Zentraler Baustein für eine erfolgreiche Behandlung der Adipositas ist das Gespräch zwischen Behandler und Patient. Viele Menschen tun sich schwer, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen und aufrechtzuerhalten.¹ Deshalb ist es wichtig, dass sich der adipöse Patient mit seinen Problemen vom Arzt verstanden und angenommen fühlt, um gemeinsam realistische Behandlungsziele festzulegen.

Stigmatisierung in Bevölkerung und Gesundheitswesen führt zu Selbstverurteilung

Wie eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Arzt und Patient funktioniert und was medikamentöse Therapien wie zum Beispiel Liraglutid 3mg (Saxenda®) zu einer langfristigen Gewichtsreduktion beitragen können, diskutierten Experten auf der Presseveranstaltung* am 16. April 2018 im Rahmen des DGIM in Mannheim. Stigmatisierende Einstellungen gegenüber Menschen mit Adipositas finden sich nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch im Gesundheitswesen.² Starkes Übergewicht wird häufig als selbstverschuldetes Problem der persönlichen Lebensführung eingestuft und den Betroffenen fehlende Willensstärke und Selbstkontrolle unterstellt.² „Das führt im Gegenzug oft zur Selbststigmatisierung. Die Patienten werten sich ab und zeigen sich selbst gegenüber ein benachteiligendes Verhalten“, berichtet Prof. Dr. Martina de Zwaan, Hannover. Eine solche Selbststigmatisierung geht mit depressiven Symptomen, Ängsten, geringem Selbstwertgefühl, Essstörungen, sozialen Problemen und einen reduzierten Lebensqualität einher.² Mangelndes Verständnis auf ärztlicher Seite und selbstverurteilende Tendenzen beim Patienten können Hürden im Arzt-Patienten-Gespräch und damit Barrieren für die effektive Behandlung einer Adipositas darstellen.² ³

Den Dialog anstoßen und gestalten

Darüber hinaus glauben die meisten Betroffenen, dass sie alleine dafür verantwortlich sind, abzunehmen und suchen keine Hilfe beim Arzt.² ⁴ Bei fast der Hälfte wird die Erkrankung nicht formal diagnostiziert.⁵ ⁶ „Es ist wichtig, dass wir als Ärzte den Dialog anstoßen, Unterstützung anbieten und im Gespräch mit dem Patienten eine maßgeschneiderte Therapie entwickeln“, so de Zwaan. „Voraussetzung hierfür ist eine vorurteilsfreie und nicht stigmatisierende Haltung seitens des Arztes.“ Unterstützung bei der Gesprächsführung bietet zum Beispiel ein Leitfaden für Behandler, der an der Universität Leipzig entwickelt wurde. Demnach gliedert sich ein erfolgreiches Arzt-Patienten-Gespräch in fünf Schritte: ASK (Befragung), ASSESS (Erhebung), ADVISE (Beratung), AGREE (Einigung) und ASSIST (Betreuung).⁷ Grundsätzlich sei eine motivierende Gesprächsführung wichtig: Empathie zeigen, offene Fragen stellen und aktiv zuhören, erläutert die Expertin.

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„Keine Frage der Schuld, sondern eine komplexe chronische Erkrankung“

Eine langfristig erfolgreiche Therapiestrategie sollte gemeinsam im Arzt-Patienten-Gespräch erarbeitet werden. Dabei ist es wichtig, Ziele zu setzen. Bei den meisten Patienten reicht das Basisprogramm aus Ernährungs-, Bewegungs-, und Verhaltenstherapie nicht aus, um dauerhaft Gewicht zu verlieren.¹ „Denn die Regulation des menschlichen Essverhaltens ist ein äußerst vielschichtiger Vorgang, der sowohl homöostatische als auch hedonische Aspekte beinhaltet“, erläutert Prof. Dr. Sebastian Schmid, Lübeck. So spielen neben körperlichen Bedürfnissen auch psychologische Faktoren, wie zum Beispiel Gefühle, Stimmungen, Setting oder Traditionen, eine große Rolle. „Adipositas ist keine Frage der Schuld, sondern eine komplexe chronische Erkrankung, die unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden sollte“, so Schmid.

