzung in fünf Jahren bei 25 % bei T1D und 31 % bei T2D mit Insulintherapie.

Indikation für CGM und AID

Der dt-report fragt auch HCPs, für welche Patientengruppen der Einsatz moderner Diabetes-Technologien derzeit als medizinisch sinnvoll und indiziert angesehen wird:

  • Kinder, Erwachsene, schwangere Frauen mit T1D: CGM 96 % - 97 %, AID 88 % - 93 %.
  • T2D (ICT): CGM 86 %, AID 55 %.
  • T2D (BOT): CGM 61 %, AID 29 %.
  • T2D ohne Insulin: CGM 54 %

Die befragten HCPs sehen eine Indikation für Smart-Pens bei 50 % der T1D-Patient:innen, bei 57 % der T2D-Patient:innen mit ICT und bei 36 % der T2D-Patient:innen mit BOT.

Barrieren der Nutzung

Trotz der hohen Akzeptanz moderner Systeme sehen die Befragten erhebliche Hürden bei der praktischen Implementierung, vor allem im Versorgungsalltag der diabetologischen Einrichtungen. Die am häufigsten genannten Barrieren (Angaben > 30 %) sind:

  • Hoher Aufwand, auf dem neuesten Stand zu bleiben (68 %)
  • Aufwändige Antragstellung und Genehmigungsverfahren (62 %)
  • Fehlende personelle Ressourcen (58 %)
  • Mangel an strukturierten Schulungsprogrammen für PatientInnen (57 %)
  • Unzureichende Schulungsmaterialien (55 %)
  • Unübersichtliche Vielfalt der verfügbaren Systeme (45 %)
  • Fehlende oder unvollständige Kostenerstattung (42 %)

Als größte Herausforderungen für ambulanten Einrichtungen (DSP) wurden die mangelnde Vergütung für Diabetes-Technologie (86 %), hoher bürokratischer Aufwand (83 %), gesundheitspolitische Ignoranz (80 %), die fehlende Vergütung von Schulungsleistungen (76 %) und Nachwuchs- und Fachkräftemangel (75 %) genannt. Auch bei den stationären Diabeteszentren zeigen sich zahlreiche Herausforderungen: Gesundheitspolitische Ignoranz (83%), Nachwuchs- und Fachkräftemangel (78%), Auswirkungen der Krankenhausreform (76 %), bürokratischer Aufwand (71 %) und rechtlichen Rahmenbedingungen für Diabetes-Technologie (69 %). Eine weitere Barriere besteht darin, dass nach Einschätzung der Befragten in den kommenden zehn Jahren die Zahl der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Deutschland um rund 9,7 % zurückgehen wird

Dynamischer Anstieg

Die Ergebnisse des dt-reports 2025 zeigen klar auf, dass einerseits die Akzeptanz und Nutzung von CGM bis AID dynamisch ansteigt, auf der anderen Seite die mangelnde Vergütung des Aufwandes mit Diabetestechnologie, gesundheitspolitische Ignoranz dem Thema Diabetes gegenüber und zunehmend mangelnde personelle Ressourcen die Umsetzung im Alltag erheblich erschweren. Gesundheitspolitisch zeichnet sich ein kritischer Trend ab: Die Diabetologie steht vor strukturellen und personellen Herausforderungen, deren Lösung entscheidend sein wird, um die Dynamik der technologischen Entwicklung in der Versorgung zu halten.

Text: PD Dr. Dominic Ehrmann (Bad Mergentheim).

Kosteneffizienz der Diabetestechnologie

Während in Deutschland nur wenige Studien und Daten zu dem Kosten-/Nutzeneffekt von Diabetestechnologien verfügbar sind, gibt es international immer mehr Studien zu diesem Themenbereich. Um die Kosten für die Diabetestechnologien in Relation zu den Ausgaben im Gesundheitssystem und speziell für die Behandlung des Diabetes setzen zu können, sollen diese kurz skizziert werden.

Ausgaben für das Gesundheitswesen

Mit 74,5 Millionen Versicherten sind 89,4% Mitglied in einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die 2024 Ausgaben in Höhe von 326,9 Mrd. € hatte. Im Vergleich zu 2023 bedeutet diese eine Steigerung um 8,7 %, wozu vor allem die Arzneimittel (+9,5 %), Krankenhausaufenthalte (+8,3 %) und ärztliche Behandlungskosten (+ 6 %) beitrugen. Diesen standen Einnahmen von 320,6 Mrd. € gegenüber, was ein Defizit von 6,2 Mrd. € bedeutete. Die Finanzreserve von 2,1 Mrd. € lag damit 2024 unter der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben.

