Doria A, Galecki AT, Spino C, Pop-Busui R, Cherney DZ, Lingvay I, Parsa A, Rossing P, Sigal RJ, Afkarian M, Aronson R, Caramori ML, Crandall JP, de Boer IH, Elliott TG, Goldfine AB, Haw JS, Hirsch IB, Karger AB, Maahs DM, McGill JB, Molitch ME, Perkins BA, Polsky S, Pragnell M, Robiner WN, Rosas SE, Senior P, Tuttle KR, Umpierrez GE, Wallia A, Weinstock RS, Wu C, Mauer M; PERL Study Group; Boston, USA; N Engl J Med 2020; 382: 2493 – 2503

Fragestellung: Höhere Harnsäurespiegel sind mit einem erhöhten Risiko für diabetische Nierenerkrankung assoziiert. Die Verminderung von Harnsäure mit Allopurinol könnte die Abnahme der glomerulären Filtrationsleistung bei Personen mit Typ-1-Diabetes und leichter-moderater diabetischer Nephropathie vermindern.

Methodik: In einer doppelblinden Studie wurden Teilnehmer mit Typ-1-Diabetes, die einen Harnsäurespiegel von mindestens 4,5 mg/dl, eine eGFR von 40,0 –  99 ml/min pro 1,73 m2 Körperoberfläche und Hinweise für eine diabetische Nephroapthie aufwiesen, der Therapie mit Allopurinol oder Placebo zugewiesen. Der primäre Endpunkt war die auf Studienbeginn adjustierte GFR, gemessen mit (dem jodhaltigen Kontrastmittel) Iohexol, nach 3 Jahren und zusätzlichen 2 Monaten Nachbeobachtung. Sekundäre Endpunkte waren Verminderung der Iohexol-basierten GFR pro Jahr und die Ausscheidung des Albumin im Urin am Ende der Nachbeobachtung. Sicherheitsdaten wurden ebenfalls erhoben.

Ergebnisse: Insgesamt erhielten 267 Patienten Allopurinol und 263 Placebo. Das mittlere Alter lag bei 51,1 Jahren, die mittlere Diabetesdauer betrug 34,6 Jahre, der mittlere HbA1c war 8,2 %. Die mittlere mit Iohexal gemessene GFR betrug 68,7 ml/min/1,73 m2 in der Allopurinolgruppe und 67,3 ml min/1,73 m2 in der Placebogruppe. Während der Interventionsperiode wurden in der Allopurinolgruppe die mittleren Harnsäurespiegel von 6,1 auf 3,8 mg/dl gesenkt und blieben mit 6,1 mg/ml in der Placebogruppe stabil. Nach der Auswaschungsphase zeigte der Gruppenvergleich für die mittlere Iohexol-basierte GFR eine Differenz von 0,001 ml/min/1,73 m2 (95 % Konfidenzintervall [CI], −1,9 bis 1,9; p = 0,99). Der mittlere Abfall der Iohexal-basierten GFR betrug −3,0 ml/min/1,73 m2 mit Placebo und −2,5 ml/min/1,73 m2 (Unterschied zwischen den Gruppen –0,6 ml/min/1,73 m2 pro Jahr, 95 % KI −1,5 bis 0,4). Die mittlere Urin-Albumin-Exkretionsrate nach der Auswaschungsphase betrug 40 % (95 % KI, 0 bis 80) mit Allopurinol im Vergleich zu Placebo. Die Häufigkeit von schweren unerwünschten Ereignissen war in beiden Gruppen ähnlich.

Schlussfolgerung: Die Autoren fanden keinen Hinweis für klinisch bedeutungsvolle Effekte einer Serumharnsäurereduktion mit Allopurinol für Nieren-Outcomes bei Patienten mit Typ-1-Diabetes mit einer leichten bis mittleren diabetischen Nephropathie. (Funded by the National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases and others; PERL ClinicalTrials.gov number, NCT02017171).

Kommentar: Die hier untersuchten Personen mit Typ-1-Dia­betes in der qualitativ hochwertigen PERL-Studie hatten eine eGFR von 40 – 100 ml/min und wiesen damit eine leichte bis mittelgradige chronische Nierenerkrankung (CKD) auf. Ähnlich wie bei der CKD-FIX-Studie bei Patienten mit CKD 3 bis 4 hatte Allopurinol keinen klinisch wirksamen protektiven Effekt auf die Nierenfunktion, wobei die Typ-1-Diabetes-Patienten in der PERL-Studie Nieren-gesünder waren.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (5) Seite 53-54