Für sein außergewöhnliches Engagement in der kardiologischen Rehabilitation hat die DGPR Prof. Dr. Bernhard Schwaab die Peter-Beckmann-Medaille verliehen. Prof. Martin Halle, Prof. Bernhard Rauch und Prof. Antonio Pelliccia erhalten den EAPC Lifetime Achievement Award als Auszeichnung für herausragende Verdienste um die präventive Kardiologie.
DGPR verleiht Peter-Beckmann-Medaille an Professor Bernhard Schwaab, Timmendorfer Strand
Überzeugter Verfechter der kardiologischen Rehabilitation – prägende Figur der letzten DGPR-Dekade
POTSDAM. Professor Dr. med. Bernhard Schwaab (63, Foto rechts), wurde im Rahmen der 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) am 16. Mai 2025 die Peter-Beckmann-Medaille für sein Lebenswerk verliehen. Der Chefarzt der Curschmann Klinik in Timmendorfer Strand und vormalige DGPR-Präsident (2019 – 2023), seit 2022 auch Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, erhielt die mit der Ehrenmitgliedschaft verbundene Auszeichnung in Anerkennung seines herausragenden, langjährigen Engagements für die DGPR und wegweisender Arbeiten für die kardiologische Rehabilitation.
© Intercongress/H. Unrau | Prof. Dr. med. Bernhard Schwaab (rechts) mit DGPR-Präsident Dr. med. Eike Langheim (links).
"Mit dir, lieber Bernhard, ehren wir heute eine der prägenden Figuren der zurückliegenden DGPR-Dekade. Eine beachtliche berufliche Karriere auf Basis einer fundierten akademischen Ausbildung und eines ausgeprägten Arbeitsethos, wegweisende Arbeiten für die Reha-Kardiologie und damit unser aller Tun, ein herausragendes und weit über das Normalmaß hinausgehende Engagement für die DGPR: Das sind nur einige der vielen guten Gründe, dich schon jetzt, noch mitten im Berufsleben stehend, zu ehren. Unser Dank ist natürlich verbunden mit der Hoffnung, dass wir noch weiterhin auf deine aktive Unterstützung zählen können", so DGPR-Präsident Dr. med. Eike Langheim (Foto links) in seiner sehr persönlich gehaltenen Laudatio über seinen Vorgänger im Präsidentenamt.
Schwaab begann seine Tätigkeit als Chefarzt in der Curschmann Klinik im Juni 2001. Von 2009 bis 2011 war er ärztlicher Direktor der Klinik Höhenried – Rehabilitationszentrum am Starnberger See. 2012 kehrte er auf seine Stelle als ärztlicher Leiter des Rehabilitationskrankenhauses für Kardiologie und Angiologie nach Timmendorfer Strand zurück. Somit bekleidete er Leitungsfunktionen in zwei der drei ältesten und renommiertesten deutschen Rehabilitationskliniken. Von der Universität zu Lübeck wurde die Curschmann Klinik 2006 als erste kardiologische Reha-Klinik in Deutschland als Akademisches Lehrkrankhaus anerkannt. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialmedizin der Universität zu Lübeck führte Schwaab die erste prospektive, kontrollierte Studie in Deutschland durch, die eine signifikante Reduktion klinischer Ereignisse durch die Teilnahme an einer kardiologischen Rehabilitation bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom und nach Bypass-Operation belegte. In Kooperation mit dem Universitären Herzzentrum Lübeck baut er seit 2023 das Herzinsuffizienz-Netzwerk der kardiologischen Reha-Kliniken in Norddeutschland auf.
Schwaab engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in zahlreichen medizinischen Fachgesellschaften. Von 2007 bis 2013 war er schon einmal Mitglied im Präsidium der DGPR, von 2010 bis 2013 als erster Vizepräsident. In diese Zeit fällt die maßgebliche Mitarbeit an der Entwicklung des Zertifikats "AHB-Klinik für herzkranke Diabetiker". Mitte 2019 von der Mitgliederversammlung kaum ins DGPR-Spitzenamt gewählt, führte er die Gesellschaft als Präsident kurz darauf bis 2023 mit Besonnenheit und Zuversicht durch die schwierige Zeit der Corona-Pandemie. Zwischen den beiden präsidialen Amtszeiten war sein Engagement für die DGPR ungebrochen und nicht minder arbeitsreich. Von 2014 bis 2020 fungierte er gemeinsam mit Prof. Dr. med. Bernhard Rauch als federführender Koordinator und Autor der in Kooperation mit den Fachgesellschaften aus Österreich und der Schweiz entwickelten S3-Leitlinie zur "Kardiologischen Rehabilitation im deutschsprachigen Raum Europas (D-A-CH)". Das Ergebnis der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit war auch Kernthema der 45. DGPR-Jahrestagung in Berlin, die er 2018 als Tagungspräsident (gemeinsam mit Prof. Dr. med. Christian Albus) leitete. Als DGPR-Präsident und nationaler Vorsitzender verantwortete er ebenso den Dreiländerkongress für kardiologische Rehabilitation 2022 in Freiburg.