Für Hilfsmittel, wozu Diabetestechnologien zählen, wurde 2024 nur ein Anteil von 3,75 % aller Kosten der GKV ausgegeben. Die Ausgaben stiegen von 9,3 Mrd. € im Jahr 2020 auf 11,7 Mrd. € im Jahr 2025. Seit 2023 werden Produkte zum Glukosemanagement in der eigenen Produktgruppe 30 geführt. Sie umfasst Geräte zur Insulinapplikation (Spritzen, Pens, Pumpen), Systeme zur Glukosemessung (Blutzucker- und CGM-Systeme) sowie Verbrauchsmaterialien und Zubehör. Die Ausgaben für diese Produktgruppe betrugen 2024 laut dem Bericht des GKV-Spitzenverbandes (gemäß § 139 Absatz 9 Satz 3 SGB V) rund 607 Millionen Euro und belegten damit Platz 8 unter allen Hilfsmittelgruppen – deutlich hinter Hörhilfen, Atemtherapiegeräten und Orthesen, die jeweils über eine Milliarde Euro verursachen. Die tatsächlichen Kosten der Hilfsmittel für Diabetes dürften allerdings deutlich unterschätzt werden (s.u.).

GKV-Ausgabenübersicht.

Kosten des Diabetes

Die direkten, diabetesbezogenen Kosten betragen für Deutschland etwa 38,5 Mrd. €, was rund 11 % der Gesamtausgaben des Gesundheitssystems entspricht. Anders formuliert: Von jedem Euro im Gesundheitswesen entfallen etwa 11 Cent auf die Behandlung des Diabetes. Damit liegt Deutschland laut IDF-Diabetes-Atlas 2025 an vierter Stelle der Länder mit den höchsten diabetesbedingten Gesundheitsausgaben weltweit. Pro Versicherten sind die Kosten bei Diabetes um 40–70 % höher als bei Menschen ohne Diabetes. Eine Analyse der Techniker Krankenkasse anhand von 316 220 Versicherten verdeutlicht, wie sich diese Kosten zusammensetzen: Im Jahr 2015 betrugen nur die durchschnittlichen Kosten für die Behandlung von Folgeerkrankungen 4 949 € proPatient (Krankenhausaufenthalte 42 %, Arzneimittel 27 %, ambulante Versorgung 20 %). Die Behandlung von Folgeerkrankungen und damit verbundene Krankenhausaufenthalte sind der Kostenfaktor Nr. 1 bei Diabetes. Langfristig wird erwartet, dass die Gesamtausgaben für Diabetes bis 2040 weiter deutlich steigen. In einer im letzten Jahr publizierten Studie schätzten Voeltz et al (2024), dass sich die Gesamtkosten der Diabetesbehandlung bis zum Jahr 2040 mit rund 81 Mrd. € mehr als verdoppeln werden. Die geschätzten Pro-Kopf-Kosten (nur für Diabetes!) würden dann, abhängig vom Kostenwachstum, zwischen 6 500 und 12 000 Euro für T1D sowie 5 200 und 9 000 Euro für T2D liegen. Haupttreiber hierfür sind die steigende Diabetesinzidenz und das allgemeine Kostenwachstum im Gesundheitswesen.

Kosten der Diabetestechnologie

Da aktuelle Daten nicht vorliegen, können die aktuellen Kosten der Diabetestechnologie nur grob geschätzt werden.

Für CGM-Systeme werden Gesamtkosten von rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt:

  • Typ-1-Diabetes: 370 000 Personen, 80 % CGM-Nutzung, Ø 1 500 € CGM-Kosten/Jahr = 450 Mio. €.
  • Typ-2-Diabetes (ICT): 1,1 Mio. Personen, 55–60 %, Ø 1.500 € CGM-Kosten/Jahr = 900 Mio. €.
  • Typ-2-Diabetes (BOT): 800 000 Personen, 5 % CGM-Nutzung, Ø 1 500 € CGM-Kosten/Jahr = 60 Mio. €.

Für die Blutzuckermessung werden jährlich schätzungsweise ca. 250 Mio. € ausgegeben (mit abnehmender Tendenz). AID-Systeme verursachen ohne Einbezug des CGM-Systems und ohne die Kosten für Insulin schätzungsweise durchschnittliche Kosten von 3 000 € pro Jahr. Bei einem Anteil von 31 % aller ca. 370 000 Personen mit Typ-1-Diabetes betragen die Kosten hierfür etwa 345 Mio. €. Berücksichtig man dann noch den Umstand, dass 10 % aller Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Insulinpumpe ohne AID-Algorithmus verwenden, so ergibt diese eine Summe von ca. 111 Mio. €. Insgesamt summiert sich die Summe dieser Positionen auf ca. 650 Mio. €.

