Koromani F, Oei L, Skevroja E et al; Department of Internal Medicine, Erasmus University Medical Center, Rotterdam, Niederlande; Diabetes Care 2020; 43: 137 – 144

Fragestellung: Es sollte untersucht werden, ob Individuen mit Typ-2-Diabetes (T2D) ein erhöhtes Risiko für Wirbelkörperfrakturen (VFs) aufweisen und es sollte das Risiko für nicht vertebrale Frakturen und Mortalität geschätzt werden bei Individuen mit beidem, T2D und VFs.

Methodik: Es wurde eine systematische Pub-Med-Suche durchgeführt, um Studien zu identifizieren, die die Beziehung zwischen T2D und VFs untersuchten. Kohorten mit individuellen Teilnehmerdaten (IPD) wurden gepoolt in einer Metaanalyse. Multivariate Cox-Regressions-Modelle wurden angewandt, um nicht vertebrale Frakturen und Mortalitätsrisiko bei Individuen mit T2D und VFs zu schätzen.

Ergebnisse: In 15 Studien mit 852 705 Männern und Frauen hatten Individuen mit T2D ein niedrigeres Risiko für prävalente (odds ratio [OR] 0,84 [95 % CI 0,74 – 0,95]; p = 0,0 %; phet = 0,54), aber ein erhöhtes Risiko für inzidente VFs (OR 1,35 [95 % CI 1,27 – 1,44]; p = 0,6 %; phet = 0,43). In der IPD-Kohorte (n = 19 820) war das Risiko für nonvertebrale Frakturen höher bei solchen mit T2D und VFs als bei solchen ohne T2D oder VFs (hazard ratio [HR] 2,42 [95 % CI 1,86 – 3,15]) oder mit VFs (HR 1,73 [95 % CI 1,32 – 2,27]) oder T2D (HR 1,94 [95 % CI 1,46 – 2,59]) allein. Individuen mit beidem, T2D und VFs, wiesen eine erhöhte Mortalität auf verglichen mit Individuen ohne T2D und VFs (HR 2,11 [95 % CI 1,72 – 2,59]) oder mit VFs allein (HR 1,84 [95 % CI 1,49 – 2,28]) und grenzwertig erhöht verglichen mit Individuen mit T2D allein (HR 1,23 [95 % CI 0,99 – 1,52]).

Schlussfolgerung: Gestützt durch diese Resultate sollten Individuen mit Typ-2-Diabetes systematisch untersucht werden auf das Vorliegen von VFs und wie bei Individuen ohne Typ-2-Diabetes sollte ihr Nachweis eine Indikation zur Osteoporose-Therapie sein, um weitere zukünftige Frakturen zu verhindern.

Kommentar: Der Dachverband Osteologie (DVO) in Deutschland sieht schon seit Jahren in beiden Diabetesformen Typ 1 und Typ 2 einen bedeutenden Risikofaktor für die Entwicklung einer Osteoporose und für osteoporotische Frakturen. Bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes wird bei einem um 1,0 höheren T-Score, abweichend von den ansonsten definierten Grenzwerten für eine medikamentöse Intervention, eine Indikation für eine osteoporotische Therapie gesehen. VFs nach inadäquatem Trauma gelten in Deutschland immer als Indikation für eine Osteoporose-Therapie, unabhängig davon, ob der Betroffene an einem Diabetes erkrankt ist oder nicht. Das scheint in anderen Europäischen Ländern bisher anders gehandhabt zu werden.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (1) Seite Kornelia Konz