Professor Dr. med. Berend Willms, geboren am 11. Oktober 1935 in Lüdenscheid, ist am 7. März 2026 90-jährig in Bad Lauterberg im Harz gestorben. Nach Medizinstudium und zwei Jahren biochemischer Forschung erhielt er seine klinische Ausbildung an der Medizinischen Universitätsklinik Göttingen bei Professor Dr. med. Werner Creutzfeldt. 1970 habilitierte er sich für Innere Medizin, 1971 wurde er für seine wissenschaftlichen Arbeiten von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) mit dem Ferdinand-Bertram-Preis ausgezeichnet, 1976 wurde er zum außerplanmäßigen Professor der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen ernannt.

Von 1972 bis 2000 war er Leitender Arzt der Fachklinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten des Diabeteszentrums Bad Lauterberg im Harz, die er zu einem führenden Diabeteszentrum in Norddeutschland ausbaute. Um die Bedeutung der von Berend Willms angestoßenen und maßgeblich mitgestalteten und durchgesetzten Entwicklungen aus heutiger Sicht einschätzen zu können, sollte man sich in den Stand der Diabetesbehandlung in den 1970er-Jahren hineinversetzen: Die Zahl der Menschen mit Diabetes war viel geringer als heute (vergleichsweise mehr Typ-1-Diabetes), es gab kaum spezialisierte Krankenhausärzte und -abteilungen, auf jeden Fall keine mit einer allgemein anerkannten Qualifizierung. Es gab noch keine Diabetes-Schwerpunktpraxen oder eine anderweitig spezialisierte ambulante Versorgung. Die Zahl der Diabetesmedikamente war sehr begrenzt (Biguanide, Sulfonylharnstoffe, Insuline meist tierischen Ursprungs). Es gab erste Ideen zur Bedeutung einer gezielten Schulung von Diabetespatienten, aber keine entsprechenden Strukturen und keine qualifizierten Berufsgruppen, die diese aus unserer Sicht selbstverständliche Aufgabe hätten ausführen können. Ideen zu diesen Entwicklungen lagen damals in der Luft und wurden von verschiedenen Seiten angestoßen, z. B. 1970 von Jean-Philippe Assal (Genf) und von Michael Berger (Düsseldorf).

Die ersten Vorreiter für eine fachlich ausgereiftere Diabetesbehandlung waren die Diabeteskliniken bzw. -fachabteilungen. In der von Berend Willms aufgebauten Klinik in Bad Lauterberg gab es von Anfang an eine intensive Einbeziehung der Patienten in die Behandlungsvorgänge: Dabei spielten Ernährungsberatung, Stoffwechselselbstkontrolle (damals nass-chemische Urinzuckermessungen, Teststreifen gab es noch nicht) und Schulungsmaßnahmen bereits eine Rolle. Im Sinne einer echten Pionierarbeit mussten Details aber erarbeitet und weiterentwickelt und das ganze Vorgehen besser strukturiert werden. Auch das Fachwissen über die in dieser Zeit neu entwickelten Diabetesmedikamente musste gesammelt und gebündelt werden. Das wäre außerhalb spezialisierter Behandlungseinrichtungen nicht denkbar gewesen. Aus diesen Bemühungen entstanden im Laufe der Zeit strukturierte Schulungsmaßnahmen, das neue Berufsbild der Diabetesberaterinnen und -berater, die Weiterbildung zu auf Diabetestherapie spezialisierten Ärztinnen und Ärzten, und die Einbindung von Qualitätsmanagement in die Diabetesbehandlung. In allen diesen Bereichen hat Berend Willms eine sehr aktive Rolle gespielt und dabei auch in verschiedenen Funktionen innerhalb der Deutschen Diabetes Gesellschaft zum Fortschritt maßgeblich beigetragen:

Im Jahre 1978 übernahm Berend Willms den Vorsitz des neu gegründeten Ausschusses "Laienarbeit" der Deutschen Diabetes Gesellschaft, den er bis 1989 inne hatte. Heute ist dieser Ausschuss für "Qualitätssicherung, Schulung und Weiterbildung" zuständig. Berend Willms gelang es in dieser Funktion, bereits 1983 einen ersten Weiterbildungskurs zur "Diabetesberater*in DDG" ins Leben zu rufen. Daraus wurde die erste Stütze einer professionellen Diabetesbehandlung im Team aus Ärztinnen und Ärzten sowie medizinischen Assistenzberufen. 1994 folgten die ersten "Diabetesassistent*innen DDG".