Zusammenfassend betragen die Kosten für Diabetestechnologien (CGM/SMBG/CSII/AID) aktuell ohne weitere Betrachtung von Zusatzkosten (z.B. Insulinspritzen, Pens) ca. 2,1 Mrd. € jährlich und damit etwas 5 % der Gesamtkosten des Diabetes. Diese Ausgaben werden zwar in den nächsten Jahren durch einer gezielten Verordnungspraxis (z. B. intermittierende CGM-Nutzung), der Nutzung einfacherer oder kostengünstigerer Systeme und Preisreduktionen durch Skaleneffekte und Wettbewerb tendenziell eher sinken, jedoch ist auf der anderen Seite auch von einer vermehrten Nutzung von Diabetestechnologien auszugehen.

Gesundheitsökonomische Kosten-Nutzen-Analyse

Die Literatur zur gesundheitsökonomischen Evidenz von CGM ist bemerkenswert eindeutig: In über 90 % der publizierten Studien eines 2024 publizierten systematischen Reviews von De Pouvourville et al. erwiesen sich CGM-Systeme im Vergleich zur konventionellen Blutzuckerselbstmessung als kosteneffektiv. Auch die Kombination von CGM und GLP-1-Rezeptoragonisten zeigte in einer amerikanischen Studie ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis unterhalb der Schwelle des Betrages, die für eine Kostenerstattung in USA maßgeblich ist.

Gesundheitsökonomische Kosten-Nutzen-Analyse.

Die Arbeitsgruppe von Lee (2025) präsentierte auf dem EASD-Kongress aktuelle Daten zur Kosten-Nutzen-Bilanz von CGM. Bislang erstattet Medicaid in USA nur CGM nur für Personen mit einer ICT. In einer Modellanalyse untersuchte sie, inwiefern es kosteneffizient sei, allen Personen mit Typ-2-Diabetes – unabhängig von ihrer Therapieform, auch ohne Insulin - zu erstatten. Die Autoren kamen zu einer eindeutigen Schlussfolgerung, dass der Einsatz schon sehr kurzfristig dazu beiträgt, Kosten einzusparen. Die jährlichen Kosten von CGM (USA 1921§) amortisieren sich schon im ersten Jahr durch Verringerung der Nutzung von Gesundheitsressourcen, vor allem durch eine Verringerung von Krankenhausaufenthalten und Notaufnahmen. Bei einer realistisch angenommenen Steigerungsrate von 15 % CGM-Verordnungen für alle Menschen mit Typ-2-Diabetes ergäbe dies für Medicaid innerhalb von 3 Jahren eine Kosteneinsparung von 1,7 Mrd. $ und 143 000 weniger Krankenhauseinweisungen.

Kritisch angemerkt muss allerdings werden, dass die Übertragbarkeit von internationalen gesundheitsökonomischen Analysen auf das deutsche Gesundheitssystem begrenzt ist. Daher sollten dringend auch Studien, gesundheitsökonomische Analysen in Deutschland durchgeführt werden, um den tatsächlichen Nutzen und die Wirtschaftlichkeit moderner Diabetes-Technologie auch unter deutschen Versorgungsbedingungen belastbar bewerten zu können.

Text: Prof. Dr. Bernhard Kulzer (Bad Mergentheim).

Analysen einer Krankenkasse

Eine Analyse der Zahlen der Barmer-Krankenversicherung in Hinblick auf Diabetes-Technologien zeigt, dass die Ausgaben für Blutzucker-Teststreifen seit 2014 um 62 % gefallen sind. Allerdings sind im gleichen Zeitraum die Kosten für CGM-Systeme weit darüber hinaus angestiegen. In der Summe führt dies über einen Zeitraum von zehn Jahren zu einer Kostensteigerung der Glukosemessung um 61 %, was auf die GKVen insgesamt hochgerechnet rund 630 Mio. Euro Mehrkosten im Jahr 2024 verursacht. Dies entspricht in etwa der Größenordnung des gesamten GKV-Budgets für Primärprävention.

Kostenentwicklung für Glukosemessungen bei Barmer-Versicherten.

