Wie gut sind internistische Patienten gegenwärtig in Deutschland versorgt? Diese Frage stand im Fokus einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Der DGIM ging es im April wie vielen anderen Fachgesellschaften: Sie musste ihren Jahreskongress absagen, der sonst alljährlich über 8.000 Internisten nach Wiesbaden lockt. Die Kongress-Pressekonferenz fand dennoch statt – erstmals online und mit rund 70 Journalisten als Zuhörer. Ihre Fragen konnten die Teilnehmer in einem Live-Chat stellen.

Kliniken und Praxen im Notbetrieb

Zahlreiche Kliniken und Praxen arbeiten derzeit im Notbetrieb, planbare Operationen werden verschoben. Und wer als Patient nicht unbedingt muss, macht um Klinik und Praxis momentan am besten einen großen Bogen. Aber genau das ist das Problem. Denn viele Menschen begeben sich deshalb nicht rechtzeitig in ärztliche Behandlung, obwohl dies erforderlich wäre. Die DGIM rechnet hier nun mit vermehrten Todesfällen, weil derzeit zum Teil auch lebensbedrohliche Beschwerden unbehandelt blieben.

Die Fachgesellschaft spricht hier von den "stillen Opfern" der Corona-Krise. Dabei seien die rund 150.000 internistischen Krankenhausbetten in Deutschland, in denen pro Jahr 7 Mio. Menschen behandelt werden, auch weiter für Patienten gedacht, die wegen akuter internistischer Probleme wie Herzinfarkt oder Krebs eine Behandlung benötigten.

Notwendige Behandlungen nicht aufschieben

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin empfiehlt zwar, unnötige Besuche beim Arzt zu vermeiden, bei ernsthaften Beschwerden jedoch dringend ärztlichen Rat zu suchen und medizinisch notwendige Behandlungen nicht einfach ohne Absprache mit dem Arzt aufzuschieben.

"Wir müssen jetzt den Spagat hinbekommen, Krankenhäuser vorsichtig wieder zu öffnen", erklärte der DGIM-Vorsitzende Prof. Dr. Jürgen Floege bei der Videokonferenz – natürlich ohne zu risikieren, dass sich die stationären Patienten mit dem neuen Virus infizieren. "Wir können nicht so weitermachen wie im Augenblick. Ich bin mehrfach durch die Notaufnahme gelaufen, ich habe das noch nie so erlebt – da ist fast niemand, nur eine Handvoll Patienten", berichtete der Klinikdirektor aus Aachen. "Wir sind ins andere Extrem umgeschlagen."

Telemedizin als Alternative

Als gute Alternative sieht Prof. Dr. Markus Lerch, Vorstandsmitglied der DGIM, die kontaktlose Versorgung für vorerkrankte, immungeschwächte Patienten ohne akute Beschwerden. So arbeiten schon viele internistische Praxen mit Telefon- und Videosprechstunden. Auf einen großen Ansturm an Covid-19-Patienten sind die Kliniken weiter gefasst, halten dafür eine Großzahl an Krankenhaus- und Intensivbetten frei. "Das heißt aber nicht, dass nicht auch weiterhin Kapazitäten für akut oder chronisch kranke Patienten zur Verfügung stehen", so Floege.


Autorin: Angela Monecke
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Erschienen in: Diabetes-Forum, 2020; 32 (5) Seite 8