Wie denken Deutschlands Diabetes-Experten über die Videoschulung? Eine aktuelle Online-Umfrage will dies für Schwerpunktpraxen und Kliniken klären.

Die Online-Befragung von Diabetologen, Diabetesberaterinnen- und assistentinnen zur Diabetes-Gruppenschulung per Videokonferenz haben das wissenschaftliche Institut der niedergelassenen Diabetologen (winDiab), der Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD), das Forschungsinstitut der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) und der Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND) gemeinsam angeregt (siehe dazu auch die VDBD-eigene Blitzumfrage).

Gefragt wird etwa, ob schon mal eine Videoschulung durch die betreffende Person angeboten wurde (vgl. Kasten), und wie deren Haltung zur Online-Schulung aussieht – während der Corona-Krise, und auch generell. Mehrere Fragen zur Einschätzung der Patienten, was deren Teilnahme an Videoschulungen angeht, schließen sich an. 350 Personen aus Deutschlands diabetologischen Schwerpunktpraxen und Kliniken hatten im Mai schon geantwortet. Eine Auswertung soll im Juni erfolgen.

Videoanbieter-Liste der KBV
Eine Liste der Videodienstanbieter, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zertifiziert wurden, steht auf der KBV-Website bereit. DÄrztinnen und Ärzte können aus der Liste einen zertifizierten Anbieter aussuchen, der auch für eine Videoschulung aufgrund der End-to-End-Verschlüsselung geeignet ist.

Chancen und Grenzen

„Klar geworden ist, dass wir zusammen in den letzten Jahren eine sehr hohe Kompetenz in der Durchführung von Präsenzschulungen entwickelt haben. Wir sind diejenigen, die die besten Voraussetzungen für die Entwicklung von Online-Angeboten mitbringen und beurteilen können, mit wem und wie sie angemessen und gut durchführbar sind“, betont Dr. Matthias Kaltheuner, Geschäftsführer von winDiab. „Wir haben viel gelernt, was Videokonferenzen und Videosprechstunden angeht. Und werden uns weiter mit der Frage beschäftigen: Wo sind die Chancen für neue Methoden?“

Der digitale Wandel habe aber auch Grenzen, sagt er. „Alle neuen Schulungskonzepte leben von der menschlichen Interaktion – zwischen Dozent und Teilnehmern sowie den zu Schulenden untereinander – und nicht von der reinen Wissensvermittlung, die man einem Video entnehmen kann.

„Viele Patienten verfügten auch nicht über die passende IT-Ausstattung, die meisten hätten als einziges IT-Gerät lediglich ein Smartphone.“ Doch anderthalb bis 2 Stunden mit einem solch kleinen Display eine Online-Schulung zu absolvieren sei schwierig – ob jung oder alt. Kaltheuner schlägt hier einzelne Module zu Spezialthemen vor, die man relativ schnell und flexibel anbieten könne, wie Hypo-Wahrnehmungstrainings – viel sei hier möglich. „Wir müssen uns um die Chancen und Möglichkeiten bemühen, aber auch die Limitationen sehen“, erklärt er.


Autorin: Angela Monecke
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Erschienen in: Diabetes-Forum, 2020; 32 (6) Seite 8-9