ASCEND Study Collaborative Group; Oxford, Großbritannien; N Engl J Med 2018; doi: 10.1056/NEJMoa1804988. [Epub ahead of print]

Fragestellung: Diabetes mellitus ist mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert. Der Gebrauch von Aspirin reduziert das Risiko eines Gefäßverschlusses, erhöht aber das Blutungsrisiko. Ob es ein Gleichgewicht von Vorteilen und Nachteilen für die Prävention eines ersten kardiovaskulären Ereignisses und Blutungsrisiko bei Patienten mit Diabetes gibt, ist bisher nicht geklärt.

Methodik: Die Autoren teilten nach dem Zufallsprinzip Erwachsene mit Diabetes ohne bisher bekannter kardiovaskulären Erkrankung entweder dem Placebo-Arm oder dem Aspirin-Arm mit 100 mg täglich zu. Primärer Effizienz-Endpunkt war das erste schwerwiegende vaskuläre Ereignis (zum Beispiel Myokardinfarkt, Schlaganfall oder transiente ischämische Attacke, oder Tod durch kardiovaskuläres Ereignis, wobei hier die bestätigte intrakranielle Blutung ausgenommen war). Der primäre Sicherheitsendpunkt war die erste schwerwiegende Blutung, (intrakranielle Blutung, Augenblutung mit Reduktion der Sehfähigkeit, gastrointestinale Blutung oder irgendeine andere schwerwiegende Blutung). Der Sekundäre Endpunkt beinhaltete gastrointestinalen Krebs.

Ergebnisse:Insgesamt wurden 15 480 Teilnehmer randomisiert. Während einer mittleren Beobachtungsdauer von 7,4 Jahren ereigneten sich schwer wiegende vaskuläre Ereignisse signifikant seltener bei Personen in der Aspirin-Gruppe als bei Personen in der Placebogruppe (658 Teilnehmer [8,5 %] versus 743 [9,6 %]), Rate Ratio 0,8 8,95 % Konfidenz­intervall (CI), 0,79 – 0,97, p = 0,01). Im Gegensatz dazu ereigneten sich Blutungen bei 314 Teilnehmern (4,1 %) in der Aspirin Gruppe, im Vergleich zu 245 (3,2 %) in der Placebogruppe (Rate Ratio 1,29; 95 % CI, 1,09 – 1,52; p = 0,003), wobei überwiegend gastrointestinale Blutungen und/oder andere extrakranielle Blutungen auftraten. Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen der Aspirin-Gruppe und der Placebogruppe bezüglich Inzidenz gastrointestinaler malignen Erkrankungen (157 Teilnehmer [2,0 %) und 158 [2,0 %],) oder anderen maligne Erkrankungen (897 [11,6 %) und 887 [11,5 %]), eine Langzeitbeobachtung für diese Ereignisse ist geplant.

Schlussfolgerung: Der Gebrauch von Aspirin 100 mg verhindert bei Personen mit Diabetes ohne vorherige kardiovaskuläre Erkrankung zu Studienbeginn schwerwiegende vaskuläre Ereignisse, Aspirin erzeugte aber auch vermehrt Blutungen. Der absolute Vorteil wurde größtenteils aufgehoben durch das erhöhte Blutungsrisiko.

Kommentar: ACSEND steht für „A Study of Cardiovascular Events in Diabetes“, die Personen in der Studie waren mindestens 40 Jahre alt und hatten einen Typ-1- oder Typ-2-Dia­betes, bei 94 % wurde ein Typ-2-Diabetes aufgeführt, die Diabetesdauer war ca 7 Jahre. Die Probanden wurden in der Zeit 2005 bis 2011 rekrutiert,die Adhärenz betrug in beiden Gruppen 70 %. Die Daten zeigen deutlich, dass ein gewisser kardioprotektiver Schutz mit erhöhtem Blutungsrisiko einhergeht.



Autor:
Prof. Dr. med. Nanette Schloot

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (6) Seite 40-41