Die Neubewertung der Ballaststoffe als Einflussfaktoren auf das Risiko chronischer Krankheiten war Thema eines wissenschaftlichen Workshops im Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam Rehbrücke (DIfE).

Um die „Top-Teams in Sachen Prävention“ ging es im Juni 2013 bei einem Workshop, den das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e. V. in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) durchführte.

Die Wirkung der Ballaststoffe im Darm

Ballaststoffe regulieren nicht nur die Darmfunktion, sondern können präventiv gegen Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmte Krebsarten wirken. Dabei sind die einzelnen Ballaststoffe sehr differenziert zu bewerten. Denn jede Substanz – ob Cellulose, Lignin, Pektin oder Inulin – hat charakteristische Eigenschaften und entfaltet spezifische Effekte. Beispielsweise können unlösliche Fasern aus Getreide das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 und Darmkrebs reduzieren. Lösliche Fasern aus Obst, Gemüse oder Getreide wirken cholesterolsenkend und antiinflammatorisch.

Ballaststoffe sind kein Ballast

Wodurch diese Wirkungen zustande kommen können und wie Ballaststoffe und Mikrobiota interagieren, erklärte Prof. Dr. Michael Blaut, Leiter der Abteilung Gastrointestinale Mikrobiologie am DIfE. Nahrungsfasern sind die Hauptenergiesubstrate der Darmbakterien und beeinflussen die Zusammensetzung der Mikrobiota (früher: Mikroflora). Durch die Mikrobiota steht im Verdauungstrakt eine Vielzahl an Enzymen für den Abbau der Nahrungsfasern bereit. Die Fermentation von Nahrungsfasern im Dickdarm führt zur Bildung kurzkettiger Fettsäuren sowie der Gase Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan. Die kurzkettigen Fettsäuren dienen in verschiedenen Geweben als Energielieferanten, üben aber auch regulatorische Funktionen im Körper aus.

Ballaststoffe üben im menschlichen Gastrointestinaltrakt wichtige Funktionen aus und haben mit überzeugender Evidenz eine nachgewiesene kausale Bedeutung für die Gesundheit. Da der Begriff „Ballaststoffe“ in diesem Zusammenhang irreführend klingt, sollte nach Meinung der Referenten – angelehnt an den anglo-amerikanischen Sprachgebrauch – die Bezeichnung „dietary fiber“ bzw. Nahrungsfasern verwendet werden.

Quelle: DGE