Überblick über die CGM-Verordnungen

In den letzten drei Jahren gab es GKV-weit einen Anstieg der CGM-Verordnungen um 22 %. Am stärksten stiegen sie in der Gruppe über 60 Jahre (36 %), der Altersgruppe mit der größten absoluten Fallzahl. Von allen über 60-Jährigen mit intensivierter Insulintherapie nutzen bereits 56 % ein CGM – ein Hinweis darauf, wie stark Sensorik auch in höheren Altersgruppen angekommen ist. Am anderen Ende des Spektrums zeigt sich bei den bis 19-Jährigen eine nahezu vollständige "Sättigung" mit 97 % der Zielgruppe.

Noch dynamischer verläuft die Entwicklung bei Insulinpumpen und AID-Systemen. Seit 2020 haben sich die Fallzahlen mehr als verdreifacht; 2024 wurden hochgerechnet rund 70 000 Fälle GKV-weit verzeichnet. Die Gesamtkosten für Pumpen und AID beliefen sich 2024 auf ca. 580 Mio. Euro, das sind rund ein Drittel aller Ausgaben für Diabetes-Hilfsmittel. Der stärkste Kostenzuwachs entfiel auf ein AID-fähiges Patchpumpen-System, das seit September 2023 verfügbar ist und aktuell die teuerste Versorgungsform darstellt.

Altersabhängige Diffusion der Systeme

Versorgt werden damit vor allem jüngere Versicherte (86 %). Insgesamt erhalten etwa 15 % aller Menschen mit ICT eine Pumpe oder ein AID-System. Bei den unter-20-jährigen erhalten 38% der Zielgruppe eine Pumpen/AID-Versorgung; bei den über 60-jährigen bislang nur 1,5 %. Das ist ein deutlicher Hinweis auf die weiterhin altersabhängige Diffusion dieser Systeme. Rund 30 % aller pflegebedürftigen Menschen haben Diabetes – GKV-weit hochgerechnet etwa 1,6 Mio. Menschen. Analysen der Barmer zeigen, dass der CGM-Anteil in Pflegeheimen geringer ist als bei ambulant gepflegten, insgesamt werden pflegebedürftige aber häufiger mit CGM versorgt als nichtpflegebedürftige MmD derselben Altersgruppe (Ü70). Der Einsatz von Pumpen und AID ist bei über 70-Jährigen insgesamt noch sehr wenig verbreitet.

Pumpe/AID, CGM, ICT oder Behandlung nur mit Insulin: hier ein Therapievergleich bei Menschen mit Diabetes ab 70 Jahren.

Perspektive

Aus Sicht der Krankenkasse sollte die Zukunft der Diabetologie in Deutschland integriert, digital und sektorenübergreifend gedacht werden. In den aktuellen Reformgesetzen – KHVVG/KHAG (stationär) und GVSG (ambulant) – spielt die Diabetologie jedoch kaum eine Rolle. Sektorenübergreifende Chancen bleiben ungenutzt und das "digitale DMP" stagniert. Dabei könnte die Diabetologie, getragen von Diabetes-Technologie als Entwicklungstreiber, Vorreiter einer integrierten, digitalen und qualitätsorientierten Versorgung in Deutschland sein.

Text: Dr. rer. soc. Christian Graf , Geschäftsbereichskoordinator Versorgung, BARMER, Wuppertal.

Save the date: diatec 2026
Unter dem Motto "Interoperabilität - mehr als Technik?!" findet vom 22. bis 24. Januar 2026 im H4 Hotel Berlin, Alexanderplatz die diatec 2026 statt. Teilnehmer können auch virtuell an der Tagung teilnehmen. Das erwartet die Teilnehmer:
  • Fortbildung zu neusten Entwicklungen der Diabetestechnologie (z. B. Interoperabilität, AID-Systeme, KI für die Praxis)
  • Impulsvorträge (z. B. Digitale Zusammenarbeit, die funktioniert! Interoperabilität im Praxisalltag)
  • Workshops (z.B. CGM, AID, DiGAs)
  • Podiumsdiskussionen (z. B. "Digital, individuell, bezahlbar")
  • Fallbeispiele (z. B. Diabetesmanagement in der Schwangerschaft)
  • Austausch
  • Industrieausstellung
  • Hackathon
Anmeldung unter: https://diatec-fortbildung.de

Autoren:
Prof. Kulzer, Dr. Graf, PD Ehrmann, Prof. Hermanns, Dr. Eiswirth, Dr. Heinemann


Erschienen in: Diabetes-Forum, 2025; 37 (6) Seite 20-25