Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat gemeinsam mit der Europäische Gesellschaft für Atherosklerose (EAS) 2025 ein fokussiertes Update der ESC/EAS-Leitlinien zur Behandlung von Dyslipidämien aus dem Jahr 2019 veröffentlicht, das neue Evidenz berücksichtigt.

Risikoabschätzung und Zielwerte

Für die erste Risikostratifizierung wird statt des SCORE-Algorithmus nun der SCORE2 empfohlen. Das Modell schätzt das 10-Jahres-Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei scheinbar gesunden Personen unter 70 Jahren ein, für ältere Personen steht der SCORE2-OP zur Verfügung. Darauf aufbauend wurden die Risikokategorien neu definiert. Während die LDL-Cholesterin-Zielwerte grundsätzlich unverändert geblieben sind, wurde die Kategorie "extremes Risiko" neu in die Risikodarstellung aufgenommen (Abbildung 1). Für diese Gruppe wird ein LDL-Cholesterin-Wert unter 40 mg/dl (1,0 mmol/l) angestrebt. Risikomodifikatoren wie demographische Merkmale, Komorbiditäten und Biomarker (LP(a), hsCRP) beeinflussen die Risikostratifizierung und dienen als Entscheidungshilfen für LDL-Ziele und lipidsenkende Maßnahmen. Lipoprotein(a)-Werte über 50 mg/dl (etwa 105 nmol/l) sollten dabei bei allen Erwachsenen als kardiovaskulärer risikoerhöhender Faktor betrachtet werden.

Medikamentöse Lipidsenkung

In der Primärprävention wird eine medikamentöse LDL-Senkung bei hohem und sehr hohem Risiko sowie hohen LDL-Werten empfohlen. Bei deutlich erhöhtem LDL kann sie u. U. unabhängig vom aktuellen Risiko erwogen werden.

  • Werden die LDL-Zielwerte mit Statinen allein nicht erreicht, können Bempedoinsäure, Ezetimib und PCSK9-Hemmer allein oder in Kombination angewendet werden.
  • Bempedoinsäure wird bei Patienten mit Statinintoleranz sowie bei Personen mit hohem oder sehr hohem Risiko zusätzlich zur maximal verträglichen Statindosis empfohlen.
  • Evinacumab kann bei Patienten mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie erwogen werden, die trotz anderer lipidsenkender Therapien das LDL-Ziel nicht erreichen.

Abb. 1: Behandlungsziele für LDL-Cholesterin in den verschiedenen kardiovaskulären Risikokategorien [mod. nach Mach 2025].

Besondere Patientengruppen

Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom wird eine möglichst frühzeitige und intensive lipidsenkenden Therapie empfohlen. Bei hohem oder sehr hohem Risiko und erhöhten Triglyzeriden sollte hochdosiertes Icosapent-Ethyl mit einem Statin erwogen werden. Für Menschen mit HIV sowie Erwachsene mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko infolge einer Chemotherapie wird eine Statintherapie empfohlen. Von Vitaminen und Supplementen zur Lipidsenkung wird hingegen abgeraten.

Quelle: Mach F et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2025 Nov 7;46(42):4359-4378. doi: 10.1093/eurheartj/ehaf190. Erratum in: Eur Heart J. 2026 Feb 11;47(6):697. doi: 10.1093/eurheartj/ehaf10366-8



Autorin:
J. Seiffert, Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes, Stoffwechsel und Herz, 2026; 35 (5) Seite 303