Unermüdlicher Netzwerker der Herz-Kreislauf-Medizin – große Verdienste um Patientenaufklärung und Forschungsförderung

Martin Vestweber (64) wurde im Rahmen der 52. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) am 19. Juni 2026 die Peter-Beckmann-Medaille für sein Lebenswerk verliehen. Der vormalige Geschäftsführer der Deutschen Herzstiftung und Deutschen Stiftung für Herzforschung (2004 – 2025) erhielt die mit der Ehrenmitgliedschaft verbundene Auszeichnung in Anerkennung seines herausragenden, langjährigen Engagements für die Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

"Martin Vestweber hat in leitender Funktion über zwei Jahrzehnte hinweg die beeindruckende Entwicklung der Deutschen Herzstiftung zur größten deutschen Patientenorganisation im Herz-Kreislauf-Bereich entscheidend mitgeprägt. Parallel dazu hat er sich als Geschäftsführer der von der Herzstiftung 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung für die Förderung der patientennahen Herz-Kreislauf-Forschung eingesetzt. Im nationalen Netzwerk der modernen Herz-Kreislauf-Medizin nimmt die Deutsche Herzstiftung als Sprachrohr zur Öffentlichkeit heute zweifellos die Schlüsselrolle bei der Aufklärung über die Prävention, Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein", so DGPR-Präsident Dr. Eike Langheim in seiner Laudatio über den Preisträger.

Langheim skizzierte in seiner Rede nicht nur die einzelnen Etappen des beruflichen Werdegangs von Martin Vestweber, sondern zeichnete auch ein differenziertes Bild des hinter der Person stehenden Menschen. Die DGPR habe, so Langheim, durch die Deutsche Herzstiftung, und insbesondere durch ihn persönlich, immer große Wertschätzung erfahren.

Engagement in der Deutschen Herzstiftung

Martin Vestweber begann seine Tätigkeit in der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt am Main am 1. August 1990, zunächst als Sachbearbeiter "Informationsdienst". 1992 wurden ihm der Aufbau und die Leitung der Presseabteilung als Sprecher sowie der Fundraising-Abteilung anvertraut, die er beide bis 2004 führte. Parallel dazu fungierte er bereits ab 1998 als Stellvertretender Geschäftsführer. 2004 erfolgte die Ernennung zum Geschäftsführer unter dem Vorsitzenden Professor Dr. Hans-Jürgen Becker (1998 – 2010). Mit Professor Dr. Thomas Meinertz (2010 – 2018), Professor Dr. Dietrich Andresen (2018 – 2021, †) und Professor Dr. Thomas Voigtländer (2021 – heute) begleitete er die Amtszeit drei weiterer Vorsitzender in der noch relativ jungen Geschichte der 1979 gegründeten Deutschen Herzstiftung (DHS). In seinem Selbstverständnis als hauptamtlicher Dienstleister und Koordinator hat er dabei, insbesondere in den Anfängen, im Hintergrund die Fäden gezogen. Das Scheinwerferlicht überließ er meist den renommierten ehrenamtlichen Kardiologen und Wissenschaftlern im Vorstand und Wissenschaftlichen Beirat. Er trat zu Beginn nur selten, erst später gelegentlich vor die Kamera.

Die rasante Entwicklung der Organisation mit derzeit über 108 000 Mitgliedern ist eng mit der persönlichen Vita von Vestweber verknüpft. Die Geschäftsstelle in Frankfurt am Main beschäftigt heute rund 40 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben dem neunköpfigen Vorstand vereint der Wissenschaftliche Beirat aktuell über 500 führende Kardiologen, Herzchirurgen, Kinderkardiologen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei einer Bilanzsumme von knapp 69 Millionen Euro und einem Umsatz von rund 21 Millionen Euro entfielen 2025 rund 6,7 Millionen Euro auf die Forschungs- und Projektförderung.

© Intercongress/T. Tanzyna | Abb. 1 (v. l. n. r.): Dr. Melanie Hümmelgen (1. Vizepräsidentin), Martin Vestweber (Preisträger), Dr. Eike Langheim (Präsident), Dr. Norbert Henke (2. Vizepräsident).

Zusammenarbeit von DHS und DGPR

Im Rahmen der intensiven, über viele Jahre gewachsenen Zusammenarbeit zwischen DHS und DGPR wurden in jüngster Vergangenheit auch einige wichtige Projekte der DGPR ganz oder per Anteilsfinanzierung unterstützt, wie bspw. die "Herzgruppen-Studie" zu möglichen Komplikationen während der Trainingstherapie, die "CROS-Updates (Cardiac Rehabilitation Outcome Study)" zur Evaluation der multimodalen Rehabilitation nach akutem Koronarsyndrom bzw. koronarer Bypass-OP (CROS III) und für an Herzinsuffizienz erkrankte Menschen (CROS-HF II) oder die "Bestandsaufnahme und Weiterentwicklung der kardiologischen Rehabilitation von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH)". Seit 2018 vergibt die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der DGPR den mit 10 000 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Kurt und Erika Palm-Stiftung. Bereits seit 2012 wird der Deutsche Herzbericht als sektorenübergreifende Versorgungsanalyse der Kardiologie, Herzchirurgie und Kinderherzmedizin in Deutschland federführend von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) und für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) jährlich herausgegeben. In der 2023 gegründeten Nationalen Herz-Allianz (NHA) engagieren sich diese und weitere herzmedizinische Fachgesellschaften Deutschlands wie der Bundesverband niedergelassener Kardiologen (BNK) und die Arbeitsgemeinschaft Leitende Kardiologische Krankenhausärzte (ALKK) mit der DHS als Patientenvertretung gemeinsam für eine Verbesserung von Forschung und Versorgung im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Über das European Heart Network (EHN) forcierte Vestweber zudem die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene.

