Bei Typ-2-Diabetikern ≥ 65 Jahre mit leicht eingeschränkter Nierenfunktion senkte der zusätzlich zur Standardtherapie gegebene DPP-4-Hemmer Sitagliptin den HbA1c-Wert im Vergleich zum Ausgangswert stärker als der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin. Unter Sitagliptin erreichten auch mehr Patienten den HbA1c-Zielwert von <7,0 Prozent. Dies zeigten die Ergebnisse eine Post-hoc-Analyse der CompoSIT-R-Studie.

Ein Diabetes mellitus Typ 2 tritt meist bei älteren Patienten auf, in den USA sind beispielsweise rund 45 Prozent der Typ-2-Diabetiker 65 Jahre oder älter. Fast die Hälfte dieser Patienten (48 Prozent) weist eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion mit einer errechneten glomerulären Filtrationsrate zwischen ≥60 und <90 ml/min pro 1,73 m² auf.

Die CompoSIT-R-Studie

In die CompoSIT-R-Studie waren über 25 Jahre alte Patienten mit Typ-2-Diabetes aufgenommen worden, die eine eGFR zwischen ≥60 und <90 mg/ml pro 1,73 m² hatten und deren HbA1c-Wert unter einer Therapie mit Metformin allein oder in Kombination mit Sulfonylharnstoff nicht ausreichend kontrolliert werden konnte (HbA1c-Wert ≥7,0 bis ≤9,5 Prozent). Randomisiert erhielten sie zusätzlich zu ihrer bisherigen Therapie doppelblind über 24 Wochen Sitagliptin (100 mg/Tag; n=307) oder Dapagliflozin (5 mg/Tag, nach 4 Wochen 10 mg/Tag; n=306).

Im primären Wirksamkeitsendpunkt der Studie war Sitagliptin (Handelsname Januvia) nach 24 Wochen signifikant besser als Dapagliflozin: Es senkte den HbA1c-Wert im Mittel (LS=Least Squares) im Vergleich zum Ausgangswert um 0,51 Prozentpunkte, während er unter Dapagliflozin um 0,36 Prozentpunkte abnahm. Der Unterschied von 0,15 Prozentpunkten war statistisch signifikant (p=0,006) [1].

Sitagliptin und Dapagliflozin bei älteren Patienten

Post hoc wurden nun die Daten aller randomisierten Teilnehmer der CompoSIT-R-Studie analysiert, die 65 Jahre oder älter waren. Dies waren 210 Teilnehmer (110 Männer, 100 Frauen) aus der Sitagliptin- und 200 Teilnehmer (119 Männer, 81 Frauen) aus der Dapagliflozin-Gruppe. Das Durchschnittsalter betrug rund 72 Jahre, der mittlere HbA1c-Ausgangswert lag bei 7,7 Prozent, die mittleren eGFR bei 79,2 bzw. 76,4 ml/min pro 1,73 m².

Nach 24 Wochen Therapie war der HbA1c-Wert in der Sitagliptin-Gruppe um 0,48 Prozentpunkte und in der Dapagliflozin-Gruppe um 0,36 Prozentpunkte im Vergleich zum Ausgangswert gesunken. Sitagliptin senkte den HbA1c-Wert im Vergleich zu Dapagliflozin um 0,12 Prozentpunkte stärker. Mit Sitagliptin erreichten 79 von 210 Patienten (41,1 Prozent) den HbA1c-Zielwert unter 7,0 Prozent, mit Dapagliflozin waren es 49 von 200 Patienten (28,2 Prozent).

Diese Ergebnisse der Post-hoc-Analyse wurden auf einem Poster bei der Jahrestagung der American Diabetes Association in San Francisco vorgestellt [2].

Sitagliptin und Dapagliflozin wurden im Allgemeinen gut vertragen. Die Hypoglykämie-Rate war in beiden Gruppen ähnlich. In der Dapagliflozin-Gruppe kam es häufiger zu therapiebedingten Harnwegsinfektionen und Pilzinfektionen im Genitalbereich.

Fazit

Die Post-hoc-Analyse zeigte für Sitagliptin und Dapagliflozin bei älteren Typ-2-Diabetikern (≥65 Jahre) mit leichter Einschränkung der Nierenfunktion ähnliche Ergebnisse wie in der Gesamtgruppe der Patienten der CompoSIT-R-Studie: Die Behandlung mit Sitagliptin zusätzlich zur Standardtherapie senkte den HbA1c-Wert stärker als die zusätzliche Therapie mit Dapagliflozin – bei vergleichbarer Verträglichkeit beider Therapien.


Literatur
[1] Scott R, et al. A randomized clinical trial of the efficacy and safety of sitagliptin compared with dapagliflozin in patients with type 2 diabetes mellitus and mild renal insufficiency: The CompoSIT-R study. Diabetes Obes Metab. 2018;2876-2884.
[2] Raji A, et al. Efficacy and safety of sitagliptin compared with dapagliflozin in people ≥ 65 years old with type-2-diabetes. Jahrestagung der American Diabetes Association, San Francisco, 7.-11. Juni 2019, Poster 1119-P

Quelle: Presseinformation von MSD