Ein engagierter, patienten- und kollegenorientierter Kollege verlässt die Chefredaktion der Zeitschrift „Diabetes, Stoffwechsel und Herz“.

Eine Zeitschrift wie "Diabetes, Stoffwechsel und Herz" lebt nicht nur von den Inhalten selbst, sondern auch von denen, die entscheiden, welche Artikel in die einzelnen Ausgaben kommen, und selbst auch Themen setzen – ergo: Die Inhalte der Zeitschrift werden maßgeblich bestimmt von den Mitgliedern der Chefredaktion. Für dieses Gremium ist es deshalb wichtig, dass möglichst die Bandbreite der Leser abgebildet wird. Diese reicht bei "Diabetes, Stoffwechsel und Herz" von denen, die ihr Leben ganz der Forschung widmen, über die, die Forschung und Praxis in der Klinik verbinden, bis zu denen, die die Menschen mit Diabetes Tag für Tag in ihrer Praxis betreuen und ihnen konkrete Hilfen für das Gestalten ihres Alltags mit der Stoffwechselkrankheit an die Hand geben.

Wichtige Sichtweise der Niedergelassenen

Genau ein solcher "Tag-für-Tag-Arzt" ist Dr. Martin Lederle – er ist niedergelassener Diabetologe. Als er im Jahr 2005 Mitglied der Chefredaktion, als stellvertretender Chefredakteur, wurde, betrieb er eine Diabetes-Schwerpunktpraxis in Stadtlohn. Bereits ab der ersten Ausgabe, die am 20. Januar 2006 erschien, brachte er die wichtige Sichtweise der Niedergelassenen ein. Im Laufe der Jahre verlegte er seine Praxis nach Ahaus, wo sie Mitglied des an das Klinikum angegliederten Medizinischen Versorgungszentrums wurde. Seine Tätigkeit für "Diabetes, Stoffwechsel und Herz" übte er trotz des Standortwechsels und der veränderten Aufgaben weiterhin mit großem Engagement aus.

Patienten immer im Blick

Wie wichtig ihm die Patienten sind, zeigt sich auch in Artikeln, die hier von ihm erschienen sind. So ertönte im Jahr 2015 sein "Zwischenruf" zu Insulin degludec, das kurz vorher vom Markt genommen worden war. Sein Statement: "Novo Nordisk hat eine moralische Verpflichtung gegenüber den Patienten, die bisher von Insulin degludec profitieren." Seine Forderung untermauerte er mit einem Zitat eines Kindes einer seiner Patientinnen: "Mama, geht es dann wieder los mit den schweren Unterzuckerungen?" Ende 2018 war unter anderem sein Zwischenruf erhört worden und er konnte berichten: "Insulin degludec kommt zurück".

Forderungen bezüglich Therapieoptionen

Auch für eine erweiterte Indikation für Metformin setzte er sich im Jahr 2014 ein und unterstützte "Die Metformin-Initiative". Eine seiner zentralen Aussagen mit Blick auf seine Patienten: "Ich finde es immer sehr schade, wenn ich Metformin aufgrund eingeschränkter Nierenfunktion absetzen muss."

Bedeutung von Ergebnissen aus der Forschung für die Praxis

Aber auch seine Kollegen im niedergelassenen Bereich sind ihm immer wichtig. So fragte er Anfang 2019: "Welche Auswirkungen hat eine neue Klassifikation von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 auf die konkrete Patientenversorgung?" Er ordnete diese neuen Forschungsergebnisse für die Leser von "Diabetes, Stoffwechsel und Herz" und damit für seine Kollegen ein: "Es wäre natürlich sehr schön, wenn die weitere Krankheitsentwicklung eines individuellen Patienten anhand von einfach zu erhebenden Parametern abgeschätzt werden könnte. Ich denke aber, dass die vorgestellte neue Patientenklassifikation noch nicht so ‚belastbar‘ ist, als dass daraus schon heute konkrete diagnostische Konsequenzen für alle erstmanifestierten Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 (…) abgeleitet werden könnten." Und er folgerte: "Es wäre zu wünschen. dass diese Klassifizierung unter Studienbedingungen prospektiv angewendet wird und somit im Verlauf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden kann." Rezensionen zu Büchern aus dem Bereich der Diabetologie ergänzen sein Publikationsspektrum.

Dank für seinen Einsatz

Nun hat Martin Lederle sein Aufgabenspektrum zum Teil verändert, sodass ihm weniger Zeit für Aufgaben neben der Patientenversorgung bleibt. Deshalb hat er sich entschieden, aus der Chefredaktion von "Diabetes, Stoffwechsel und Herz" auszuscheiden. Wir lassen ihn ungern ziehen und werden sein Engagement, seinen Einsatz für Menschen mit Diabetes und für seine Kollegen im Rahmen der publikatorischen Möglichkeiten und auch seine Zuverlässigkeit sehr vermissen. Wir danken ihm herzlich für die gemeinsame Arbeit in den vergangenen 16 Jahren und wünschen ihm alles Gute für seine neuen Aufgaben!

Dr. Katrin Kraatz

für Chefredaktion und Verlag


Erschienen in: Diabetes, Stoffwechsel und Herz, 2021; 30 (1) Seite 49