Overbeek JA, van Herk-Sukel MPP, Vissers PAJ, van der Heijden AAWA, Brunsveld HK, Herings RMC, Schmidt MK, Nijpels G Department of General Practice and Elderly Care Medicine, Amsterdam Public Health Research Institute, VU University Medical Center, Amsterdam NL; Diabetes Care 2019; 42: 434 – 442

Fragestellung: Es sollte untersucht werden, ob Frauen mit Typ-2-Diabetes (T2D) mehr fortgeschrittenere Stadien von Mamma-Carcinom entwickeln und ob eine Behandlung mit Insulin (Analoga) mit spezifischen Mamma-Carcinom-Charakteristika assoziiert ist.

Methodik: Für die Fall-Kontroll-Studie wurden Frauen mit Mamma-Carcinom-Diagnose zwischen 2002 und 2014 aus dem Krebsregister und der angeschlossenen PHARMO-Datenbank der Niederlande ausgewählt (n = 33 377). T2D war definiert als Einnahme von 2 oder mehr Nichtinsulin-blutzuckersenkenden Medikamenten vor der Diagnose des Mamma-Carcinoms. Frauen mit T2D wurden gematcht mit Frauen ohne Diabetes. Bei den Frauen mit T2D wurden Insulin-behandelte mit denen ohne Insulin verglichen. Es wurde eine multivariable logistische Regression angewandt, um die Assoziation von T2D/Insulin und Mamma-Carcinom-Charakteristika zu untersuchen, TNM-Klassifikation (Tumorgröße, LK-Status, Metastasen), Morphologie, Tumorgrad, Östrogen-Rezeptor, Progesteron-Rezeptor (PR), humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 und molekulare Subtypen eingeschlossen.

Ergebnisse: Frauen mit T2D (n = 1 564) wurden öfter mit einem fortgeschritteneren Tumorstadium (OR 1,28 [95 % CI 1,3 – 1,44]) und höherem Grad (1,22 [1,08 – 1,39]) diagnostiziert, allerdings seltener mit PR-negativem Mamma-Tumor (0,77 [0,67 – 0,89]) als Frauen ohne Diabetes (n = 6 267). Für andere Mamma-Carcinom-Charakteristika wurde keine Assoziation entdeckt. Frauen mit T2D, die Insulin gebrauchten (n  = 388), wurden nicht mit Tumoren anderer Charakteristika diagnostiziert, verglichen mit Frauen, die kein Insulin erhielten (n = 1 179).

Schlussfolgerung: Die Studie lässt vermuten, dass Frauen mit T2D ein erhöhtes Risiko besitzen für eine Diagnose von aggressiverem Mamma-Carcinom als Frauen ohne Diabetes. Es wurde keine Evidenz dafür gefunden, dass Insulin­analoga mit der Entwicklung von fortgeschritteneren Mamma-Carcinomen assoziiert sind.

Kommentar: Die zahlenstarke Studie bestätigt andere Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen Adipositas, Typ-2-Diabetes und dem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Mamma-Carcinoms belegen, vor dem Hintergrund der metabolischen Besonderheiten des Typ-2-Dia­betes: Insulinresistenz mit kompensatorischer Hyperinsulinämie und deren Auswirkungen auf das Signalverhalten von Insulin und IGF1 sowie den Metabolismus der Sexualhormone. Die Studie ergab keinen Hinweis auf eine Verbindung zwischen einer Insulintherapie und fortgeschrittenen Brusttumoren oder einer erhöhten Tumorinzidenz. Wir erfahren in dieser Kohortenstudie allerdings nichts über die Dauer der Insulintherapie und die Insulindosis der Patienten.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (2) Seite 53