Aufgrund seiner medizinisch-wissenschaftlichen Expertise war Schwaab als Mandatsträger der DGPR an wichtigen externen Leitlinien, Positions- und Konsensuspapieren beteiligt, so unter anderem an der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) "Infarkt-bedingter kardiogener Schock" (bis 2015), am DGK-Positionspapier "Psychosoziale Faktoren in der Kardiologie" (bis 2018), der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) "Chronische Herzinsuffizienz" (bis 2021) und der NVL "Chronische KHK" (bis 2024). Daneben war er federführend in die Entwicklung mehrerer DGPR-Behandlungspfade für spezielle Patientengruppen in der kardiologischen Rehabilitation involviert.
Als Gast-Autor verantwortete Schwaab die Reha-Kapitel in den Referenzwerken und Lehrbüchern "Sozialmedizinische Begutachtung für die gesetzliche Rentenversicherung" (Springer, 2011), "Lehrbuch Rehabilitationswissenschaften" (Hogrefe, 2022) "Referenz Herzchirurgie" (Thieme, 2023) und zuletzt "Klinische Kardiologie" (Springer-Verlag, 2024).
Um das überzeugende Leistungsspektrum der kardiologischen Rehabilitation offensiv über die Grenzen der DGPR hinweg zu demonstrieren und damit ihre Existenzgrundlage langfristig zu sichern, intensivierte er zum Ausklang und über seine Amtszeit hinaus bestehende Kooperationen und schmiedete neue Bündnisse. So konzipierte er zahlreiche Gast-Symposien und Joint Sessions bei fast allen relevanten Veranstaltungen der Herzmedizin wie den Dresdner Herz-Kreislauf-Tagen (DHKT 2023, 2024) sowie den Kongressen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM 2023, 2024), Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG 2023, 2024) und DGK (2025).
Ein Meilenstein in dem von ihm als notwendig erachteten und forcierten Aufbau von Netzwerken und strategischen Partnerschaften war zweifellos die Aufnahme der DGPR in die 2023 gegründete Nationale Herz-Allianz (NHA), in der sich alle großen herzmedizinischen Fachgesellschaften Deutschlands und die Patientenvertretung gemeinsam für eine Verbesserung von Forschung und Versorgung im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen engagieren.
Fast naheliegend ist Schwaab auch Mitglied in weiteren internationalen Fachgesellschaften. Die wissenschaftliche PubMed-Literaturdatenbank der National Library of Medicine (NLM) listet unzählige "Treffer" unter dem Suchwort "Schwaab". Er ist Autor und Gutachter für die European Association of Preventive Cardiology (EAPC). Von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) wurde er als Gutachter für die Erarbeitung der ersten "Cardiac Rehabilitation Guideline" der European Society of Cardiology (ESC) nominiert. Er ist federführender Autor des Kapitels "In-patient cardiac rehabilitation" im neuen Textbook "Preventive Cardiology" der ESC.
Neben dem Klink-Alltag, dem Engagement für die DGPR und seinen wissenschaftlichen Aktivitäten ist Schwaab auch in der Laien- und Patientenaufklärung aktiv. Seit 33 Jahren arbeitet er ehrenamtlich für die Deutsche Herzstiftung, zunächst im wissenschaftlichen Beirat, seit 2022 als Mitglied des Vorstands der mit über 100 000 Mitgliedern größten deutschen Patientenorganisation auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Krankheiten. Vornehmlich über sein dortiges Vorstandsamt ist er gefragter Experte in den Publikumsmedien rund um die ganzheitliche Herzmedizin. Auf seine Initiative hin erschien 2023 der erste Patienten-Ratgeber "Kardiologische Rehabilitation" der Deutschen Herzstiftung. Der umfassende Leitfaden beleuchtet alle Aspekte der Rehabilitation bei verschiedensten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von der erfolgreichen Antragsstellung über die wichtigsten Reha-Maßnahmen inklusive psychologischer Unterstützungsprogramme bis hin zur wohnortnahen Nachsorge in ambulanten Herzgruppen.
Bernhard Schwaab wurde am 2. Februar 1962 in Saarbrücken geboren. Sein Abitur machte er 1981. Sein Studium der Humanmedizin schloss er 1989 an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar ab und war anschließend als Arzt im Praktikum und Assistenzarzt bis 1991 im Bundeswehrkrankenhaus Ulm tätig. 1990 erhielt er seine Approbation, ein Jahr später seine Promotion. 1991 wechselte Schwaab als Assistenzarzt an die Medizinische Klinik, Innere Medizin III (Kardiologie, Angiologie, Internistische Intensivmedizin) der Universitätskliniken des Saarlandes in Homburg/Saar und wurde dort später Oberarzt. 2001 habilitierte er bei Professor Dr. med. Michael Böhm, im gleichen Jahr trat er seinen Dienst als Chefarzt in der kardiologischen Rehabilitation an, den er bis heute mit hohem Engagement versieht. Schwaab verfügt über die Anerkennungen für Innere Medizin (1996), Kardiologie (2000), Angiologie (2001), Sportmedizin (1992), Rehabilitationswesen (2004), Sozialmedizin (2007) und die Zusatzqualifikationen Kardiovaskulärer Präventivmediziner DGPR® (2009) und Sportkardiologie Stufe 2 DGK©.