Später folgte ein Weiterbildungs-Curriculum zur "Diabetolog*in DDG" (erste Absolventinnen und Absolventen 1995). Bis dahin gab es keine formal auf Diabetesbehandlung fokussierten Ärztinnen und Ärzte. Die Landesärztekammern hatten damals die Notwendigkeit für eine derartige Spezialisierung nicht gesehen. Deshalb entstand der Vorschlag, eine "vereinsinterne Qualifikation" zu schaffen, um den offensichtlichen Bedarf zu decken. Sehr rasch waren Diabetologinnen und Diabetologen der DDG sehr gefragt, in spezialisierten Klinikabteilungen genauso wie später in auf die Diabetesbehandlung fokussierten Praxen. Nur so war der Siegeszug der Diabetes-Schwerpunktpraxen möglich geworden, da die in Deutschland traditionell niedrige Anzahl von Internisten mit Schwerpunkt Endokrinologie die Versorgung nicht hätte sicherstellen können. Die Zusatzbezeichnung Diabetologie der Ärztekammern kam im Schatten des Erfolges der "Diabetolog*in DDG" viel später, nämlich ab 2003 (Ärztekammer Nordrhein). Die entscheidenden Weichen konnte Berend Willms in seiner Zeit als DDG-Vorstandsmitglied (1981 bis 1983 und 1988 bis 1992) und als DDG-Präsident (1991/92) stellen. Wer damals teilgenommen hat, erinnert sich sicher gerne an den von Berend Willms gestalteten und geleiteten DDG-Jahreskongress 1992 in Hannover, der neben wissenschaftlichen auch einige kulturelle Höhepunkte geboten hat. Ich erinnere mich an Bodypainting in der Wandelhalle des Kuppelsaals.

Nicht zuletzt für die Verdienste um die aktive Gestaltung der Curricula zu den Weiterbildungen "Diabetesberater*in DDG" und "Diabetolog*in DDG" erhielt Berend Willms die Gerhard-Katsch-Medaille 1991. 2001 erhielt er die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Bereits während seiner aktiven Zeit, aber auch darüber hinaus, war Berend Willms erfolgreich publizistisch tätig: 1992 gründete er zusammen mit Eberhard Standl die Zeitschrift "Diabetes und Stoffwechsel", damals das offizielle Organ der Deutschen Diabetes Gesellschaft, im Jahre 2000 zusammen mit Michael Nauck den Diabetes-Newsletter und im Jahre 2002 zusammen mit Lutz Heinemann die Zeitschrift "Diabetes Congress Report". Er war jeweils Herausgeber und Chefredakteur.

Berend Willms war ein weitsichtig vorausschauender, pragmatisch anpackender, mitreißender und durchsetzungsfähiger Mensch, der viele Spuren in der Diabetologie hinterlassen hat. Er hat die Diabetologie zeit seines Wirkens in der Deutschen Diabetes Gesellschaft, aber auch in der deutschen Diabetologie im Allgemeinen, maßgeblich geprägt. Sein sicherer Blick für Entwicklungen, die aus seiner Sicht angestoßen, vorangetrieben, und vollendet werden sollten, hat die Entwicklung des Fachs Diabetologie zwischen den 1970er- und bis in die frühen 2000er-Jahre geprägt.

Ich persönlich verdanke Berend Willms viel. Ich habe eine gut durchstrukturierte Klinik von ihm übernehmen dürfen. Er war ein tatkräftiger, lebenslustiger, im Privaten wie bei beruflichem Handeln durch Optimismus und Selbstvertrauen geprägter Mensch, der der Kultur in allen ihren Ausprägungen sehr stark zugeneigt war. Gerne erinnere ich mich an vierhändiges Klavierspiel und Einladungen zur Hausmusik. Wir verlieren mit seinem Tod einen bedeutenden Vorreiter der Diabetologie, dessen Lebenswerk wir nicht vergessen werden!

Unser Mitgefühl gilt seinem Freundeskreis und insbesondere seiner Familie!


Professor Dr. Michael A. Nauck

Der Autor kommt aus derselben wissenschaftlichen "Schule" wie Berend Willms (Abteilung Professor Dr. W. Creutzfeldt, Universitätsklinik Göttingen) und folgte ihm im Jahr 2000 nach als Leitender Arzt des Diabeteszentrums Bad Lauterberg.

Dieser Nachruf ist primär im Auftrag des Vorstands der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erschienen in der Diabetes-Zeitung, 11. Jahrgang, Ausgabe 02/2026, S. 12


Erschienen in: Diabetes, Stoffwechsel und Herz, 2026; 35 (3) Seite 188-189