Vestweber betonte in seiner Erwiderung, dass er die Ehrung als Anerkennung für das gemeinsame Engagement und die vertrauensvolle Zusammenarbeit stellvertretend für die gesamte Deutsche Herzstiftung entgegennehme. Seine besondere und bis heute andauernde Verbindung als studierter Sportwissenschaftler mit der DGPR im Bereich der Rehabilitation basiere auf seinem anfänglichen Engagement als Übungsleiter in Herzgruppen. Dieses habe 1990 vermutlich nicht nur den Ausschlag für die Anstellung bei der Herzstiftung gegeben, sondern sei auch Grundlage für den engen Austausch mit den DGPR-Landesorganisationen nach seinem beruflichen Start gewesen. Die seinerzeit als "Arzt-Patienten-Seminare" gemeinsam durchgeführten Herzseminare fanden später ihre Fortsetzung in den heute fest etablierten "Herzwochen", die sich in vielen kardiologischen Rehakliniken und Herzgruppen der DGPR großem Zuspruch erfreuen. Mit Professor Dr. Max-Joseph Halhuber (ehemaliges Vorstandsmitglied der DHS) oder aktuell Professor Dr. Bernhard Schwaab als vormaliger DGPR-Präsident hätten immer besondere Persönlichkeiten der DGPR die Bereiche Prävention und Rehabilitation im DHS-Vorstand hervorragend repräsentiert und würden dies auch weiterhin tun. Auf gemeinsame Initiative der Herzstiftung und Schwaab hin erschien beispielsweise 2023 auch der erste Patienten-Ratgeber "Kardiologische Rehabilitation" der Deutschen Herzstiftung. Der umfassende Leitfaden beleuchtet alle Aspekte der Rehabilitation bei verschiedensten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von der erfolgreichen Antragsstellung über die wichtigsten Reha-Maßnahmen inklusive psychologischer Unterstützungsprogramme bis hin zur wohnortnahen Nachsorge in ambulanten Herzgruppen.

Die besonderen Verdienste Vestwebers wurden jüngst auch von anderen Fachgesellschaften gewürdigt. Zu den anlässlich seines Ausscheidens bei der Herzstiftung erhaltenen Auszeichnungen gehören die Bruno-Kisch-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) sowie die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).

Über den Preisträger

Martin Vestweber wurde am 17. August 1961 in Winterscheid (bei Marburg) geboren. Nach dem Besuch der Grundschule und des Gymnasiums legte er 1981 sein Abitur ab. Es folgte (bis 1983) eine Ausbildung bei der Bundeswehr zum Reserveoffizier in Kassel, Gießen, Aachen und Hannover. 1984 nahm er das Studium der Diplom-Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln auf, das er 1989 abschloss. Vor seinem Eintritt in die Deutsche Herzstiftung fungierte er von Januar 1989 bis Juli 1990 zunächst als Übungsleiter in verschiedenen südhessischen Sportvereinen, unter anderem bei der SG Weiterstadt (Herzgruppen), der SG Arheilgen (Leichtathletik) und der VSG Darmstadt (Herzgruppen, Spina bifida und Kinder mit Hydrocephalus). Martin Vestweber ist verheiratet, hat zwei Töchter und vier Enkelkinder.

Die Peter-Beckmann-Medaille

Die Peter-Beckmann-Medaille als höchste, mit der Ehrenmitgliedschaft verbundene Auszeichnung der DGPR ist benannt nach dem Arzt Dr. Peter Beckmann (* 1908; † 1990), Sohn des berühmten Malers Max Beckmann. Beckmann hatte Anfang der 1950er Jahre das Prinzip der Aktivierung chronisch Herzkranker in Deutschland entwickelt und damit der Bewegungstherapie zum Durchbruch verholfen. Als einer der Urväter der 1958 aus der Taufe gehobenen Vorläufer-Organisation, dem "Verein für Rehabilitation", begründete er auch die Geschichte der DGPR.


Korrespondenzadresse:
Peter Ritter
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen
Friedrich-Ebert-Ring 38, 56068 Koblenz
Tel.: 02 61/30 92 31, Fax: 02 61/30 92 32
E-Mail: info@dgpr.de


Erschienen in: Diabetes, Stoffwechsel und Herz, 2026; 35 (5) Seite 284-285