Bernhard Schwaab ist verheiratet und lebt mit seiner Familie seit 2001 in Ostholstein. Privat interessiert ihn besonders das Thema "ökologische Nachhaltigkeit", das auch sein persönliches Handeln im Alltag maßgeblich prägt.
Die Peter-Beckmann-Medaille als höchste, mit der Ehrenmitgliedschaft verbundene Auszeichnung der DGPR ist benannt nach dem Arzt Dr. Peter Beckmann (* 1908; † 1990), Sohn des berühmten Malers Max Beckmann. Beckmann hatte Anfang der 1950er Jahre das Prinzip der Aktivierung chronisch Herzkranker in Deutschland entwickelt und damit der Bewegungstherapie zum Durchbruch verholfen. Als einer der Urväter der 1958 aus der Taufe gehobenen Vorläufer-Organisation, dem "Verein für Rehabilitation", begründete er auch die Geschichte der DGPR.
Prof. Martin Halle, Prof. Bernhard Rauch und Prof. Antonio Pelliccia erhalten EAPC Lifetime Achievement Award
Lebenswerk-Auszeichnung für herausragende Verdienste um präventive Kardiologie
April 2025. Im Rahmen des diesjährigen ESC Preventive Cardiology Congress 2025, der vom 3. bis 5. April 2025 in Mailand stattfand, wurden Professor Dr. Martin Halle, Leiter des Lehrstuhls für Präventive Sportmedizin und Sportkardiologie an der Technischen Universität München, Professor Dr. Bernhard Rauch, Stiftung IHF – Institut für Herzinfarktforschung, Ludwigshafen, und Professor Dr. Antonio Pelliccia, Senior Consultant and Chief of Cardiology, Institute of Sports Medicine and Science, Rom (Italien), mit dem Lifetime Achievement Award der European Association of Preventive Cardiology (EAPC) ausgezeichnet.
© privat | Prof. Dr. Martin Halle (rechts), Prof. Dr. Bernard Rauch (Mitte) und Prof. Dr. Antonio Pelliccia (links) mit dem Lifetime Achievement Award der European Association of Preventive Cardiology (EAPC).
Die anlässlich des 20-jährigen Bestehens der EAPC im vergangenen Jahr neu geschaffene und in diesem Jahr erstmals vergebene Medaille wird in Anerkennung eines herausragenden, langjährigen Engagements für die EAPC und wegweisender Arbeiten für die präventive Kardiologie verliehen.
Martin Halle erhielt die Auszeichnung unter anderem für seinen bedeutenden Beitrag zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Gesellschaft, deren Präsident er von 2020 bis 2022 war. Zuvor war er von 2012 bis 2014 Chair of the Nucleus of Exercise, Basic and Translation Science und von 2016 bis 2018 Chair of the Research Committee der EAPC. "Natürlich ist die Auszeichnung eine große Ehre für mich! Die EAPC fühlt sich für mich an wie eine große Familie, in der ich mit vielen internationalen Expertinnen und Experten zusammenarbeiten darf, um die Herzgesundheit in Europa voranzubringen", äußerte sich Halle erfreut.
Bernhard Rauch ist ebenfalls ein langjähriger Unterstützer der Vereinigung. Bahnbrechende Verdienste erwarb er sich unter anderem als Initiator und Co-Autor wichtiger Studien bzw. Metaanalysen wie The Cardiac Rehabilitation Outcome Study (CROS, 2016, CROS-II, 2020), und The Cardiac Rehabilitation Outcome Study in Heart Failure (CROS-HF, 2019), deren Update aktuell gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich in Angriff genommen wird.
Bernhard Rauch (2005 – 2007) und Martin Halle (2007 – 2010) gemeinsam ist, dass sie in der Vergangenheit beide der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) in unmittelbarer Folge als Präsidenten vorstanden.
Dritter im Bunde der Geehrten ist Antonio Pelliccia, der sich seit Gründung 2004 intensiv am wissenschaftlichen Leben der Vereinigung beteiligte, indem er beispielsweise aktiv an der Gründung der Sektion Sportkardiologie mitwirkte. Von 2014 bis 2016 führte er die EAPC (als damalige EACPR, European Association for Cardiovascular Prevention & Rehabilitation) ebenfalls als Präsident an. Während seiner Amtszeit erfolgte unter anderem die Erweiterung des EACPR-Mission-Statements, um kardiovaskuläre Gesundheit, Primär- und Sekundärprävention einzubeziehen.
Die EAPC ist eine Gruppierung innerhalb der European Society of Cardiology (ESC) mit mehr als 5000 Mitgliedern, die sich der Unterstützung der Forschung und Aufklärung zur Prävention und Sekundärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen widmet.
Erschienen in: Diabetes, Stoffwechsel und Herz, 2025; 34 (4) Seite 218-220
