Mit Professor Dr. Dr. med. habil. Markolf Hanefeld, geboren am 19.09.1935 in Riesa, ist am 28.01.2026 ein ganz Großer der deutschen, aber auch internationalen Diabetologie einige Wochen nach seinem 90. Geburtstag in Dresden von uns gegangen. Er bleibt uns in Erinnerung als ein exzellenter Wissenschaftler und Arzt, der sich herausragend für die Diabetologie engagiert hat. Viele, einschließlich der Autor dieses Nachrufs, haben damit einen wunderbaren, treuen Freund verloren. Wir trauern um ihn und in Verbundenheit mit seiner lieben Frau Ingrid, seinen Töchtern Heike und Silke sowie der Enkeltochter Ruth und deren Familie.

Markolf Hanefeld machte 1954 in Nossen Abitur und studierte von 1954 bis 1959 Medizin an der Universität Leipzig sowie an der Medizinischen Akademie Dresden. 1961 wurde ihm die ärztliche Approbation in Dresden erteilt. Schon mit seiner Dissertation "Vergleichende Untersuchungen über die kapillar-venöse Blutzuckerdifferenz unter besonderer Berücksichtigung des Hungergefühls", 1961 an der Medizinischen Akademie Dresden bei Professor Dr. Hans Haller betrat Markolf Hanefeld das komplexe Gebiet der Diabetes- und Stoffwechselkrankheiten.

Wegbereiter der Erforschung des metabolischen Syndroms

Diese Forschungslinie setzte sich mit seiner Habilitationsarbeit "Untersuchungen der Wechselbeziehungen zwischen Lipidstoffwechsel und Leberkrankheiten", 1973 an der Medizinischen Akademie Dresden, weiter fort und erwies sich als wegweisend in Richtung des metabolischen Syndroms, wie wir es heute kennen. Eine wichtige Erkenntnis dieser Arbeiten war, dass die "kryptogene Fettleber" vor allem das Symptom von Glukosetoleranzstörungen und Fettstoffwechselstörungen bis hin zur Entstehung von arteriosklerotischen Gefäßkrankheiten war.

1981 veröffentlichte Markolf Hanefeld gemeinsam mit Dr. Wolfgang Leonhardt das erste Übersichtsreferat über das metabolische Syndrom, das eine klare Definition und Darlegung des Konzeptes enthielt. Die besondere implizite Rolle der postprandialen (Hyper-)Glykämie bei Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen rückte dabei früh in den Fokus und wurde zu einem zentralen Arbeitsthema der letzten Jahrzehnte von Hanefeld und seiner Gruppe. Die erzielten Forschungsergebnisse wurden jeweils – zuletzt 2025 (!) – bei den jährlich im Spätherbst in Dresden oder Radebeul stattfindenden Symposien zum Metabolisch-Vaskulären Syndrom der internationalen wissenschaftlichen Diskussion ausgesetzt und anschließend publiziert, so z. B. in "Diabetes, Stoffwechsel und Herz".

Legendär waren diese Symposien auch durch die von Tochter Heike Hanefeld perfekt inszenierten, kulturellen Veranstaltungen bis hin zu Tanzvergnügen. Dies war Markolf Hanefeld genauso wichtig wie das morgendliche körperliche Training beim Joggen oder Schwimmen mit gleichgesinnten Kollegen, gerade auch bei den kleineren oder größeren Meetings rund um die Welt. Nicht wenige innovative Forschungsansätze wurden bei diesen Gelegenheiten geboren. Seine wissenschaftliche Neugier und Ausdauer zeigte sich auch bei weltweiten Kulturreisen mit seiner Frau und mit Freunden sowie seiner Leidenschaft, Holzmasken ferner Völker zu sammeln.

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Abb. 1: Hellmut-Mehnert-Award 2019 an Markolf Hanefeld (re.) gemeinsam mit Lars Rydèn (2. von li.). Hellmut Mehnert (Mitte), Rury R. Holman (2. von re.) und Eberhard Standl (li.) als Mitglieder des Hellmut-Mehnert-Award-Komitees freuen sich mit ihm.

Auszeichnung für Lebenswerk

Markolf Hanefeld konnte auf eine lebenslange, weltweit erfolgreiche akademisch-wissenschaftliche Karriere blicken. 1984 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor und zugleich zum Leiter der Abteilung für Stoffwechselkrankheiten und Endokrinopathien an der Medizinischen Akademie Dresden. 1986 folgte dort die Berufung zum Professor für Innere Medizin. Nach der "Wende" 1996 wurde er Direktor des Institutes und der Poliklinik für Klinische Stoffwechselforschung am Universitätsklinikum Dresden. Nach seiner Emeritierung im Oktober 2000 wurde Markolf Hanefeld Direktor des Zentrums für Klinische Studien, Forschungsbereich Endokrinologie und Stoffwechsel Dresden (GWT-TUD mbH). 2007 erhielt er die Paul-Langerhans-Medaille als höchste Auszeichnung der Deutschen Diabetes Gesellschaft und 2019 den globalen Hellmut-Mehnert-Award für sein Lebenswerk, gemeinsam mit dem Kardiologen Professor Lars Rydén vom Karolinska Krankenhaus in Stockholm, Schweden (siehe Abbildung). Nicht zuletzt wurden damit seine Verdienste bei der Durchführung der Dresdener Diabetes-Interventions-Studie geehrt sowie seine enormen Beiträge mit großen Patientenkollektiven zum Erfolg von vielen der großen internationalen kardiovaskulären Outcome-Studien, die heute für den enormen Fortschritt in der Behandlung des Typ-2-Diabetes verantwortlich sind.

Medizin als Berufung, Familie als Halt

"Sein Leitstern war die Medizin" schreibt die Familie auf der Todesnachricht, was seine vielen akademischen Freunde auf der ganzen Welt nur bestätigen können. Verankert in seiner Familie war er mit Leib und Seele Arzt und medizinischer Forscher. Für seine Patienten war Markolf Hanefeld ein äußerst empathischer, kenntnisreicher Arzt, für seine Kollegen ein immer verlässlicher und zugewandter wissenschaftlicher Partner und Freund. Beim Telefonat anlässlich seines 90. Geburtstags sprach er mit letzter Stimme, wie sehr er den Wert eines erfüllten und gelungenen Familienlebens als das ihn tragende Fundament schätzt, aber auch die weltweite Vernetzung und Anerkennung durch seine ärztlich-wissenschaftlichen Peers.

Wir werden ihn in Ehren halten. Seine Worte hallen nach!

Eberhard Standl


Korrespondenzaddresse:
Prof. Dr. Eberhard Standl FESC
Forschergruppe Diabetes e. V. am Helmholtz Zentrum München
Vice Chair EASD Study Group "Diabetes & Cardiovascular Disease"
Past President IDF Europe


Erschienen in: Diabetes, Stoffwechsel und Herz, 2026; 35 (2) Seite 118-119