Bebu I, Braffett BH, Orchard TJ, Lorenzi GM, Lachin GM, DCCT/EDIC ­Research Group. Rockville, USA; Diabetes Care 2019; 42: 1284 – 1289

Fragestellung: Der Diabetes Control and Complications Trial (DCCT)/Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications (EDIC) hat die zentrale Bedeutung der Hyperglykämie als Risikofaktor für klinische kardiovaskuläre Ereignisse bei Typ-1-Diabetes (T1D) gezeigt. Das Team untersuchte, ob und inwieweit der Effekt der Glukosestoffwechsellage durch andere etablierte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) vermittelt wird.

Methodik: Im DCCT wurden 1 441 Teilnehmer randomisiert, um entweder eine intensive oder eine konventionelle Diabetestherapie zu erhalten. Die EDIC-Beobachtungsstudie umfasste 96 % der überlebenden DCCT-Kohorte, wobei 94 % der Überlebenden nach mehr als 27 Jahren noch aktiv teilnahmen. Die Vermittlung der Auswirkungen der Glukosestoffwechsellage, die mit dem HbA1c-Wert erfasst wurde, auf das nachfolgende CVD-Risiko wurde anhand der relativen Veränderung des mit dem HbA1c-Wert verbundenen CVD-Risikos zwischen Modellen ohne und mit dem potenziellen Mediator quantifiziert.

Ergebnisse: Nach Adjustierung für das Alter erklärten nur wenige Faktoren (z. B. Herzfrequenz, Triglyceride, Albuminausscheidungsrate) mehr als 10 % der Auswirkungen der Glukosestoffwechsellage auf das CVD-Risiko, wenn man sie einzeln betrachtet. In multivariablen Modellen vermittelten diese traditionellen Risikofaktoren zusammen bis zu ~50 % der Auswirkungen der Glukosestoffwechsellage auf das Risiko von CVD. Der Zusammenhang zwischen HbA1c und dem Risiko für CVD blieb jedoch auch nach Adjustierung für diese Risikofaktoren hochsignifikant.

Schlussfolgerung: Obwohl der HbA1c-Wert mit vielen traditionellen CVD-Risikofaktoren assoziiert ist, kann die Assoziation mit diesen Faktoren allein seine Auswirkungen auf das Risiko für CVD nicht erklären. Folglich ist ein aggressives Management der traditionellen nicht-glykämischen CVD-Risikofaktoren in Verbindung mit einem aggressiven glykämischen Management für Personen mit Typ-1-Diabetes notwendig.

Kommentar: Die Ergebnisse dieser Mediationsanalyse betonen einerseits die Wichtigkeit der Optimierung kardiovaskulärer und renaler Risikofaktoren (z. B. systolischer Blutdruck, Triglyceride, LDL-Cholesterin, Puls und Albuminurie, eGFR) in der Therapie von Menschen mit Typ-1-Diabetes. Andererseits bleibt – zumindest beim Typ-1-Diabetes – die strenge Optimierung der Blutglukosestoffwechsellage ein zentrales Element der Therapie, da die oben genannten Risikofaktoren nur die Hälfte der kardiovaskulären Ereignisse erklären. Die Mechanismen, wie die Blutglukosestoffwechsellage das kardiovaskuläre Risiko direkt beeinflusst, sind noch nicht abschließend erforscht.



Autor: PD Dr. med. Michael Hummel
Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
und
Krankenhaus München-Schwabing
Kölner Platz 1
80804 München

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (5) Seite 46