Liraglutid 3 mg als medikamentöse Option der Gewichtsreduktion

Sobald Menschen abnehmen, steuert ihr Körper durch ein erhöhtes Hungergefühl und/oder einen reduzierten Energieverbrauch entgegen, um diesen Sollwert halten zu können.⁸ „Die medikamentöse Therapie mit Liraglutid 3 mg kann hier eine therapeutische Lücke schließen“, so Schmid. Liraglutid ist zu 97 % homolog zur Aminosäuresequenz des im menschlichen Körper vorkommenden humanen GLP-1. Es reguliert den Appetit durch eine Steigerung des Völle- und Sättigungsgefühls und eine Reduzierung des Hungergefühls und des Wunsches nach Nahrungsverzehr und führt so zu einer geringeren Nahrungsaufnahme. Ursächlich dafür könnte sein, dass Liraglutid in für die Appetitregulation assoziierten Hirnregionen aufgenommen wird, was in tierexperimentellen Studien gezeigt werden konnte.⁹

Aktuelle 3-Jahresdaten zeigen, dass mit Liraglutid 3 mg behandelte Studienteilnehmer, in Kombination mit einer kalorienreduzierten Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität, nach 160 Wochen mehr Gewicht verloren haben, als diejenigen unter Placebo. Während der Gewichtsverlust bei den mit Liraglutid 3 mg behandelten Teilnehmern 6,2 % betrug, waren es in der Placebo-Gruppe nur 1,8 %.⁹ Die Behandlung mit Liraglutid 3 mg konnte darüber hinaus im Vergleich zu Placebo kardiometabolische Risikofaktoren wie Hypertonie und hohe Cholesterinwerte signifikant verbessern sowie das Auftreten von Typ 2 Diabetes im Vergleich zu Placebo (nur kalorienreduzierte Ernährung und verstärkte körperliche Aktivität) verzögern.¹⁰


* Presseveranstaltung von Novo Nordisk „Adipositas erfolgreich behandeln: Arzt-Patienten-Kommunikation im Fokus“, 16. April 2018, im Rahmen des 124. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Mannheim


Literatur
1. Mann T et al. Am Psychol 2007; 62:220–233
2. Hilbert A et al. Adipositas 2013; 7: 150–153
3. Ruelaz AR, et al. Gen Intern Med 2007; 22:518–52
4. Puhl RM, & Heuer CA. Am J Public Health 2010; 100:1019
5. Obesity and Overweight. Centers for Disease Control and Prevention. Online verfügbar unter: https://www.cdc.gov/nchs/fastats/obesity-overweight.htm. Zuletzt abgerufen: März 2018
6. Kaplan LM, Golden A, Jinnett K, et al. Obesity. 2017
7. Universität Leipzig, Medizinische Fakultät, 5A Adipositas Management, Leitfaden für Behandler. Online verfügbar unter: http://ifb-adipositas.de/download/5a-adipositas-management-manual-fuer-behandler. Zuletzt abgerufen: April 2018
8. Kern W. Adipositas 2017; 11(2): 100–107
9. Fachinformation Saxenda®, aktueller Stand
10. Fujioka K GF, Krempf M, le Roux C, Vettor R, Shapiro Manning L, Lilleøre S, Astrup. Liraglutide 3.0 mg Reduces Body Weight and Improves Cardiometabolic Risk Factors in Adults with Obesity or Overweight and Prediabetes: the SCALE Obesity and Prediabetes Randomized, Double-blind, Placebo-controlled 3-year Trial. ENDO 2016

Quelle: Pressemitteilung von Novo Nordisk