Die Mehrheit der im Rahmen eines Projekts in Kaiserslautern befragten Ärzte ist für eine flächendeckende Einführung von Telemedizin zur Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen in ihrem Arbeitsumfeld. Sie erwarten davon unter anderem eine Optimierung der Versorgung und eine Erhöhung der Therapietreue. Eine gemeinsame elektronische Patientenakte wird von den Medizinern als weniger wichtig eingeschätzt.

Das sind einige Ergebnisse einer Befragung des Fraunhofer-Instituts für Software-Engineering, der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke und des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern, die heute auf der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Düsseldorf präsentiert wurde.

Landflucht und Zunahme an chronischen Erkrankungen

Telemedizinische Versorgungsangeboten ermöglichen es, „der Zunahme an chronischen Erkrankungen und den strukturellen Veränderungen der medizinischen Angebotssituation, zum Beispiel die abnehmende Verfügbarkeit fachärztlicher Expertise im ländlichen Raum zu begegnen. Das gilt insbesondere für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so Studienautorin Silke Steinbach auf der DGK-Tagung. „Als regionaler Lösungsansatz unterstützt das Modellprojet E.He.R. die Schaffung einer qualitativ hoch wertigen und effizienten Versorgung mittels telemedizinischer Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen.“

Weil die Akzeptanz durch alle Beteiligten eine Voraussetzung für die nachhaltige Implementierung eines neuen Versorgungskonzeptes sei, so die Expertin, wurde im Rahmen der Projektevaluation die Einschätzung von Ärzten in der Region Westpfalz mittels Fragebögen, in Einzelinterviews und in Workshops eingeholt.

Fokus auf schnellere und effizientere Versorgung

„In Rahmen der Anforderungs- und Bedarfsanalyse legten die befragten Ärzte den Fokus auf eine Verbesserung der schnellen und effizienten Patientenversorgung“, so die Expertin. „Durch Telemedizin sollen Abläufe standardisiert und optimiert werden, um Patienten optimal zu versorgen und eine Entlastung der Ärzte herbeizuführen. Als weniger wichtig wurde eine gemeinsame IT-Infrastruktur und eine gemeinsame elektronische Patientenakte gesehen.“ Einen entscheidenden Vorteil sehen die Mediziner laut Befragung in der Erhöhung der Therapietreue von Herzinsuffizienz-Patienten durch die regelmäßige Übermittlung von Vitalparametern im Rahmen der telemedizinischen Begleitung. Generell erwarten die Mediziner ein geschärftes Bewusstsein der Patienten für ihre medizinische Situation und einen selbständigeren Umgang mit der Erkrankung.

58,3 Prozent stehen flächendeckender Einführung positiv gegenüber

„Zusammenfassend steht die Mehrzahl der befragten Ärzte, nämlich 58,3 Prozent, einer flächendeckenden Einführung von Telemedizin in ihrem Arbeitsumfeld positiv gegenüber. Nur eine Minderheit von 12,5 Prozent spricht sich gegen Telemedizin aus“, so die Studienautorin. Allerdings wollen die Mediziner die Telemedizin-Leistungen auch entsprechend abgegolten sehen: 56,5 Prozent der befragten Ärzte verlangen eine Regelvergütung dafür, 39,1 Prozent sehen eine Vergütung im Rahmen von Disease Management Programmen und 30,4 Prozent als Angebot der Integrierten Versorgung (IV) als Optionen.


Literatur:
DGK Abstract Steinbach et al., Telemedizin als Element der flächendeckenden Versorgung für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz – Anforderungen und Bedarf aus ärztlicher Sicht. Projektergebnisse E.He.R.Clin Res Cardiol 103, Suppl 2, Oktober 2014 – Beitrag P407

Quelle: Pressemedlung der Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)